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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Zukunft made in Germany / Teil 1 Innovationen gehören ins Pflichtenheft jedes Managers

 ·  Auftakt der F.A.Z.-Serie „Zukunft made in Germany“: Nachdem die deutschen Unternehmen drei Jahre lang mit Kostensenkungen beschäftigt waren, rücken nun wieder Innovationen in den Mittelpunkt.

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Nachdem die deutschen Unternehmen drei Jahre lang mit Kostensenkungen beschäftigt waren, rücken nun wieder Innovationen in den Mittelpunkt. "Innovationsmanagement wird heute als größter Hebel für mehr Wachstum gesehen und steht daher ganz oben auf der Agenda der Manager", sagt Georg Beyer, Innovationsfachmann beim Beratungsunternehmen Arthur D. Little.

Ein systematisches Innovationsmanagement gilt heute als Garant für den Unternehmenserfolg: "Unternehmen, die weniger als 10 Prozent ihres Umsatzes mit neuen oder neugestalteten Produkten erwirtschaften, sind auf Dauer gefährdet", meint Axel Glanz vom Beratungsunternehmen Innovation-Trust. Er hat die Innovationskraft von 200 großen Unternehmen in Deutschland untersucht und zieht eine kritische Bilanz: "Im Durchschnitt erwirtschaften die großen deutschen Unternehmen nur 11 Prozent ihres Umsatz mit neuen oder neugestalteten Produkten."

Forschung und Entwicklung rückt in den Vordergrund

Die Unterschiede zwischen den Branchen sind allerdings groß: "Innovative Unternehmen wie Tchibo oder Infineon erzielen mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes mit neuen oder neu gestalteten Produkten" sagt Glanz. Zum Beispiel gehört Infineon zu den Innovationsführern in der Produktion von Standardspeicherchips (D-Ram). Die Entwicklung von Nanoröhrchen aus Kohlenstoff, die in der Halbleiterproduktion eingesetzt werden, soll einen zusätzlichen Produktionsschub bringen. Bei Tchibo besteht die Erneuerung im Geschäftsmodell. Der Konzern hat sich vom Kaffeeröster zu einem Handelsunternehmen gewandelt, das mit dem Verkauf neuer Produkte vom Reithelm bis zum Wandschrank inzwischen einen großen Teil seines Umsatzes erzielt.

Nicht erst seit der Innovationsoffensive der Bundesregierung rückt die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Forschung und Entwicklung in den Vordergrund: "Innovationsfähigkeit ist ein maßgeblicher Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Nur darüber können wir mittel- bis langfristig Arbeitsplätze in Deutschland halten", sagt Kai Engel, Fachmann für Innovationen im Beratungsunternehmen A.T. Kearney.

Technik aus Deutschland hat auf dem Weltmarkt guten Ruf

Eine Verlagerung ins Ausland ist an den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen bisher weitgehend vorbeigegangen: "Innovationskraft wird bis heute nur in Ausnahmefällen ins Ausland verlagert", hat Beyer beobachtet. Insbesondere die Konzeptentwicklung finde nach wie vor im Inland statt. In einigen Fällen wird allerdings die Entwicklung einzelner Komponenten ins Ausland verlagert. Dazu gehören Softwareanwendungen. Sie werden in Länder wie Indien verlagert, die mit einem niedrigen Lohnniveau bei gleichzeitig hohem Ausbildungsstand glänzen können.

Technik aus Deutschland hat auf dem Weltmarkt weiterhin einen guten Ruf. Im internationalen Vergleich gelten die deutschen Unternehmen der Elektrotechnik, der Autoindustrie und der Softwarebranche als besonders innovativ. Die Maschinen- und Anlagenbauer gelten trotz ihrer guten Position auf dem Weltmarkt als konservative Innovatoren, die einen vergleichsweise geringen Teil ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung investieren. Am unteren Ende der Innovationsskala stehen die Baubranche, die Konsumgüterhersteller und die Finanzdienstleister. "Viele Banken und Versicherungen sind noch auf Kostensenkungen fixiert. Innovationen sind nur vereinzelt ein Thema", begründet Engel den Rückstand deutscher Finanzinstitute.

Innovationen sind oft Zufallsprodukte

Viele Innovationen scheitern nicht an der Qualität der Forscher und Entwickler, sondern an der Organisation in den Unternehmen. "1000 neu eingestellte Ingenieure garantieren keine Innovationen. Oft wird die Innovationsstrategie in den Unternehmen nicht klar formuliert", kritisiert Engel. Innovationen sind daher oft Zufallsprodukte und kein Ergebnis systematischer Forschung und Entwicklung.

Klare Unterschiede zeigen sich in der Methode, wie Unternehmen neuen Trends auf die Spur kommen: Innovative Unternehmen betrieben systematische Zukunftsforschung und befragen ihre Verkäufer weit häufiger als Unternehmen mit geringem Innovationsgrad. "Innovationen werden zu häufig aus der Froschperspektive heraus entwickelt, ohne frühe Rückkopplung mit dem Vertrieb", kritisiert Glanz. Diese Produkte fänden später am Markt häufig keine Akzeptanz.

In Asien werden neue Produkte schneller entwickelt

Um diese Fehler zu vermeiden, muß die Zuständigkeit für Innovationen an einer Stelle gebündelt werden, empfehlen die Berater. Erfolgreiche Innovatoren haben die Hauptverantwortlichkeit für Innovationen sogar ganz oben in ihrer Hierarchie angesiedelt, sagt Glanz und unterfüttert seine These mit handfesten Zahlen: "Unternehmen mit einem eigenen Vorstandsmitglied für Innovation erwirtschaften im Durchschnitt 14 Prozent ihres Umsatzes mit neuen Produkten. Dagegen erzielen Unternehmen mit dezentraler Verantwortung nur 10 Prozent mit Innovationen."

Vor allem die Dienstleistungsunternehmen verzichten häufig auf einen Innovationsvorstand. "Die Dienstleistungsbranche in Deutschland ist in der Umsetzung eines strukturierten Innovationsmanagements weniger weit fortgeschritten als die Industrie. Die Dienstleister haben ihren Nachholbedarf aber erkannt und übernehmen Konzepte aus anderen Branchen. Vorreiter ist die Autoindustrie, die auch im internationalen Vergleich sehr innovativ ist", sagt Beyer.

Als Mangel der deutschen Unternehmen gilt auch die Innovationsgeschwindigkeit. "Das Potential für eine Tempoerhöhung in der Produktentwicklung ist in einigen Branchen signifikant", formuliert Engel seine versteckte Kritik. Vor allem in Asien werden neue Produkte schneller entwickelt. "Die deutschen Unternehmen müssen lernen, Lieferanten besser in ihre Entwicklung einzubeziehen, um das Innovationstempo zu erhöhen", meint Engel. "Wir brauchen daher Wertschöpfungsnetzwerke und keine starren Wertschöpfungsketten." Zum Beispiel habe es der erfolgreiche japanische Autohersteller Toyota geschafft, diese Wertschöpfungsnetzwerke aufzubauen. Auch der koreanische Technikspezialist Samsung habe es sehr gut verstanden, Schlüsseltechnologien im eigenen Unternehmen anzusiedeln, um sehr schnell darauf zugreifen zu können.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.08.2004, Nr. 192 / Seite 13
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