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Zu wenig Rendite Große Fonds wenden sich von Rohstoffen ab

Die Debatte um Lebensmittel-Spekulationen könnte leiser werden: Pensionsfonds und andere institutionelle Investoren ziehen sich in größerem Stil aus Geldanlagen in Rohstoffindizes zurück.

© dpa Vergrößern Er erntet nicht für Investoren: Ein Mähdrescher in Thüringen.

Pensionsfonds und andere institutionelle Investoren ziehen sich in größerem Stil aus Geldanlagen in Rohstoffindizes zurück. Der Grund: Die zuletzt verlustträchtigen Anlagen haben die großen Fonds nicht wie erwartet vor Inflationsrisiken und den Schwankungen der Aktien- und Anleihemärkte geschützt. Nach zwei Jahren mit Rekordabflüssen aus Indexanlagen hat der Trend in diesem Jahr weiter an Fahrt aufgenommen, berichtet das „Wall Street Journal“ unter Bezugnahme auf Analysten und Investoren.

Norbert Kuls Folgen:  

Pensionsfonds oder auch Stiftungsvermögen von Universitäten nutzen eine Reihe von Produkten, um in Rohstoffindizes zu investieren. Dazu gehören Indexfonds, börsennotierte Fonds oder spezielle Derivate, die sich an der Entwicklung von Marktbarometern wie dem Standard & Poor’s Goldman Sachs Commodity Index (S&P GSCI) oder dem Dow Jones - UBS Commodity Index (DJ-UBS) orientieren. Die Indizes bilden Körbe von Rohstoffen ab, die von Öl und Gas über Metalle bis hin zu Agrarprodukten reichen. In den vergangenen fünf Jahren war die Entwicklung des S&P GSCI vor allem wegen hoher Verluste im Jahr 2008 mit einem Minus von 33 Prozent insgesamt negativ. Der DJ-UBS bescherte Anlegern im gleichen Zeitraum Verluste von 25 Prozent.

Umstrittene Geldanlage

Die Anlage in Rohstoffindizes war in den vergangenen Jahren so populär wie umstritten. Prominente Kritiker wie der Hedgefondsmanager Michael Masters hatten die Geldzuflüsse bei Anhörungen vor dem Kongress für zunehmende Preisschwankungen an den Rohstoffmärkten verantwortlich gemacht. In der öffentlichen Debatte wurden besonders die seit 2006 kontinuierlich gestiegenen Preise für Lebensmittel hervorgehoben, die in den Jahren 2007 und 2008 und dann zwei Jahre später dramatisch nach oben ausgeschlagen waren. Dagegen stehen allerdings mehrere akademische Studien, die keine überzeugenden Belege für die These fanden, dass Kaufdruck durch Indexinvestoren zu einer spekulativen Blase bei Agrarrohstoffen geführt hat.

Die Debatte scheint sich von selbst aufzulösen

Auf jeden Fall scheint sich die Ursache dieser Debatte jetzt von selbst aufzulösen. Zu den Fonds, die ihre Anlagen in Rohstoffindizes zurückfahren, gehört der größte amerikanische Pensionsfonds Calpers, die Rentenkasse für den öffentlichen Dienst im Bundesstaat Kalifornien. Nach Verlusten von rund 8 Prozent jährlich in den vergangen fünf Jahren hat Calpers im vergangenen Oktober mehr als die Hälfte seiner Anlagen aus Rohstoffindizes abgezogen. Das geht aus den jüngsten von Calpers veröffentlichten Finanzdaten hervor. Nur noch 1,5 Milliarden Dollar belässt Calpers in dieser Anlageklasse - das entspricht nur 0,6 Prozent des insgesamt von dem Fondsriesen verwalteten Vermögens. Calpers hat seine Rohstoffanlagen in inflationsgeschützte Anleihen umgeschichtet. Die Entscheidung von Calpers gilt als bedeutend, weil die Kalifornier zu den Pionieren bei den Anlagen in Rohstoffindizes zählten. „Die Kehrtwende und der Rückzug von Calpers sendet ein Signal an die anderen Institutionen“, sagte David Frenk, der die Marktanalyse bei der Lobbyorganisation Better Markets in Washington verantwortet. Better Markets zählt zu den Kritikern von Rohstoff-Index-Anlagen. „Es beginnt ein riesiger Wandel“, meint Frenk.

Vor einem Jahrzehnt waren Rohstoffindizes als Anlageform noch praktisch unbekannt. Auf dem Höhepunkt des Trends im Jahr 2010 waren nach Angaben der Bank Barclays 155 Milliarden Dollar in Rohstoffindizes investiert - mehr als doppelt so viel wie zwei Jahre vorher, als sich die Summe noch auf 65 Milliarden Dollar belief. Mittlerweile sind die Anlagen nach Kalkulationen von Barclays auf 133 Milliarden Dollar zurückgegangen.

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Rohstoffpreise haben traditionell mäßige Gewinne abgeworfen und standen im Einklang mit der Inflationsentwicklung. Da die Preise nicht mit Aktien- oder Rentenmärkten korrelieren, galten sie für Fondsmanager als Chance, das Risiko von traditionellen Portfolios zu reduzieren, die vor allem auf Aktien und Anleihen ausgerichtet waren. In den vergangenen Jahren haben die Preise aber ungewöhnlich stark geschwankt, was Kritiker auf „Indexspekulanten“ zurückführten.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 08.02.2013, 16:10 Uhr

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