Home
http://www.faz.net/-gqe-14rw7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Zu Besuch in Nordkorea Blick in den Sozialismus

Die Funktionäre des sozialistischen Regimes genießen ihre Privilegien, doch die Nordkoreaner kämpfen gegen die Armut. Die Währungsreform hat ihre Ersparnisse vernichtet. Die gepflegte Fassade Pjöngjangs kann den Mangel nicht verdecken. Seltene Einblicke in ein verschlossenes Land.

© Patrick Welter In der VIP Lounge Nr. 6 im Flughafen von Pjöngjang

Es ist dunkel in den breiten Straßen von Pjöngjang. Auf dem Bürgersteig im Zentrum hat sich am späten Nachmittag eine Schülerband aufgebaut. Dick verpackt in ihre Winterjacken, spielen die 12 bis 15 Jahre alten Jugendlichen gegen die Kälte an. Nur vereinzelt spenden Passanten Beifall. Auch der Titel „Fußstapfen“ findet kaum Zuhörer. Das eingängige Lied mit dem Refrain "Trapp-trapp-trapp" preist die Loyalität des jungen Generals Kim zum großen Führer Kim Jong-il und verheißt dem Land eine glänzende Zukunft, wenn die Schritte des Generals noch lauter ertönen.

Patrick Welter Folgen:

Bis dahin hat die Demokratische Volksrepublik Korea im Vergleich mit dem kapitalistischen Südkorea noch viele Schritte zu gehen. 56 Jahre nach dem Korea-Krieg erreicht das Pro-Kopf-Einkommen im Norden gerade mal etwa 6 Prozent der Landsleute im Süden der Halbinsel. Der Wert dieser Schätzung der südkoreanischen Zentralbank ist gering; zu viele Ungewissheiten gibt es etwa über die Militärwirtschaft des Nordens. Der wahre Zustand der sozialistischen Planwirtschaft zeigt sich in Meldungen wie der, dass die Schulkinder gerade verfrüht in die Winterferien geschickt wurden, damit der Staat Heizkosten spart. Das Durchschnittseinkommen lag vor der jüngsten Währungsreform bei rund 4000 Won im Monat, zum Schwarzmarktkurs entspricht das 80 Eurocent.

Mehr zum Thema

Eine unwirkliche Kulisse

Die vom Regime gepflegte Fassade in der Hauptstadt Pjöngjang kann den Mangel nur notdürftig verdecken. Nicht nur der Duty Free Shop am Flughafen gleicht ob des spärlich-aufgeräumten Warenangebotes einem überdimensionierten Puppenkaufladen. In vielem wirkt die Vorzeigestadt mit ihren 2 Millionen Einwohnern, in die der Zuzug streng reguliert ist, wie eine unwirkliche Kulisse. Solarbetriebene Straßenlaternen an der Changgwang-Straße, die Solarzellen aus chinesischer Produktion, demonstrieren Modernität; doch ihr spärlicher Lichtkegel reicht abends nur für wenige Meter. Auf den breiten, oft vierspurigen Straßen fahren nur wenige Autos; oft sind ältere Mercedes-Benz zu sehen und künden vom Rang der Funktionäre der Arbeiterpartei oder der Minister - ebenso wie die im vergangenen Jahr vom Regime gekauften 400 Volkswagen Passat aus chinesischer Produktion. Nur einige tausend Personenwagen soll es in Nordkorea geben, bei einer Bevölkerung von etwa 23 Millionen. Auf den Landstraßen sind vorwiegend Fahrradfahrer unterwegs, oder die Menschen gehen zu Fuß.

Blick in den Sozialismus In der VIP Lounge Nr. 6 im Flughafen von Pjöngjang © Patrick Welter Bilderstrecke 

Tagsüber ist das Stadtzentrum nahezu menschenleer. In die Geschäfte in der Bahnhofsgegend verirren sich nur wenige Menschen. Zur Mittagszeit herrscht an kleinen Imbissbuden etwas Gedränge. Schlange stehen die Pjöngjanger - und das in der Stoßzeit oft zu Hunderten Metern - aber an den Haltestellen der betagten Busse. Überbordende Warenfülle, die in Ansätzen an das wilde Einkaufsparadies Südkorea erinnert, gibt es nur auf den wenigen privaten Märkten. Diese duldet das planwirtschaftliche Regime widerwillig zur Besserung der Versorgungslage und trifft sie doch mit Querschlägen. Der überraschende Währungsschnitt Anfang Dezember hat das Kapital der Händlerinnen zumindest teilweise vernichtet und viel im Schwarzhandel verdientes Geld entwertet.

Propagandamaschine läuft auf Hochtouren

1 | 2 | 3 | 4 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Eintracht Frankfurt Torwart Trapp verabschiedet sich

Die Wege von Eintracht Frankfurt und Kevin Trapp werden sich wohl an diesem Wochenende trennen. Eine Delegation des Vereins ist zu finalen Verhandlungen in Paris. Der Torwart verabschiedet sich schon einmal. Mehr Von Ralf Weitbrecht, Frankfurt

04.07.2015, 11:14 Uhr | Sport
Besuch in Moskau Kim Jong-un will nach Russland reisen

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un will offenbar nach Russland reisen. Anlässlich der Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag des Ende des Zweiten Weltkriegs. Mehr

28.01.2015, 14:21 Uhr | Gesellschaft
Eintracht Frankfurt Auf dem Weg zum 22 plus 3

Die Eintracht-Profis starten mit dem wenig beliebten Laktattest in die Saisonvorbereitung. Der neue alte Trainer Armin Veh sucht noch Spieler für seinen Kader – mit besonderer Motivation. Mehr Von Ralf Weitbrecht

02.07.2015, 06:34 Uhr | Rhein-Main
Nordkorea Machthaber Kim Jong-un ließ offenbar Verteidigungsminister hinrichten

Nach südkoreanischen Medienangaben habe Staatsführer Kim Jong-un seinen Verteidigungsminister hinrichten lassen. Die Exekution mit Flugabwehrgeschützen durchgeführt worden. Hunderte Personen hätten dabei zugeschaut. Mehr

13.05.2015, 11:38 Uhr | Politik
Weitere Nachrichten Löhne steigen bis 2020 weiter - aber sozial ungerecht

Das Umweltbundesamt will ein Label für die Lebensdauer von Elektrogeräten kreieren. Tokios Börse gibt leicht nach. Der Kreuzfahrtbranche fehlen Schiffe und die Arbeitslosigkeit in Frankreich steigt. Mehr

25.06.2015, 06:54 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 18.12.2009, 16:35 Uhr

Maut-Schaden

Von Manfred Schäfers

Die Freude des Verkehrsministers über das Maut-Gesetz währte nur kurz. Tatsächlich rollt nun das Geld, dummerweise in die falsche Richtung: aus dem Verkehrsetat, statt hinein. Mehr 31 23


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --