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Zu Besuch in Nordkorea : Blick in den Sozialismus

In der VIP Lounge Nr. 6 im Flughafen von Pjöngjang Bild: Patrick Welter

Die Funktionäre des sozialistischen Regimes genießen ihre Privilegien, doch die Nordkoreaner kämpfen gegen die Armut. Die Währungsreform hat ihre Ersparnisse vernichtet. Die gepflegte Fassade Pjöngjangs kann den Mangel nicht verdecken. Seltene Einblicke in ein verschlossenes Land.

          Es ist dunkel in den breiten Straßen von Pjöngjang. Auf dem Bürgersteig im Zentrum hat sich am späten Nachmittag eine Schülerband aufgebaut. Dick verpackt in ihre Winterjacken, spielen die 12 bis 15 Jahre alten Jugendlichen gegen die Kälte an. Nur vereinzelt spenden Passanten Beifall. Auch der Titel „Fußstapfen“ findet kaum Zuhörer. Das eingängige Lied mit dem Refrain "Trapp-trapp-trapp" preist die Loyalität des jungen Generals Kim zum großen Führer Kim Jong-il und verheißt dem Land eine glänzende Zukunft, wenn die Schritte des Generals noch lauter ertönen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Bis dahin hat die Demokratische Volksrepublik Korea im Vergleich mit dem kapitalistischen Südkorea noch viele Schritte zu gehen. 56 Jahre nach dem Korea-Krieg erreicht das Pro-Kopf-Einkommen im Norden gerade mal etwa 6 Prozent der Landsleute im Süden der Halbinsel. Der Wert dieser Schätzung der südkoreanischen Zentralbank ist gering; zu viele Ungewissheiten gibt es etwa über die Militärwirtschaft des Nordens. Der wahre Zustand der sozialistischen Planwirtschaft zeigt sich in Meldungen wie der, dass die Schulkinder gerade verfrüht in die Winterferien geschickt wurden, damit der Staat Heizkosten spart. Das Durchschnittseinkommen lag vor der jüngsten Währungsreform bei rund 4000 Won im Monat, zum Schwarzmarktkurs entspricht das 80 Eurocent.

          Eine unwirkliche Kulisse

          Die vom Regime gepflegte Fassade in der Hauptstadt Pjöngjang kann den Mangel nur notdürftig verdecken. Nicht nur der Duty Free Shop am Flughafen gleicht ob des spärlich-aufgeräumten Warenangebotes einem überdimensionierten Puppenkaufladen. In vielem wirkt die Vorzeigestadt mit ihren 2 Millionen Einwohnern, in die der Zuzug streng reguliert ist, wie eine unwirkliche Kulisse. Solarbetriebene Straßenlaternen an der Changgwang-Straße, die Solarzellen aus chinesischer Produktion, demonstrieren Modernität; doch ihr spärlicher Lichtkegel reicht abends nur für wenige Meter. Auf den breiten, oft vierspurigen Straßen fahren nur wenige Autos; oft sind ältere Mercedes-Benz zu sehen und künden vom Rang der Funktionäre der Arbeiterpartei oder der Minister - ebenso wie die im vergangenen Jahr vom Regime gekauften 400 Volkswagen Passat aus chinesischer Produktion. Nur einige tausend Personenwagen soll es in Nordkorea geben, bei einer Bevölkerung von etwa 23 Millionen. Auf den Landstraßen sind vorwiegend Fahrradfahrer unterwegs, oder die Menschen gehen zu Fuß.

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          Tagsüber ist das Stadtzentrum nahezu menschenleer. In die Geschäfte in der Bahnhofsgegend verirren sich nur wenige Menschen. Zur Mittagszeit herrscht an kleinen Imbissbuden etwas Gedränge. Schlange stehen die Pjöngjanger - und das in der Stoßzeit oft zu Hunderten Metern - aber an den Haltestellen der betagten Busse. Überbordende Warenfülle, die in Ansätzen an das wilde Einkaufsparadies Südkorea erinnert, gibt es nur auf den wenigen privaten Märkten. Diese duldet das planwirtschaftliche Regime widerwillig zur Besserung der Versorgungslage und trifft sie doch mit Querschlägen. Der überraschende Währungsschnitt Anfang Dezember hat das Kapital der Händlerinnen zumindest teilweise vernichtet und viel im Schwarzhandel verdientes Geld entwertet.

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