29.06.2010 · Auch Google will offensichtlich nicht, dass die chinesische Regierung in der Auseinandersetzung über Zensur im Internet ihr Gesicht verliert: Die Umleitung der Seite auf ein Angebot aus Hongkong gibt es künftig nur noch auf Wunsch des Nutzers. Ein echter Kampf für die Meinungsfreiheit sieht anders aus.
Von Carsten KnopWer geglaubt hatte, der Internetkonzern Google zeige der chinesischen Regierung einmal richtig, was Meinungsfreiheit bedeutet und ziehe sich aus dem Land mit seinen 400 Millionen Internetnutzern zurück, war naiv. Die Ankündigung von Google, politisch unerwünschte Suchergebnisse seiner chinesischen Suchmaschine nicht mehr automatisch, sondern nur noch manuell nach Hongkong umzuleiten, das in Fragen der Meinungsfreiheit einen Sonderstatus genießt, legt davon Zeugnis ab.
Auch Google will offensichtlich nicht, dass die chinesische Regierung in dieser Auseinandersetzung ihr Gesicht verliert, was für die Amerikaner unerfreulich wäre. So geht man einen Schritt auf die Politiker zu – und kann gegenüber den Google-Nutzern in der westlichen Welt argumentieren, man sei nicht vollkommen eingeknickt.
Zwar ist es immer noch möglich, das es die Regierung vor der Lizenzverlängerung zur Eskalation kommen lässt, aber wahrscheinlich ist das nicht. Google und China möchten aufeinander nicht verzichten. Google will dort auch seine Handybetriebssysteme vermarkten. Und die Regierung kann sich damit beruhigen, dass die meisten Chinesen ohnehin mit der heimischen Baidu-Suchmaschine arbeiten.
Carsten Knop Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.
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