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Zeitungsbranche Der WAZ-Anteilsverkauf naht

Der Eigentümerwechsel in der WAZ-Gruppe steht noch nicht fest, rückt aber näher. Nach harten Sparrunden steht das Medienhaus wirtschaftlich wieder besser da. Auch die Geschäftsführung ändert sich.

© dpa Vergrößern Nach Informationen dieser Zeitung wird die WAZ-Gruppe in diesem Jahr auf ein operatives Ergebnis von voraussichtlich 110 Millionen Euro kommen.

Die WAZ-Mediengruppe steht bald vor einem Umbruch. Noch im Januar dürfte Peter Heinemann, Anwalt der Enkel des Mitgründers Erich Brost und Sohn des früheren Bundespräsidenten, die Kunde verbreiten: Die Verträge sind unterschrieben und das Medienhaus mit Milliardenumsatz hat eine neue Eigentümerstruktur. In der zweiten oder dritten Januarwoche, so ist zu hören, wird der Verkauf des Anteils der Brost-Familie, der die Hälfte der Unternehmensgruppe gehört, an Petra Grotkamp endgültig unter Dach und Fach sein. Damit endet eine Ära für die Gruppe mit 40 Zeitungen („Westdeutsche Allgemeine Zeitung“) und mehr als 100 Zeitschriften („Gong“, „Neue Welt“). Seitdem der Sozialdemokrat Erich Brost und der Konservative Jakob Funke das Unternehmen gegründet hatten, war es über Jahrzehnte von den beiden und ihren Familien dominiert. 2012 wird für die WAZ ein Jahr des Wandels.

Die Früchte harter Sparrunden

Jan Hauser Folgen:    

Wirtschaftlich steht das Medienunternehmen wieder besser da. Nach Informationen dieser Zeitung wird die WAZ-Gruppe in diesem Jahr auf ein operatives Ergebnis von voraussichtlich 110 Millionen Euro kommen und damit wieder im dreistelligen Millionenbereich liegen, während der Umsatz von 1,2 Milliarden Euro 2010 auf etwa 1,1 Milliarden Euro sinken dürfte. Harte Sparrunden haben dazu beigetragen: In Nordrhein-Westfalen hat das Unternehmen die operativen Kosten in den vergangenen drei Jahren demnach um 76 Millionen Euro reduziert und 780 Stellen abgebaut, 22 Millionen Euro sind allein im Logistikbereich gekürzt worden. Zu Details wollte sich WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus im Gespräch mit dieser Zeitung nicht äußern. Er sagte nur: „Die WAZ-Unternehmersgruppe blickt optimistisch in die Zukunft.“

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Den Eigentümerwechsel verzögerte vor allem die Finanzierung. Die Banken, von denen Petra Grotkamp sich einen Teil der Kaufsumme von rund 500 Millionen Euro leihen möchte, verhandelten nach und verlangten Sicherheiten. Grotkamp, eine Tochter von Jakob Funke, gehört wie Renate Schubries und Stephan Holthoff-Pförtner ein Drittel des Anteils der Funke-Familie. Zusammen besitzen sie wie die Brost-Familie die Hälfte der WAZ-Gruppe. Über den Verkauf entscheidet Heinemann als Testamentsvollstrecker, da die Brost-Enkel, die als nicht interessiert am Zeitungsgeschäft gelten, erst 2015 über ihr Erbe verfügen dürfen. Er teilte mit, dass es keinen neuen Stand gebe. Um die WAZ-Anteile den Banken als Sicherheit zu bieten, muss deren Vinkulierung zumindest teilweise aufgehoben werden. Über die Bedingungen darüber waren sich die Brost-Gesellschafter noch nicht einig. Das Kaufgebot der Axel Springer AG, die in einem Schreiben das Unternehmen deutlich höher als die Grotkamp-Offerte bewertet, dürfte nicht mehr als ein Störfeuer gewesen sein.

Erhebliche Änderungen

Auch die operative Unternehmensleitung wird sich ändern. Die Brost-Familie hat mit Bodo Hombach (seit 2002) einen eigenen Geschäftsführer wie die Funke-Familie mit Christian Nienhaus (seit 2008). Beide können nur gemeinsam entscheiden. Sicher ist, dass Hombach mit dem Anteilsverkauf aus dem Unternehmen ausscheidet. Die Vertragsauszahlung plus Abfindung soll schon ausgehandelt sein. Dann wäre Nienhaus, der vom Springer-Verlag kam, alleiniger Geschäftsführer. Beobachter erwarten, dass sich die Gesellschafter auf eine neue Struktur verständigen. Die WAZ-Gruppe könnte dann eine Geschäftsführung oder einen Vorstand mit mehreren Personen und eigener Bereichsverantwortung erhalten. Als Kandidat für einen Posten gilt Manfred Braun, der Zeitschriftenchef und Verlagsgeschäftsführer für Nordrhein-Westfalen ist.

Die Expansion nach Südosteuropa hat die WAZ-Gruppe in den vergangenen Jahren belastet. 2009, 2010 und 2011 gab es in dem Bereich deutliche Wertberichtigungen von 200 Millionen Euro nach unten, heißt es. Verkäufe in Mazedonien und Serbien stehen kurz vor dem Abschluss. Das Geschäft dort steht folglich nicht mehr im Fokus. Dagegen versucht die Mediengruppe ihre digitalen Aktivitäten auszubauen und hat schon für zahlreiche Objekte kostenpflichtige Apps entwickelt. Für den Internetauftritt „Der Westen“ steht eine neue Gestaltung an, die einzelne Zeitungstitel hervorhebt. Zudem sollen alle Zeitungen in Nordrhein-Westfalen einen Relaunch erhalten. Der WAZ steht mehr als ein Wandel bevor.

Quelle: F.A.Z.

 
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