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Zeitungen in der Krise Bundesagentur sieht größte Entlassungswelle in Presse seit 1949

„Abendzeitung Nürnberg“, „Frankfurter Rundschau“, „FTD“ -immer neue Hiobsbotschaften erschüttern Deutschlands Zeitungslandschaft. So viele Stellen gingen dort nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit noch nie verloren.

© dpa Verschwindet auch die Frankfurter Rundschau aus den Zeitungsständern?

Die deutsche Presse erlebt nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit derzeit die größte Entlassungswelle seit Bestehen der Bundesrepublik. „Vorher sind mal einzelne Redaktionen insolvent gegangen. Aber das war nie die Größenordnung, die heute erreicht wird, wo wir mehrere Redaktionen haben, die viele Menschen freisetzen“, sagte ein Sprecherin der Bundesagentur in Nürnberg.

Der frühere Chefredakteur der schwer angeschlagenen „Frankfurter Rundschau“, Uwe Vorkötter, sieht in den Massenentlassungen den Beginn einer Pleitewelle. Um die „Frankfurter Rundschau“ vor der Pleite zu retten, muss nach Ansicht von Insolvenzverwalter Frank Schmitt bis zum Jahresende ein Investor für die schwer angeschlagene Traditionszeitung gefunden werden. „Uns geht das Geld aus“, sagte Schmitt. „Aber wer auch immer den Zuschlag erhält: Der Verkauf muss schnell erfolgen. Allerspätestens bis Jahresende muss der Investor feststehen.“ Bis Ende Januar erhalten die Mitarbeiter des Verlags Insolvenzgeld.

Verlage hatten wegen gesunkener Erlöse auf dem Print-Anzeigenmarkt zuletzt Schließungen, den Abbau von Arbeitsplätzen oder Umstrukturierungen angekündigt. Insgesamt sind Hunderte Arbeitsplätze betroffen. Die Wirtschaftszeitung „Financial Times Deutschland“ erscheint am nächsten Freitag zum letzten Mal. Die „Frankfurter Rundschau“ hatte vor rund zwei Wochen Insolvenz angemeldet. Schon Ende September war die „Abendzeitung Nürnberg“ nach 93 Jahren eingestellt worden.

Nicht die letzten Opfer der Krise

Eine Studie der Universität Hamburg hat im Jahr 2005 gut 48.000 hauptberufliche Journalisten in Deutschland gezählt.

Allein die Insolvenz der „Frankfurter Rundschau“ bedroht fast 500 Arbeitsplätze. Bei den Gruner + Jahr-Wirtschaftsmedien, zu denen die „FTD“ gehört, sind mehr als 300 Mitarbeiter betroffen. Der „Berliner Verlag“ („Berliner Kurier“, „Berliner Zeitung“) sieht sich nach eigenen Worten zu der Einsparung von mindestens 40 Stellen gezwungen. Bei der Nürnberger „Abendzeitung“ wurden 35 Mitarbeiter arbeitslos.

„Die Krise, die seit Jahren beschworen wird, hat ihre ersten beiden prominenten Opfer gefordert. Es werden nicht die letzten sein“, schreibt der frühere „FR“-Chefredakteur Vorkötter in einem Gastbeitrag für das „medium magazin“ (Ausgabe 12/2012) mit Blick auf „FR“ und „FTD“. „Die Insolvenz des einen und das Aus für das andere Blatt sind Menetekel.“ Er warnte die Branche zudem vor weiteren Sparrunden ohne Konzepte für den digitalen Wettbewerb. „Bleibt im Prinzip alles, wie es ist, und man spart einfach auf der Kostenseite den sinkenden Erlösen hinterher? Dann werden bald auch die Starken schwach.“ Vorkötter hatte bis zum vergangenen Juni die „FR“ und das Schwesterblatt „Berliner Zeitung“ mit geleitet.

„Es ist ein schwieriger Markt im Augenblick“, sagte die Sprecherin der Bundesagentur zu den Aussichten für Entlassene. „Die Chancen, dass gerade die Kollegen aus dem Printbereich auch wieder im Printbereich unterkommen, sind nicht wahnsinnig gut.“ Es gebe Alternativen im Online-Bereich oder in der Unternehmenskommunikation.

„Es wird aber sicher für viele schwierig werden, wieder im Journalismus unterzukommen“, erklärte die Sprecherin. „Man kann auch schauen, sich mit freiberuflicher Tätigkeit selbstständig zu machen, aber da braucht man sehr viel Durchhaltevermögen.“ Die Arbeitsagenturen setzten bei arbeitslosen Journalisten vor allem auf Eigeninitiative, die Agentur könne weniger vermittelnd als beratend tätig werden.

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Quelle: DPA

 
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