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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Zeitsprung auf Samoa Zurück in die Zukunft

 ·  Zeit ist Geld“ - das gilt nun auch auf den beschaulichen Pazifikinseln Samoa. Deshalb beschleunigen sie mächtig: Um endlich in derselben Zeit Geschäfte treiben zu können wie ihre nächsten Nachbarn, lassen die Samoaner einen ganzen Tag ausfallen.

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Die Pazifikinseln Samoa lassen den 30. Dezember ausfallen - einschließlich Geburtstagen und Arbeitstag, der allerdings bezahlt werden muss. Wenn sie diesen Freitag überspringen und einfach ihren Kalender vom 29. gleich auf den 31. Dezember weiterstellen, verschieben sie ihre Inseln von West nach Ost über die Datumsgrenze. Und da die Wirtschaft bekanntlich im Osten brummt, im Westen lahmt, verlassen die Samoaner die Zeitzone der Amerikaner. Die internationale Datumsgrenze, die entlang des 180. Längengrades läuft, bekommt damit eine weitere Ausbuchtung gen Osten. Liefen die Uhren in Samoa bislang 21 Stunden hinter der Zeit in der australischen Wirtschaftsmetropole Sydney her, werden sie von Silvester an drei Stunden voraus sein. Die Inseln mit ihren 180.000 Einwohnern liegen ziemlich genau in der Mitte zwischen Neuseeland und dem amerikanischen Hawaii.

Wechsel der Handelspartner

Es ist eine Entscheidung historischen Ausmaßes: Ursprünglich lag Samoa schon westlich der internationalen Datumsgrenze, auf derselben Seite wie Australien, Neuseeland, China. 1892 wechselte die Insel dann auf die andere Seite, weil das für die Handelsschiffe aus Amerika passender erschien. Diese Zeiten aber sind vorbei - heute verlaufen die Handelsströme auch für Samoa gen Asien und Australien. Dessen Aufstieg will die Regierung nun auch nicht mehr um einen Tag verpassen. Deshalb der Weg zurück in die Zukunft, auf die Westseite der Zeitzone.

Neuseeland und Australien sind inzwischen die wichtigsten Handelspartner Samoas, seine Touristen kommen von dort. "Wenn wir mit ihnen Geschäfte treiben, verlieren wir zwei Arbeitstage: Haben wir Freitag, ist es schon Samstag in Neuseeland. Sitzen wir am Sonntag noch in der Kirche, arbeiten sie längst montags in Sydney", erklärt Ministerpräsident Tuila'epa Sa'ilele Malielagaoi. Er spricht von einem "dramatischen Wechsel bei den wichtigsten Handelspartnern" und bemängelt, dass es aufgrund des Zeitunterschiedes bislang für Samoaner kaum möglich war, noch nach Dienstagabend ein Visum für kurzfristige Geschäftsreisen nach Neuseeland oder Australien zu erhalten.

Wichtigstes Exportgut: Kokosnüsse

Kritiker aber werfen ihm vor, die Prioritäten auf den armen Inseln falsch zu setzen: "Meinetwegen ändert die Zeitzone, wie ihr wollt. Der Anblick der wachsenden Zahl von Bettlern und Kinderhändlern auf den Straßen ist so frustrierend, dass sich eh keiner für unsere Zeitzone interessiert", kritisiert Mata'afa Keni Lesa, Kolumnist der Zeitung "Samoa Observer". Die Inseln leben vor allem von der Ausfuhr von Kokosnüssen und den Überweisungen ihrer Gastarbeiter in Neuseeland.

Den Ministerpräsident kann all das nicht schockieren. Erst vor gut zwei Jahren ließ er seine Bürger die Straßenseite wechseln: Samoa stellte von Rechts- auf Linksverkehr um.

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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

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