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Abwertungswettlauf : Kommt jetzt der „Währungskrieg“?

Chinesische Zentralbank in Peking Bild: dpa

Die chinesische Notenbank wertet die eigene Währung ab. Manche fürchten, andere Länder könnten folgen. Ein Abwertungswettlauf bringt am Ende nur Verlierer, zeigt die Geschichte.

          China ist nicht das erste Land, das versucht, seine Wirtschaft durch die Abwertung der eigenen Währung anzukurbeln. Zuletzt mussten sich vor allem die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan den Vorwurf gefallen lassen, durch ihre lockere Geldpolitik den Außenwert von Euro und Yen künstlich zu drücken, um die Wirtschaft in ihren Währungsgebieten anzukurbeln. Und in Amerika ist zumindest schon im Kongress darüber diskutiert worden, wie das Land auf mögliche Währungsmanipulationen der Europäer reagieren könne – eine Verschiebung der anstehenden Zinserhöhung wäre ein besonders drastischer Schritt. Schon 2010 hatte der brasilianische Finanzminister Guido Mantega davon gesprochen, es könnte ein „globaler Währungskrieg“ bevorstehen.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aber was verrät die Geschichte darüber, wie erfolgreich eine solche Politik der Abwertung ist? Der Bielefelder Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser sagt, es habe immer wieder in der Geschichte Phasen gegeben, in denen man solche „Abwertungswettläufe“ – Wissenschaftler sprechen nicht gern vom „Währungskrieg“ – beobachten konnte.

          Als klassisches Beispiel gelten die dreißiger Jahre. Damals werteten mehrere Länder im Zusammenhang mit dem Abschied vom Goldstandard ihre Währungen ab; allen voran Großbritannien. Das Pfund Sterling verlor 1931 rund 25 Prozent seines Außenwertes. Viele andere Länder reagierten. Zudem führten sie neue Zölle und Handelshemmnisse ein. Das Ergebnis war fatal: Die internationale Arbeitsteilung fiel unter das Niveau, das sie vor dem Ersten Weltkrieg erreicht hatte, wie der ehemalige EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing schreibt. Die Krise eskalierte.

          Der amerikanische Ökonom Barry Eichengreen weist allerdings darauf hin, dass die Freigabe der lange gebundenen Währungen aus dem Goldstandard eine Sondersituation gewesen sei. Daraus dürfe nicht gefolgert werden, dass jede Form von Abwertung schlecht sei – im Gegenteil. Clemens Fuest, der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim, nennt etwa die Abwertung des britischen Pfunds gegenüber Dollar und Euro im Herbst 2008 eine „gelungene Abwertung“: „Ohne sie wäre die Rezession dort drastischer ausgefallen“, meint Fuest.

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          Problematisch ist eine Abwertungspolitik wohl vor allem, wenn das Ziel kurzfristige Exporterfolge auf Kosten anderer sind. „Beggar thy neighbour“ nennen Ökonomen das. „Die Erfahrungen mit politisch herbeigeführten Abwertungen lehren, dass sie meistens zu keiner nachhaltigen Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit führen“, sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann unlängst. Oft seien immer neue Abwertungen nötig – am Ende könne das auf eine höhere Inflation hinauslaufen. Auch beim Institut für Weltwirtschaft in Kiel unterscheidet man zwischen den kurzfristigen und den langfristigen Folgen. Kurzfristig könne eine Abwertungspolitik für ein Land durchaus erfolgreich sein, zeige die Geschichte, weil sie Exporte stimuliere und Importe dämpfe, sagt IfW-Ökonom Klaus-Jürgen Gern. „Das Bruttoinlandsprodukt kann zunächst steigen.“ Allerdings sinke auch die Kaufkraft im Inland, wenn Importe teurer würden: „Abwertung macht arm.“ Zudem nehme die Inflationsgefahr zu: „Und wenn alle Länder diese Politik betreiben, nützt sie niemandem.“

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