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Yoram Bauman : Der Stand-up-Ökonom

„Mikroökonomen irren sich bei den kleinen Dingen - Makroökonomen ganz grundsätzlich“ Bild: youtube

Der Amerikaner Yoram Bauman ist Ökonom und Comedian. Er macht sich über die sonst so bierernste Disziplin lustig. Den Stoff für sein Comedy-Programm holt er sich aus Ökonomie-Lehrbüchern.

          Wenn Banker Milliardenbeträge verzocken, Wirtschaftsforscher mit ihren Prognosen hoffnungslos danebenliegen und Ökonomen ihre alten Glaubenssätze über den Haufen werfen müssen, dann gibt es einen, der sich darüber köstlich amüsieren kann: Yoram Bauman, Comedian, und nach eigenem Bekunden der „erste und einzige Stand-up-Ökonom“ überhaupt.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Die Denkweise von Ökonomen, ihre teils wirklichkeitsfremden Annahmen und Modelle sowie Prognosen, die im Praxistest grandios gescheitert sind, für den 38 Jahre alten Amerikaner ist all das ein gefundenes Fressen - und anscheinend hat er mit dem humoristischen Blick auf die sonst so bierernste Disziplin einen Nerv getroffen.

          „Der Unterschied zwischen Mikro- und Makroökonomie?“

          Der Hörsaal in der Heidelberger Wirtschaftsfakultät ist gut gefüllt, als Bauman mit seiner ungewöhnlichen Vorlesung beginnt. Statt der üblichen mathematischen Formeln präsentiert er seinen Zuhörern Powerpoint-Folien, die zuerst zum Lachen und in Anbetracht der Krise auch zum Nachdenken anregen.

          „Wissen Sie worin der Unterschied zwischen Mikro- und Makroökonomie besteht?“, fragt Bauman seine Zuhörer, bevor er selbst antwortet: ,,Mikroökonomen irren sich bei den kleinen Dingen - Makroökonomen ganz grundsätzlich“. Und der Unterschied zwischen der italienischen Mafia und der Finanzmafia? „Ist doch ganz klar“, sagt der Amerikaner, „die italienische Mafia macht Angebote, die man nicht ablehnen kann, die Finanzmafia Angebote, die niemand versteht.“

          Was der Querdenker nicht verschweigt: Er ist selbst ein Teil dieser akademischen Welt, die er auf die Schippe nimmt. Im Jahr 2003 promovierte der Umweltökonom an der University of Washington, er unterrichtet seitdem Studenten und betrachtet die Lehre als sein zweites Standbein. Er sei aber kein besonders guter Akademiker, sagt Bauman, „eine Karriere an der Universität reizt mich auch nicht“. Dass in den Lehrbüchern der Stoff für ein Comedy-Programm schlummert, erkannte der Teilzeit-Ökonom erst nach und nach - unter anderem als ein Video, in dem er die „10 Prinzipien der Ökonomie“ des Harvard-Ökonomen Greg Mankiw durch den Kakao zieht, im Internet Kultstatus erreichte.

          Mehr als eine Millionen Benutzer haben die Persiflage auf dem Videoportal Youtube bis heute angeklickt. Da humorvolle Ökonomen „eher rar gesät“ sind, wie Bauman sagt, und der Stand-up-Ökonom sich im Internet und Comic-Büchern klug vermarktet, hat er es inzwischen zu einer gewissen Bekanntheit gebracht. Der Comedian trat zuletzt in Kanada, Großbritannien und Frankreich auf und sogar in Singapur und China wurde er gebucht.

          Nur sein Vater beäugt die Karriere skeptisch

          Die etablierten Forscher reagieren gelassen, fast schon humorvoll auf die Pointen des Amerikaners. Anstatt sein Bühnenprogramm auf wissenschaftliche Korrektheit zu überprüfen, haben sie ihn zum Verantwortlichen für die „Humor Session“ bei den Jahrestagung der ehrwürdigen American Economic Association gemacht.

          Seitdem sucht Bauman nach Ökonomen mit humoristischen Talent, die sich bei der Tagung auf die Bühne wagen. Nur sein Vater beäugt die Karriere skeptisch und bezweifelt, ob es auf Dauer genug Nachfrage für das Programm des Sohnes gibt. Baumans Antwort: „Ich erkläre ihm dann, dass man auch angebotsorientiert vorgehen kann, die Nachfrage entsteht dann von selbst.“

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