09.09.2003 · Nicht alle WTO-Kritiker wollen Kampf. Dennoch rüstet sich Cancún gegen Krawallmacher, um ein zweites Seattle zu verhindern. Damals war es bei der WTO-Konferenz in der amerikanischen Stadt zu Ausschreitungen gekommen.
Der französische Bauernführer José Bové darf nicht reisen, weil er vor kurzem zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, doch viele andere Anti-Globalisierer werden gewiß anreisen zur Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) in Cancún. Seit der "Schlacht von Seattle" vor fast vier Jahren ist die WTO zum Feindbild für eine buntgescheckte Schar von Gegnern geworden.
Die WTO gilt entweder als neoliberaler Einpeitscher oder als handelspolitischer Diktator, der der Welt die Globalisierung verordnet. Obwohl die mexikanische Regierung mit kurzfristig veränderten Visa-Vorschriften versucht, Demonstranten aus westlichen Staaten fernzuhalten, wird man die Großstadt Cancún mit ihren 500 000 Einwohnern nicht so hermetisch abschotten können, wie es Ende 2001 beim letzten Ministertreffen in Doha im Golfstaat Katar geschah. Es dürfte also wieder - ähnlich wie in Seattle - zu Krawallen kommen, weil neben friedlichen Globalisierungsgegnern stets auch jene anreisen, die die WTO zerschlagen wollen, weil man sie für ein "Kartell der Mächtigen und Multis" hält.
Festung Cancún
Der Badeort Cancún, in dem die Konferenz stattfindet, dürfte vermutlich vor Ausschreitungen sicherer sein als damals in Seattle, weil er auf einer Halbinsel liegt und die Brücken leicht zu sichern sind. Doch auf dem Festland dürfte es anders zugehen. Die Organisation Attac, die gemäß ihrem Internet-Auftritt bei weitem nicht die militanteste Gruppe ist, will die WTO nicht nur in Cancún stoppen, sondern auch in Deutschland Aktionstage machen.
Weil Globalisierungskritiker der WTO stets vorwerfen, sie mache ihre Handelsregeln hinter verschlossenen Türen und damit auf undemokratische Weise, hat man dieses Mal eine Rekordzahl an Nichtregierungs-Organisationen (NGO) zugelassen. 2200 Akkreditierungen wurden ausgestellt für die Konferenz. Es gibt zudem abseits des Ministertreffens eine Tagung und Ausstellung zum "fairen Handel".
Agile Dritte-Welt-Gruppen
Die privaten Nichtregierungs-Organisationen, die sich sehr ernsthaft und überaus kenntnisreich mit der WTO befassen, werden wohl dieses Mal mit ihrer Präsenz und ihren politischen Aktivitäten so manche Industrie-Lobby erblassen lassen. Besonders agil dürften Dritte-Welt-Gruppen wie etwa Oxfam International oder kirchliche Organisationen (Misereor) sein, die sich seit langem für bessere Handelsregeln zugunsten der Dritten Welt einsetzen.
„Gelegenheit zur Reform unfairer Handelsregeln“
Oxfam warnte die Industrieländer, die Konferenz scheitern zu lassen, weil dies die Ärmsten der Welt bedrohe. "Für die globalen Anstrengungen zur Bekämpfung der Armut ist Cancún ein entscheidender Moment", so heißt in einem Bericht, "es schafft die Gelegenheit zur Reform unfairer Handelsregeln, die die Ärmsten systematisch benachteiligen, und könnte ihnen die Chance geben, am globalen Reichtum teilzunehmen." Auf Länder mit niedrigem Einkommen entfallen zwar 40 Prozent der Bevölkerung, aber nach Oxfam-Berechnungen nur drei Cent von jedem im Export erwirtschafteten Dollar.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.766,05 | +0,41% |
| FAZ-INDEX | 1.509,93 | +0,39% |
| TecDAX | 781,51 | +0,80% |
| MDAX | 10.319,40 | +0,29% |
| SDAX | 5.050,80 | +0,78% |
| REX | 421,66 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.501,06 | +0,38% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,77 | +0,36% |
| Dow Jones | 12.874,00 | 0,00% |
| Nasdaq 100 | 2.569,49 | +0,87% |
| S&P500 | 1.351,77 | +0,68% |
| Nikkei225 | 9.052,07 | +0,59% |
| EUR/USD | 1,3197 | +0,20% |
| Rohöl Brent Crude | 118,13 $ | +0,29% |
| Gold | 1.711,50 $ | −0,90% |
| Bund Future | 138,16 € | −0,12% |