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World Economic Forum Auf Stöckelschuhen durch die Winternacht

28.01.2005 ·  In diesen Tagen gibt sich die Prominenz auf dem World Economic Forum in Davos die Ehre. Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Unterhaltung knüpfen Kontakte. Die Bandbreite unter den Empfängen ist groß.

Von Johannes Winkelhage, Davos
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Wenn es Nacht wird in Davos, zieht die Karawane der Gäste des World Economic Forum in die großen Hotels und die Zeit der Empfänge beginnt. Eine Fülle von Unternehmen oder Delegationen geben sich die Ehre und bitten zum Cocktail. Die Teilnehmer greifen diese Gelegenheiten gerne auf, um neue Kontakte zu knüpfen oder Kollegen zu treffen. Auch hier wird das Netzwerk gesponnen, das die Davos-Besucher zusammenhält.

Zuvor aber ist eine logistische Herausforderung zu bewältigen. Denn auf den Straßen des Alpenstädtchens stehen die schweren Limousinen der Prominenz gemeinsam mit dem restlichen Verkehr im Dauerstau. So bleibt der Fußmarsch als einfachste Art, sich von der einen zur anderen Veranstaltung zu bewegen. Dies allerdings stellt manche Teilnehmer vor ernste Probleme. Da die Kleiderordnung der meisten Empfänge nicht ganz den lässigen Vorgaben des Forums - wer Schlips trägt, muß Strafe zahlen - folgt, ist meist auch das Schuhwerk der Gäste nicht unbedingt für lange Spaziergänge in der bitterkalten Davoser Winternacht geeignet. Während die meisten Männer die pragmatische Lösung wählen und Wanderschuhe zum Anzug tragen, fällt den Frauen die Entscheidung schwerer. Stöckelschuhe im Schnee sind daher keine Seltenheit, und es ist verwunderlich, daß es auf den spiegelglatten Wegen nicht zu mehr Unfällen kommt.

„Hast Du mehr Lust auf Price Waterhouse oder Merrill Lynch?“

Auch aus diesem Grund hat das Forum offenbar versucht, viele der Veranstaltungen im Steigenberger Hotel Belvedere an der Promenade zu bündeln. So können die Gäste, wenn sie dort einmal unbeschadet angekommen sind, von einer Veranstaltung zur nächsten wechseln, ohne sich noch einmal kalte Füße zu holen: „Hast Du mehr Lust auf Price Waterhouse oder Merrill Lynch?“ fragt da auch schon einmal ein Besucher seine Begleitung.

Neben diesen beiden Instituten präsentiert sich im Belvedere aber auch der Schweizer Finanzdienstleister Zurich Financial. Dieser hat für seine geladenen Gäste gleich einige Mitglieder der Oper Zürich und ein kleines Bühnenbild nach Davos kommen lassen. Es stehen Szenen aus dem Barbier von Sevilla auf dem Programm. Die Musik kommt an und auch der Chef der Münchener Rück, Nikolaus von Bomhard, findet Gefallen an der kurzen Aufführung - bis er zum nächsten Empfang weiterzieht.

Von grober Drängelei bis zum sanften Dinner-Jazz

Ein beliebter Treffpunkt für die deutschen Teilnehmer ist auch der traditionelle Empfang des Magazins Focus. Diese regelmäßig völlig überfüllte Veranstaltung gehört in Sachen Musik und Dekoration zu den aufwendigsten Treffen der Woche. An einer gut beleuchteten Wand am Eingang werden die vorbereiteten Namensschilder der Gäste präsentiert, und die Schrift darauf ist so groß, daß man kaum übersehen kann, welche Prominenz sich angemeldet hat. Die ohnehin schon grobe Drängelei in dem großen Raum des Belvedere nimmt an Schärfe noch zu, als die amerikanische Schauspielerin Sharon Stone erscheint und die Fotografen versuchen, zu ihr durchzudringen, um ein Foto von ihr mit Verleger Hubert Burda zu ergattern. Um nicht in diesen Trubel hineingerissen zu werden, bringen sich Postchef Klaus Zumwinkel und Hans-Peter Keitel von Hochtief schnell in Sicherheit und beobachten das Geschehen lieber aus der Distanz.

Sehr viel ruhiger und gediegen geht es hingegen bei Merrill Lynch zu. Keine Musik, keine unnötige Dekoration - nur Häppchen und Gespräche heißt hier die Devise. Die Investmentbanker aus den Vereinigten Staaten suchen sehr aktiv die Unterhaltung mit ihren Gästen, und in den Gesprächen landet man schnell beim Geschäft. So wird dieser Empfang zur Fortsetzung der Arbeit mit anderen Mitteln. Etwas bunter treibt es zur gleichen Zeit die amerikanische Computerbörse Nasdaq, die zumindest eine kleine Kapelle angeheuert hat, die die Gäste mit sanftem Dinner-Jazz unterhält. Hier wird allerdings sehr strikt auf die Einhaltung der Schlußzeit des Empfangs geachtet. Licht an, Licht aus, Licht an bedeutet offenbar, nichts geht mehr oder eben: Pünktlich wie der Börsenschluß.

Silicon Valley meets Davos

Ein beliebter Veranstaltungsort ist auch das Davoser Kirchner Museum, das am Donnerstag den Empfang der kanadischen Delegation beherbergt. Ganz im Gegensatz zur Focus-Veranstaltung gibt es hier kein Gedränge, und die Besucher flanieren eher an den Bildern des Malers - der lange Zeit in Davos verbrachte - vorbei. „Ich wußte gar nicht, daß es so guten kanadischen Rotwein gibt“, freut sich ein Gast. Am Freitag allerdings geht es auch im Museum nicht mehr so ruhig zu: Es laden einige Unternehmen von der amerikanischen Ostküste zum Empfang - darunter auch die Vertreter der Internet-Suchmaschine Google. Offenbar sind die Veranstalter hier von der Durchhaltekraft der Gäste überzeugt. Unter dem Motto „Silicon Valley meets Davos“ wird als Zeitangabe nur 19 Uhr bis „spät“ genannt.

Aber auch abseits dieser Orte wird gefeiert. So bringt zum Beispiel Audi seinen Limousinen auf einem gefrorenen See am Dorfeingang - unterstützt von lauter Musik und einer Lightshow - das Tanzen bei. „Macht das bloß nicht zu Hause nach“, heißt es von Audi-Vertretern angesichts der Begeisterung der Gäste für die Fahrkünste der Profis in den Autos auf dem See.

Davos-Marathon

Auch das Forum selber läßt sich nicht lumpen. Am Samstag bittet Veranstalter Klaus Schwab zur großen Soiree - der einzigen Veranstaltung, die auf der Einladung schon Smoking oder Nationaltracht als Kleiderordnung empfiehlt. Dafür wandelt sich das gesamte Kongreßzentrum, in dem noch vor Stunden über die Lage der Welt diskutiert wurde, zum Ballsaal, in dem meist bis weit nach Mitternacht getanzt wird. Unterstützt wird diese Veranstaltung in diesem Jahr von der russischen Delegation.

Wenige Stunden später am Sonntag mittag ist es dann abermals Verleger Hubert Burda, der die deutschen Teilnehmer zum schon traditionellen Skifahren auf das Weissfluhjoch bittet. Hier können die Teilnehmer zuerst im sportlichen Wettkampf ihre Skikünste messen - danach folgt das zünftige Essen, mit dem der fünftägige Davos-Marathon für die meisten Gäste zu Ende geht.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.01.2005, Nr. 24 / Seite 18
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