Roger Bootle, Chef des Beratungsunternehmens „Capital Economics“ hat den „Wolfson-Preis“ gewonnen. Mit dem Preis wird derjenige Ökonom ausgezeichnet, der den besten Notfallplan für den Fall einer Auflösung des Euroraums aufgestellt hat. Bootle gewann das Preisgeld in Höhe von 250.000 englischen Pfund für ein Papier, in dem er und seine Kollegen schon jetzt eine konkrete Vorbereitung der Politik auf ein Auseinanderfallen des Euroraums fordern – und zwar heimlich, im Verborgenen.
„Wir glauben, es wäre weder möglich noch optimal, die Vorbereitungen in aller Öffentlichkeit zu treffen“, sagte Bootle während der Preisverleihungszeremonie in London. Europa könne auf eine „politische und soziale“ Tragödie zusteuern, nachdem die führenden Politiker das Management der einheitlichen Währung vermasselt hätten, sagte er.
Nur ein Ökonomenpreis ist höher dotiert als der Wolfson-Preis, nämlich der Nobelpreis. Die Relevanz des Wolfson-Preises und die Aufmerksamkeit, die ihm entgegengebracht wird, hat mit dem Fortschreiten der Eurokrise stetig zugenommen. Im April hatte die Jury sechs Vorschläge veröffentlicht, die sie für den Preis nominiert hatte. Anlässlich des Preises hatte sich auch die Sonntagszeitung Gedanken über den Ablauf eines Euro-Ausstiegs gemacht.
Der Preisträger Bootle schlägt in seinem Plan für das Auseinanderbrechen des Euro folgendes vor: Eine Kerngruppe europäischer Volkswirtschaften solle einen Block formen, der den Euro behält, während die Peripheriestaaten zu ihren alten Währungen zurückkehren. Falls ein Land aus dem Euro austrete, solle zunächst eine neue Währung mit Europarität eingeführt werden, so der Vorschlag. Eurobanknoten und –münzen würden noch für kleine Transaktionen sechs Monate lang weitergenutzt werden. Das austretende Land solle ein festes Inflationsziel ins Auge fassen und neue, strenge Schuldenregeln implementieren, die von externen Experten überwacht würden.
Bootle hat seine Beratungsfirma Capital Economics im Jahr 1999 gegründet. Zuvor war er Chefvolkswirt bei HSBC. Er hat außerdem bereits dem britischen Finanzministerium als ökonomischer Berater zur Seite gestanden und ist Autor mehrerer Fachbücher.
Simon Wolfson, der Vorstandsvorsitzende der Warenhauskette „Next Plc“ und Geldgeber des Preises sagte, der Preis habe geholfen, den Dialog über ein Phänomen zu befeuern, das noch vor einem halben Jahr ein Tabu gewesen sei. „Es ist nicht akzeptabel für uns, völlig ignorant in den möglichen Kollaps des Euro hineinzuschlittern.“ Jeder Tag, der derzeit ins Land gehe, lasse einen solchen Kollaps wahrscheinlicher aussehen.
Nicht anders als zu erwarten
Wulf Dinter (chinaman2)
- 05.07.2012, 23:12 Uhr
Jeder Tag zählt
Erwin Stahlberg (Nundenn)
- 05.07.2012, 19:15 Uhr
Ich konnte nur noch lachen
Lutz Pansegrau (lutzpan)
- 05.07.2012, 17:19 Uhr
wolfson-preis
otto kaldrack (otto-dongtan)
- 05.07.2012, 16:12 Uhr
Wäre es unserem Führungspersonal tatsächlich zuzutrauen,...
Karl Hammer (cromagnon)
- 05.07.2012, 15:21 Uhr
