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Wohnungsgipfel im Kanzleramt : Wie wird Bauen günstiger?

Maurer arbeiten am Rohbau von Reihenhäusern in einer Neubausiedlung in Regensburg. Bild: dpa

In den großen Städten leiden Mieter und Käufer gleichermaßen unter hohen Preisen. Die Regierung setzt auf Baukindergeld, Mietpreisbremse, sozialen Wohnungsbau - und trifft sich an diesem Freitag zum Wohngipfel. Fünf Vorschläge, wie es besser gehen könnte.

          Kanzlerin Angela Merkel hat das Problem erkannt: „Wir brauchen in Deutschland dringend mehr Wohnungen“, sagte sie am Samstag in ihrer wöchentlichen Videobotschaft. Bundesbauminister Horst Seehofer (CSU) und Justizministerin Katarina Barley (SPD) sind da ganz ihrer Meinung. Sie bezeichneten bezahlbaren Wohnraum jüngst als soziale Frage schlechthin. Über das Ziel ist sich die Regierung ebenfalls schon lange einig: In dieser Legislaturperiode sollen 1,5 Millionen neue Wohnungen entstehen. So steht es im Koalitionsvertrag, so bekräftigte es Merkel in ihrer Videobotschaft. Nur: Wunsch und Wirklichkeit liegen derzeit noch ziemlich weit auseinander. Mit den 1,5 Millionen neuen Wohnungen wird es mit ziemlicher Sicherheit nicht klappen.

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Um das Ziel zu erreichen, müssten jedes Jahr im Durchschnitt 375.000 Einheiten fertiggestellt werden. Im vergangenen Jahr waren es dem Statistischem Bundesamt zufolge aber nur 285.000. Das sind so viele wie seit 15 Jahren nicht mehr, unter dem Strich sind es aber immer noch 90.000 Wohnungen zu wenig, um den Bedarf zu decken. Auch in diesem und im nächsten Jahr wird die Latte gerissen. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe erwartet, dass 2018 etwa 300.000 Wohnungen fertig werden, im nächsten Jahr sollen es dann 315.000 sein. Um das Ziel von 1,5 Millionen neuen Wohnungen noch zu erreichen, müssten im vierten und damit letzten Jahr folglich 600.000 Wohnungen her. Das sind doppelt so viele wie die Bauindustrie derzeit liefert – und angesichts randvoller Auftragsbücher und eines beachtlichen Fachkräftemangels in der Branche auch beim besten Willen nicht zu schaffen.

          Trotzdem lässt sich der Bundesregierung nicht vorwerfen, untätig zu sein. So ist der Wohngipfel im Kanzleramt nur der Höhepunkt ungezählter Pakte, Arbeitsgruppen und Bündnisse. Allerdings haben das „Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen“ und die „Baukostensenkungskommission“, die schon vor Jahren eingerichtet wurden, nicht verhindern können, dass die Mieten in den begehrten Städten immer teuer wurden.

          Um nur drei Beispiele zu nennen: In München stieg die Miete einer neu inserierten Wohnung in den vergangenen zehn Jahren um 61 Prozent auf 17,90 Euro pro Quadratmeter, in Frankfurt um 42 Prozent auf 13,80 Euro und in Düsseldorf um 36 Prozent auf 10,20 Euro. Ein Ende ist nicht in Sicht. Erst vor zwei Wochen erklärte das Bundesinnenministerium, dass die Angebotsmieten im Bundesschnitt zuletzt mehr als doppelt so schnell zulegten wie die allgemeine Inflation. Demnach lagen die Neumieten im zweiten Quartal 2018 um 5,3 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Die Verbraucherpreise stiegen hingegen lediglich um zwei Prozent.

          Angesichts solcher Zahlen wird die Bundesregierung nicht müde zu betonen, was sie alles gegen die steigenden Mieten unternimmt. Auch Kanzlerin Merkel wird auf der Pressekonferenz nach dem Wohngipfel wiederholen, dass die Regierung mehr Geld für den sozialen Wohnungsbau ausgibt und ein Baukindergeld beschlossen hat, dass sie die Mietpreisbremse verschärft und neue steuerliche Anreize gewährt. So schön das alles klingt – bringen wird es nicht viel.

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