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Trend Mikroapartments : Leben in der Box

Miniwohnungen sind längst nicht mehr nur bei Studenten gefragt. Bild: Alta Fides

Mikroapartments sind die neuen Stars am Wohnungsmarkt. Die Anbieter der voll möblierten Kleinstwohnungen verkaufen Minimalismus als Lifestyle.

          Erfolgsgeschichten am Wohnungsmarkt haben gegenwärtig ausgerechnet die Anbieter kleinster Wohnungen zu erzählen. Unlängst zum Beispiel lud der Projektentwickler i-Live nach Ingolstadt, wo er ein neues Mikroapartmenthaus baut. Eines von siebzehn mit insgesamt immerhin 5000 Wohneinheiten, die das Unternehmen aus Aalen bis 2017 auf den Markt bringen will. In Ingolstadt geht es um einen Komplex mit 300 Miniwohnungen, zwischen 21 und 35 Quadratmeter groß, komplett möbliert und mit dem Anspruch - der Name legt es nahe - nicht nur technisch auf der Höhe der Zeit zu sein. Fünf Tage nach der Verkaufsschau zählte der Veranstalter 120 Reservierungen, 35 weitere Einheiten sind vorgemerkt. „Die Hälfte ist damit schon weg“, sagt i-Live-Geschäftsführer Amos Engelhardt und geht aus Erfahrung selbstverständlich davon aus, dass „reserviert“ bereits „verkauft“ heißt.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Fall ist keine Ausnahme. Weder am Wohnungsmarkt in Deutschland noch im Ausland. Überall kommen die Kleinen groß raus. Vor allem, weil Investoren sie als lukrative Einnahmequelle ausgemacht haben. Und auch, weil sie überall dort, wo Wohnraum knapp und teuer ist, den Weg aus der Misere zu weisen scheinen und den Nutzern nahelegen: Gönnt euch wenig Platz!

          Von London aus verbreitet zurzeit ein Label namens Pocket Living das Konzept durchgestylter Miniwohnungen: 38 Quadratmeter gibt es dort für 220.000 bis 375.000 Euro. Gut, mag man einwenden, innerhalb der Stadtgrenzen von London oder in Manhattan zu wohnen ist für Normalverdiener nun mal unbezahlbar. Wo schon eine Garage umgerechnet fast eine halbe Million Euro kosten kann, muss man sich eben bescheiden.

          Kleinstwohnungen sind keine neue Idee

          Was das heißt? In Apartments dieser Art wird die Fläche bis zum Äußersten verringert und durch Schnitt und Einbaumöbel bis auf den letzten Quadratzentimeter aufs Effizienteste ausgenutzt. Heraus kommen Raumverhältnisse, die deutlich kleiner sind als das, was der Durchschnittsdeutsche gegenwärtig für sich beansprucht. Über Jahrzehnte hinweg ist die Wohnfläche pro Kopf stetig gestiegen. Im Schnitt belegte 2014 jeder Bundesbürger 46,5 Quadratmeter. Sich räumlich zu verbessern heißt hierzulande vor allem auch, mehr Platz zu haben. Der kostet. Dass Wohnen so teuer geworden ist, liegt nicht nur, aber auch am individuellen Platzbedarf.

          Da mag ein Angebot, das das maximale Minimum bietet, wie ein Gegenentwurf zum üblicherweise raumgreifenden Leben in dieser Gesellschaft erscheinen. Schließlich berührt es die Frage: Wie viel (Platz) braucht man überhaupt zum Leben? Damit hatten sich schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Vertreter des Neuen Bauens wie Bruno Taut, Ernst May, Fritz Schumacher und Otto Haesler beschäftigt. Sie tüftelten daran, wie die perfekte Kleinstwohnung aussehen könnte. Die Wohnsiedlungen, die nach ihren Entwürfen entstanden, haben Architekturgeschichte geschrieben.

          Charakteristisch für jene Wohnhäuser sind etwa die hoch angesetzten Fensterbänder. In einer Zeit, in der das Credo der Planer form follows function hieß, war das kein rein modischer Einfall. Vielmehr schlugen die Architekten so zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen fiel genügend Tageslicht ins Zimmer, zum anderen fanden unter den hochsitzenden Fenstern Sofa, Bett oder Schreibtisch Platz (sofern die Bewohner über modernes Mobiliar verfügten). Fläche zu verschwenden kam nicht in Frage.

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