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Überalterung von Stadtvierteln : Meine Nachbarn, die Rentner

  • -Aktualisiert am

Auch die Kommunalpolitiker müssen sich auf die Überalterung vieler Stadtviertel einstellen Bild: ddp

Gebäude altern, Mieter altern, Eigentümer altern. Das bringt viele Probleme wie Leerstand in allerbesten Wohnlagen. Ein Beispiel aus Duisburg.

          „Wenn ich zum Einkaufen gehe, sehe ich nur Rentner mit Rollatoren. Schrecklich.“ Was Hans Heldbruck beklagt, ist Realität im Duisburger Stadtteil Duissern. Dabei gehört der pensionierte Französischlehrer mit seinen 65 Jahren längst selbst zur Generation „Silber“. Doch seit er nicht mehr allmorgendlich zum Unterricht an seiner Schule fährt, fällt ihm auf, wie sehr sich der Stadtteil in den vergangenen 40 Jahren verändert hat.

          „Rentner sehen viel, wenn der Tag lang ist“, hält Roland Richter vom Amt für Statistik und Europa-Angelegenheiten in Duisburg dagegen. Duissern sei beileibe nicht der Stadtteil mit dem höchsten Greisenanteil. Zwar liege das Durchschnittsalter der Bürger hier mit 45,8 Jahren deutlich über dem stadtweiten Schnitt von 43 Jahren. Für den von Einfamilienhaussiedlungen geprägten südlichen Stadtteil Ungelsheim habe man aber ein Durchschnittsalter von rekordverdächtigen 51,8 Jahren errechnet. „Ungelsheim ist der älteste Stadtteil in ganz Nordrhein-Westfalen“, sagt Richter.

          Schrumpfende Städte

          Die Zukunft sieht nicht besser aus. Sicher: Wie die meisten Ruhrstädte hat auch das frühere Zentrum der Montanindustrie die schlimmste Schrumpfung bereits hinter sich gebracht. 1975 lebten rund 615.000 Einwohner in Duisburg, heute sind es knapp 493.000. Doch im Jahr 2027 werden es laut der aktuellen Bevölkerungsprognose wahrscheinlich nur noch 446.500 sein.

          Einem Gutachten zufolge, das die Frankfurter Stadtplaner Speer und Partner gemeinsam mit dem Duisburger Ingenieurbüro Vössing vor drei Jahren vorgelegt haben, folgen Schrumpfung und Alterung in der Stadt einer klaren Nord-Süd-Verteilung: In den industriell geprägten Stadtteilen im Norden wie Marxloh, Bruckhausen und Hamborn findet der Rückgang retardiert statt, ist der Anteil an Kindern und Jugendlichen größer. Dies hängt freilich mit dem höheren Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund zusammen, die hier je nach Stadtteil bis zu 50 Prozent der Bevölkerung ausmachen.

          Trend zu kleineren Haushalten

          „Diese Familien bekommen nach wie vor mehr Kinder. Obwohl es hier ebenfalls einen Trend zu kleineren Haushalten gibt“, sagt Richter. Dem jungen, ethnisch gemischten Norden mit seinen städtebaulich urbanen Strukturen steht der alternde Süden Duisburgs gegenüber, in dem es viel weniger Migranten als im Norden, dafür aber viele Einfamilienhäuser gibt - vor allem alte, aus den 50er, 60er und 70er Jahren.

          In Stadtteilen wie Buchholz (47,6 Jahre), Großenbaum (47 Jahre) und Wedau (47,7 Jahre) sind die Menschen heute schon im Schnitt vier Jahre älter als der Durchschnitts-Duisburger und fast zehn Jahre älter als die Menschen in den „nördlichen sozialen Problemzonen“ wie Marxloh (38,6 Jahre) und Bruckhausen (34,3 Jahre).

          Stadtplanungsdezernent Jürgen Dressler hat die heutigen Wohlstandsviertel im Süden der Stadt mehrfach als demographische Verlierer bezeichnet. „Der Süden Duisburgs ist heute schon alt und wird künftig noch älter und leerer werden. Wenn ich Leben spüren will, fahre ich nach Hamborn oder Marxloh. Sonst ist ja nirgendwo was los.“

          Gravierende Folgen

          Die Folgen für den Wohnungsbau sind gravierend: Im Süden wird Bauland für junge Familien ausgewiesen, im Norden hat der Abriss eines ganzen Quartiers begonnen, weil besser verdienende (Migranten-)Familien wegziehen und dies langfristig ebenfalls zu sozialen und demografischen Problemen führt. Der Wohnungsleerstand war so groß, dass die Stadt zusammen mit dem Land NRW sowie dem größten Industriearbeitgeber des Viertels, Thyssen-Krupp, beschlossen hat, baulich marode Straßenzüge, die nahe dem Stahlwerk liegen, durch einen Grüngürtel zu ersetzen. 72 Millionen Euro fließen in den Rückbau von 100 Häusern in Bruckhausen und Beeck.

          Aber auch in statistisch unauffälligeren Gegenden Duisburgs wird der demographische Wandel spürbar. Etwa in Duissern, einem Wohnviertel, das über Jahrzehnte als gehobene Lage galt. Undenkbar schien es, dass hier jemals Wohnungen keine Mieter, Häuser keine Käufer finden würden. Makler loben die Lagequalitäten in höchsten Tönen. Die Nähe zum bekannten Duisburger Zoo, zur Universität, die quasi direkt im Wald liegt, zum grünen Kaiserberg, an dessen Hang sich eines der wenigen Duisburger Villengebiete schmiegt.

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