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Mangelware Wohnraum : Zweieinhalb Zimmer für drei Generationen

Erste-Hilfe-Maßnahme von ungewisser Dauer: Moni Lentsch (links) hat in ihrer Wohnung für Tochter Jacky (rechts), deren Freund und Enkeltochter Ava (Mitte) Platz gemacht. Bild: Wonge Bergmann

Wer sich keine hohe Miete leisten kann, hat es in einer Stadt wie Frankfurt schwer. So wie die Familie von Moni Lentsch. Über das Wohnen im Ausnahmezustand.

          Eigentlich ist Monika „Moni“ Lentsch eine glückliche Frau. Sie hat Arbeit in der Kindertagesstätte einer Bank, zu der sie gerne geht, zwei Töchter, mit denen sie sich gut versteht und zusammenwohnt, und einen netten Schwiegersohn. Und Ava, ihre acht Monate alte Enkeltochter, die sie täglich sieht. So wie an diesem Abend im Mai. Nach der Arbeit hat die Frankfurterin noch die Kinder von Bekannten gehütet. Dann ist sie nach Hause geradelt, um dort gemeinsam mit ihrer Tochter Jacqueline „Jackie“ das Baby zu baden. Großes Tochter-Mutter-Großmutterglück. Das hat sogar einmal eine Sachbearbeiterin vom Wohnungsamt zu Jackie und deren Freund Matt, Avas Eltern, gesagt. Und das findet auch Moni. Eigentlich. Wenn es nur nicht so eng wäre. Moni Lentsch lebt mit Tochter Lisa, Jackie, Matt und Ava in einer 66 Quadratmeter großen Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung. Es ist kein ambitioniertes Mehrgenerationen-Wohnen, sondern eine Erste-Hilfe-Maßnahme von ungewisser Dauer.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Vor gut zehn Monaten ist Jackie mit Matt bei ihrer Mutter einzogen. Vorübergehend, wie alle dachten. Die junge Frau kam zurück aus den Vereinigten Staaten. In der Heimat ihres Vaters hatte sie eine Ausbildung zur Operationstechnischen Assistentin gemacht, was in Deutschland etwa einer OP-Schwester entspricht, und ihren Freund kennengelernt. Dann wurde sie schwanger und wollte zurück nach Frankfurt. Und Matt wollte mit. Sie wussten, dass die Wohnungssuche nicht einfach werden würde. Wie auch. „Man kann es ja dauernd in der Zeitung lesen, wie teuer das Wohnen in Deutschland geworden ist“, sagt Moni.

          Allein in den Jahren zwischen 2012 und 2016 sind die Mieten um durchschnittlich 15 Prozent gestiegen und in den Ballungsräumen noch mehr, wie das Forschungsinstitut Empirica errechnet hat. Frankfurt ist ein besonders teures Pflaster. Im Durchschnitt haben die Mieter hier 2016 laut Empirica 12,70 Euro je Quadratmeter gezahlt - nur in München und seinem Umland sind die Mieten noch höher.

          Also sind sie zu Hause fürs Erste zusammengerückt. Moni Lentsch hat eine schöne Wohnung nördlich der Innenstadt, hell und freundlich, gut geschnitten und mit Balkon. Vermieter ist eine Wohnungsgesellschaft. Vor zwanzig Jahren ist sie eingezogen, ihre Mädchen sind hier aufgewachsen. Damals war die Wohnung passend, und später, nach Jackies Auszug, perfekt für die Mutter und Lisa, die jüngere der beiden Schwestern. Nun aber hat Moni ihr Zimmer bis auf weiteres dem jungen Paar überlassen und ist selbst in Jackies altes Zimmer gezogen. Es ist ein kleiner, schmaler Raum, den Moni und Lisa als Ankleidezimmer genutzt hatten und der der Siebenundfünfzigjährigen nun als Rückzugsort bleibt. Hier schläft sie, eingezwängt zwischen Aufbewahrungsboxen, Koffern, Taschen und Kleiderbergen, im früheren Kinderbett der Tochter. Vor ein paar Wochen hatte sie einen Bandscheibenvorfall und war „zum ersten Mal im Leben für zwei Wochen krankgeschrieben“. Seitdem sehnt sie sich nach ihrem eigenen Bett.

          „Wir stören uns einfach oft.“

          Durchschnittlich wohnen die Deutschen pro Kopf nach Angaben des Statistischen Bundesamts auf 46,2 Quadratmetern. Vor allem die steigende Zahl der Einpersonenhaushalte hat häufig überdurchschnittlich viel Platz zur Verfügung, während Familien sich mit weniger zufriedengeben müssen. Mit 13,2 Quadratmetern für jeden der vier Erwachsenen und Ava fallen Moni Lentsch und ihre Angehörigen deutlich aus dem Rahmen.

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