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Wohnen im Osten : Die wachsende Stadt Leipzig drängt ans Wasser

  • -Aktualisiert am

Geplant war hier das Olympische Dorf für die Sommerspiele 2012: So wird das neue Wohngebiet Lindenauer Hafen in Leipzig aussehen. Bild: Simulation Lindenauer Hafen

Bedeutende Stadtentwicklungsprojekte gibt es nicht nur in den westdeutschen Metropolen. In Leipzig wird das erste große Neubaugebiet seit der Wende realisiert.

          Zugegeben, noch braucht man etwas Phantasie, um sich vorzustellen, wie in nicht allzu ferner Zukunft Mieter auf ihrem Balkon den Wasserblick genießen, Nachbarn sich im Café an der Ecke zum Schwatz treffen und Kinder vor der Kita spielen. Doch immerhin sind die ersten Mehrfamilienhäuser im Rohbau fertig, und Ende Januar wurde das Richtfest für den auf den Namen Hafentor-Quartier getauften Bauteil gefeiert. Kein Zweifel: Es geht voran mit den Bauarbeiten am viereinhalb Kilometer westlich der Leipziger Innenstadt gelegenen Lindenauer Hafen, wo insgesamt rund 470 Wohnungen entstehen.

          Während ein Projekt dieser Größenordnung in München, Hamburg oder Berlin keine Schlagzeile wert wäre, ist es für Leipzig sehr wohl bemerkenswert. Denn das Vorhaben am Lindenauer Hafen zeigt, dass mittlerweile selbst Städte, für die noch vor nicht allzu langer Zeit der Wohnungsleerstand ein gravierendes Problem dargestellt hat, unter Hochdruck daran arbeiten, neue Wohnungen auch in größeren Komplexen zu schaffen.

          Ein Hafen bekommt Wasser

          Besonders verblüffend ist der Wandel in der sächsischen Messestadt, wo um die Jahrtausendwende noch jede fünfte Wohnung unbewohnt war. Doch seit Jahren wächst Leipzig in nie geahntem Ausmaß. Allein 2017 nahm die Einwohnerzahl um 1,9 Prozent auf 590.000 zu. Entsprechend hat sich das Wohnungsangebot verknappt, und die in Anzeigen verlangte Miete ist nach Angaben der Immobilienberatungsgesellschaft JLL 2017 um durchschnittlich 7,5 Prozent gestiegen – deutlich stärker als in München oder Frankfurt am Main.

          Dass in dieser Situation mit dem Lindenauer Hafen ein innenstadtnahes, am Wasser gelegenes Areal zur Verfügung steht, hängt mit der jüngsten Geschichte zusammen. Denn hätte Leipzig mit seiner Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2012 Erfolg gehabt, so wäre an diesem Standort das Olympische Dorf entstanden. Weil sich aber die Messestadt im internationalen Bewerbungsverfahren nicht durchsetzen konnte, fristete das in den dreißiger Jahren als Industriehafen geplante Areal weiter ein Schattendasein.

          2008 beschloss die Stadt, an diesem Standort die Entwicklung von Geschosswohnungen voranzutreiben. Die entscheidende Voraussetzung dafür wurde allerdings erst 2015 geschaffen, als der Lindenauer Hafen an den Karl-Heine-Kanal angebunden wurde. Vorher nämlich handelte es sich kurioserweise um einen Hafen ohne Wasser: Er war wegen der Kriegswirren nie fertiggestellt worden.

          Stadtentwicklung für alle?

          Auch jetzt bietet das schmale, langgezogene Hafenbecken nicht gerade den Anblick einer imposanten Wasserfläche. Dennoch versäumt es keiner der Akteure am Lindenauer Hafen, auf die besondere Lagequalität hinzuweisen. „Hier leben die künftigen Bewohner direkt am Wasser und doch nahe am Stadtzentrum“, sagt Angela Thamm, Geschäftsführerin des Bauträgers Thamm & Partner, der in der zweiten Jahreshälfte mit dem Bau von 57 Eigentumswohnungen beginnen will.

          Und Christoph Heil, Gesellschafter der Otto Heil GmbH & Co. KG, macht darauf aufmerksam, „dass man ansonsten in Leipzig keine Grundstücke in Wasserlage mehr bekommt“. Das Unternehmen Otto Heil wird noch in diesem Jahr 66 Mietwohnungen fertigstellen, die es bereits an Industria Wohnen, einen der großen deutschen Wohnungsinvestoren, veräußert hat.

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