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Ferienimmobilien : Italiens Justiz kann aus Traumhaus Albtraum machen

Es gibt Tricks und Fallen, die beim Erwerb von Immobilien in Italien beachtet werden sollten. Bild: Reuters

Die Preise für Landhäuser oder Stadtwohnungen in Italien sind etwas geschrumpft. Doch Investoren müssen sich gegen viele Fallen wappnen.

          Wer würde nicht gern im September und Oktober den deutschen Kollegen vom erholsamen Aufenthalt in der Toskana berichten, mit warmer italienischer Sonne, Weinbergen und schönen kulinarischen Erlebnissen? Oder von den Monumenten in Rom schwärmen, die für den Besitzer eines „Pied-à-terre“ immer zur Verfügung stehen? Italiens Immobilienpreise sind noch dazu in sechs Krisenjahren kräftig geschrumpft. Allerdings drohen den Immobilienkäufern mehr Fallen, als sich der gutgläubige Italienurlauber gewöhnlich vorstellen kann.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Der darf sich auch keine Illusionen über die Preise in der Toskana oder in Rom machen, obwohl die Preise auf Italiens Immobilienmarkt seit Jahren abbröckeln. Schließlich hatten sich die Immobilienpreise in Italien von 1998 bis 2007 verdoppelt. Immer noch kostet ein renovierungsbedürftiges „Rustico“ in der Toskana im Schnitt 3800 Euro je Quadratmeter, ein fertig renoviertes gar 6800 Euro je Quadratmeter, berichtet die Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore“. Interessant seien dagegen immer noch die Preise in den Marken, den Abruzzen oder in Sizilien, für unrenovierte Landhäuser ab 1100 Euro je Quadratmeter und etwas mehr als das Doppelte für solche, in die gleich eingezogen werden kann. Teurer sind Ligurien, Umbrien und Apulien, mit Einstiegspreisen von 1400 bis 1550 Euro je Quadratmeter oder Werten von 2300 bis 2900 Euro für renovierte Objekte.

          Gardasee relativ günstig, Rom günstiger geworden

          Italiens Seen sind immer noch teuer, allerdings berichtet Tecnocasa von abnehmendem Interesse der Italiener und weiter fallenden Preisen etwa für Comer See oder Lago Maggiore. Sonderentwicklungen gebe es dagegen am Gardasee wegen des Interesses von deutschen und österreichischen Käufern sowie in der Nähe von Rom wegen relativ günstiger Preise und besseren Wohnwerts abseits vom Chaos der Hauptstadt.

          In Rom seien die Preise für mittelprächtige Appartements im Zentrum von 12.000 auf 9000 Euro je Quadratmeter gefallen, berichtet Fabio Conti von Roma Immobiliare. „Langsam geht es wieder aufwärts, in eineinhalb Jahren könnte sich der Markt im Zentrum von Rom erholt haben und die Besserung dann auch wellenartig die Randbezirke erfassen.“ Für Luxusimmobilien seien vor einigen Jahren die Quadratmeterpreise in spekulativen Fällen auch auf 20.000 Euro und mehr gestiegen, berichtet Lucia Nicolai von Farnese Immobiliare, doch nun sieht sie meist bei 12.000 Euro eine Schallgrenze erreicht. Trotz bröckelnder Preise macht die alteingesessene Maklerin Nicolai keine Hoffnung auf Schlussverkaufspreise: Wer in Italien Immobilien an gefragten Adressen zu verkaufen hat, kann sich in schlechten Zeiten oft noch den Luxus erlauben, ein paar Jahre zu warten. Italiens Immobilienmarkt kennt bisher keinen tiefen Preissturz nach unten wie in angelsächsischen Ländern, wo in Krisenzeiten die Häuschen aus notleidenden Hypothekenfinanzierungen zu jedem Preis verkauft werden müssen.

          Anstelle eines Preisverfalls gab es in Italien vor allem weniger Geschäftsabschlüsse für Verkäufe von Wohnungen und Häusern. Das Bologneser Wirtschaftsforschungsinstitut Nomisma berichtet von 869.000 privaten Immobilienverkäufen für das Jahr 2006, von 403.000 für 2013 und 41700 im vergangenen Jahr. Die leichte Erholung auf dem Immobilienmarkt soll den Wert der jährlichen Geschäftsabschlüsse nach der Prognose von Nomisma bis 2017 auf 490.000 erhöhen.

          Schwarzbau ein heikles Thema beim Immobilienerwerb

          Leichtes Spiel haben ausländische Investoren auf diesem Markt nicht. Immerhin fänden sich hin und wieder Wunschimmobilien der Ausländer, kleine Wohnungen mit Terrasse, die in Zeiten des ungestümen Marktes gar nicht mehr im Angebot zu finden waren, sagt die römische Maklerin Nicolai. Doch allzu leicht sind verlockende Immobilien mit Fallen verbunden. Rar sind dabei Makler, die jahrzehntelang ein Viertel betreut haben und im Zweifel davor warnen, sich in eine Hausgemeinschaft mit jahrelangen Fehden einzukaufen oder gar ein Objekt mit allerlei illegalen Veränderungen zu erwerben.

          Das Thema Schwarzbau gehört zu den heiklen Themen beim Immobilienerwerb, weil viele Immobilienbesitzer dies auf die leichte Schulter genommen haben. Schließlich gab es in der Vergangenheit immer wieder eine Amnestie, bei der illegale Um- oder Anbauten mit der Zahlung einer Ablassgebühr vergeben wurden. Wehe aber, wenn die Ablassgebühren nicht vollständig bezahlt wurden, oder das Amnestieverfahren in der Baubehörde nie zu Ende gebracht wurde. Wenn der Bauplan im Katasteramt und der aktuelle Zustand der Immobilie nicht übereinstimmen, muss der Notar die Beurkundung des Verkaufs verweigern, die Anzahlung kann verloren sein. Wird das Eigentum an der Immobilie dennoch übertragen, haftet der ahnungslose Käufer gegenüber den Behörden für alle illegalen Veränderungen.

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