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„Spaceloft“ : Der Traum von der eigenen Mars-Villa

  • -Aktualisiert am

Immobilie mit Weitblick: Genießen Sie die malerische Aussicht auf die marsianische Ödnis. Bild: Immobilienscout24

Der Mars ist mal wieder als zukünftiges Siedlungsgebiet für Erdbewohner im Gespräch. Nicht nur Tesla-Chef Elon Musk treibt das Thema voran. Gibt es bald das Eigenheim auf dem roten Planeten?

          Leben auf dem Mars? Diese Frage beschäftigt derzeit den Milliardär Elon Musk – doch anders als man denkt. Denn dem Tesla-Chef geht es nicht um Erstkontakt mit Außerirdischen, sondern um eine dauerhafte menschliche Besiedlung des Roten Planeten. Hierfür hat Musk das private Raumfahrtprogramm SpaceX gegründet. Das Ziel lautet: eine Million Marsbewohner bis zum Jahr 2060. Für den Unternehmer steht nichts weniger auf dem Spiel als das Überleben der menschlichen Rasse: „Entweder wir werden eine multiplanetare Spezies und eine raumfahrende Zivilisation, oder wir bleiben auf diesem einen Planeten stecken, bis uns die Ressourcen ausgehen“, lautet Musks Prophezeiung.

          Doch während SpaceX primär an der Reise zum Mars arbeitet, geht das deutsche Internetportal Immobilienscout 24 einen Schritt weiter. Denn wer auf der Anzeigenplattform nach besonders extravaganten Domizilen Ausschau hält, wird auf ein besonderes Exposé aufmerksam: Für 890 Millionen Euro wird der Traum vom Eigenheim auf dem Roten Planeten angeboten – malerischer Blick auf den höchsten Berg des Sonnensystems, den Olympus Mons, inklusive.

          „Kein AirBnB, nicht WG-geeignet!“

          In der „Spaceloft“ finden sich neben Wohnzimmer, Küche und zwei Schlafräumen auch ein Arbeitsraum mit medizinischer Versorgungsstation sowie ein Tempel – alles verteilt auf fast 900 Quadratmetern. Hartmetallböden, mit integrierten künstlichen Magnetfeldern ausgestattet, sollen die niedrige Marsgravitation auf angenehmes Erdniveau ausgleichen. Automatisierte Putzroboter sorgen für den nötigen Glanz. Heimkino und Billardtisch runden schließlich das Ausstattungspaket ab. Betrieben wird die Mars-Villa über ein sogenanntes „Environmental Control and Life Support System“. Das Lebenserhaltungssystem nutzt, laut Anzeige, die natürlichen Ressourcen des Roten Planeten, um Sauerstoff herzustellen. Die Wasservorräte werden durch Erhitzen des unterirdischen Eises aufgefüllt. Arbeitsstrom bezieht das System über eine Photovoltaikanlage. Pro Marsjahr (687 Tage) sollen somit zirka 2800 Liter Wasser und 687 Kilogramm Sauerstoff erzeugt werden.

          Ausreichend Platz für den Familienwunsch: das geräumige Kinderzimmer der „Spaceloft“

          Das futuristische Konzept geht auf eine Kooperation zwischen Immobilienscout24 und dem Wissenschaftsmagazin „National Geographics“ zurück. Bezugsfertig sollen die eigenen vier marsianischen Wände auch theoretisch bis 2060 sein – gerade rechtzeitig zu Musks visionärem Abenteuer. Eine Maklerprovision wird nicht erhoben, doch die Betreiber warnen davor, denn für Sparfüchse wie Geschäftemacher gilt: „Kein AirBnB, nicht WG-geeignet!“

          Der Mars ist kein rechtsfreier Raum

          Bevor aber theoretisch der erste Spatenstich gesetzt werden kann, müsste noch geklärt werden, wem der Grund und Boden auf dem Roten Planeten überhaupt gehört. Denn auch der Mars ist kein rechtsfreier Raum, wie Alexander Soucek, Jurist der europäischen Weltraumbehörde Esa, bemerkt. Außerhalb der Erde herrscht schon jetzt eine ganz bestimmte Rechtslage: „Weltraumrecht, das klingt nach Science-Fiction, ist aber durch und durch praxisbezogen“, erklärt Soucek. „Es ist ein Teilbereich des internationalen Rechts und wurde in den 1950er und 1960er Jahren unter dem Einfluss des beginnenden Raumfahrtzeitalters entwickelt.“ Ziel sei es gewesen, eine friedliche Nutzung des Weltalls zu ermöglichen, wie es 1967 schließlich im sogenannten Weltraumvertrag festgehalten wurde. Artikel 2 verdient dabei besonderes Augenmerk. Es sei, erläutert Soucek, zwar nur ein einziger Satz – jedoch von weitreichender Bedeutung: „Der Weltraum, einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper, unterliegt nicht nationaler Aneignung auf Grund von Souveränitätsansprüchen, durch Benützung oder Besetzung oder irgendeinen anderen Titel.“

          Prinzipiell gilt daher, dass der Mars keinem einzelnen Staat oder privaten Person gehören kann. Wie die Regelung allerdings in der Praxis von einzelnen Staaten und privaten Unternehmen interpretiert wird, bleibt derzeit noch offen. Immerhin steht die Nutzung und Erforschung des Roten Planeten jedem offen, sofern man sich an gewisse Grundprinzipien wie Umweltschutz oder friedliche Koexistenz hält. Unter diesen Voraussetzungen ist eine Besiedlung also theoretisch möglich. Vergleichbar sei dabei die rechtliche Situation künftiger Siedler, laut Soucek, mit Astronauten der Internationalen Raumstation: „Auf den russischen Modulen gilt russisches Recht, auf dem japanischen Kibo-Modul japanisches Recht und so weiter. Das klingt kompliziert, funktioniert in der Praxis aber ohne größere Probleme.“ Über all dem steht das Weltraumrecht und indirekt das internationale Völkerrecht. Somit wäre auch das „Spaceloft“ kein potentieller Freiraum für Anarchie und Chaos.

          Ebenso wie Musk glaubt auch Soucek an das enorme Potenti der Besiedlung des Mars. Diese Renaissance der Raumfahrt wird angespornt durch ambitionierte Projekte neuer Teilnehmer, zu denen auch SpaceX zählt. Ressourcenknappheit und Bevölkerungsdruck werden in naher Zukunft zu alles entscheidenden Herausforderungen der Menschheit. Die Lösung mag daher für manch einen in den Sternen liegen. Der Esa-Jurist erlaubt sich dabei in seinen Überlegungen, sogar noch eine Ebene weiter zu gehen: „Eine spannende, aber heute noch ziemlich theoretische Frage ist, ob zukünftige Siedler auf dem Mars eines Tages ihr eigenes Recht entwickeln und sich von ihren irdischen Herkunftsstaaten abkoppeln.“ Denn solche Beispiele seien auf der Erde aus der Geschichte hinreichend bekannt.

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