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Überteuerte Immobilien : Am Häusermarkt braut sich etwas zusammen

Droht in Deutschland eine Immobilienpreisblase? Bild: dpa

Welchen Einfluss hat eine lockere Geldpolitik auf die Kreditvergabe, die Immobilienpreise und schließlich Finanzkrisen? Das hat eine Langzeitstudie über einen Zeitraum von 140 Jahren untersucht. Die Ergebnisse sind beängstigend.

          Wenn das Forschertrio Ende des Monats seine Studie der Fachöffentlichkeit vorstellen wird, dürfte ein Raunen durch den Saal gehen. Denn die Ergebnisse der Ökonomen betreffen nicht nur eine der derzeit heikelsten wirtschaftlichen Fragen, sie sind ausgesprochen deutlich: „Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass es auf dem Immobilienmarkt zu Übertreibungen kommt“, sagt der Bonner Ökonom Moritz Schularick. Das Krisenrisiko habe sich zuletzt weiter erhöht. „Das sollte man für die gegenwärtige deutsche Situation vor Augen haben“, sagt der Forscher. Gemeinsam mit dem bekannten Ökonomen Alan Taylor und Òscar Jordà (beide University of California) hat Schularick über einen Zeitraum von 140 Jahren untersucht, wie lockere Geldpolitik, Kreditvergabe, steigende Immobilienpreise und schließlich Finanzkrisen miteinander verbunden sind. „Wir sind da auf einen sehr engen Zusammenhang gestoßen“, bilanziert der Forscher.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Die Studie des Forschertrios fällt in eine Zeit, in der sich die warnenden Worte vor einer drohenden Preisblase an den Immobilienmärkten mehren und eindringlicher werden. In Großbritannien wurde am Dienstag bekannt, dass die Häuserpreise im April im Vergleich zum Vorjahr um 9,9 Prozent und damit so kräftig wie zuletzt vor vier Jahren gestiegen sind. In London verteuerten sich Wohnimmobilien sogar fast um 20 Prozent. Erst vor wenigen Tagen sorgte der Internationale Währungsfonds für Wirbel, als er auf übermäßig steigende Hauspreise in einer ganzen Reihe von Ländern hinwies. Deutschland stand dabei nicht im Visier – doch auch hierzulande versetzen die in den Metropolen rapide gekletterten Preise für Wohnungimmobilien Fachleute in Unruhe.

          „In einigen Ländern – auch in Deutschland – sehen wir die Gefahr einer Immobilienblase – und dann sollen wir als Eurosystem niederländische Immobilienkredite kaufen?“, ließ sich Bundesbankpräsident Jens Weidmann am Wochenende in Anspielung auf die neuesten Pläne der Europäischen Zentralbank (EZB) zitieren. Die Preise für Wohnimmobilien in 125 deutschen Städten sind 2013 im Schnitt um 6,25 Prozent gestiegen, konstatiert die Bundesbank. Der Frankfurter Finanzmarktforscher Volker Wieland, einer der fünf „Wirtschaftsweisen“, sagte in einem Interview, es gebe Parallelen zwischen der aktuellen Geldpolitik der europäischen Notenbank und ihrem amerikanischen Pendant Federal Reserve vor der Finanzkrise der Jahre 2007 und 2008. „Wenn wir dauerhaft niedrige Zinsen haben, kann es sehr leicht zu Übertreibungen bei den Vermögenspreisen kommen“, sagte Wieland.

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          Die Veröffentlichung der drei Forscher, die ihre Arbeit am 27. Juni bei einer Fachkonferenz in Lettland und am 2. Juli in der Universität Frankfurt am Center for Financial Studies präsentieren werden, dürfte die Debatte über eine drohende Preisblase weiter befeuern. Die Studie, deren zentrale Ergebnisse dieser Zeitung bekannt sind, sticht heraus, da sie sich nicht darauf beschränkt, in aktuellen Hauspreisen nach Anzeichen für Übertreibungen zu suchen. Stattdessen gehen die Forscher dem Gefahrenpotential über einen Zeitraum von 140 Jahren in 14 Ländern systematisch auf den Grund: Den australischen Immobilienboom Ende des 19. Jahrhunderts erfassten die Ökonomen genauso wie jüngere Krisen in Japan, Spanien und Irland. Sie beobachteten, wie sich Hauspreise nach Zinssenkungen immer wieder von der Einkommens- und Wirtschaftsentwicklung absetzten.

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