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Vermieters Albtraum : Hilfe, ein Mietnomade!

Für viele Vermieter ist der erste Blick in eine geräumte Mietnomaden-Wohnung ein Schock. Bild: Picture-Alliance

Mietnomaden nisten sich in Wohnungen ein, zerstören die Einrichtung, prellen die Zeche, und verursachen einen immensen finanziellen Schaden. Was Vermieter tun können, um sich vor ihnen zu schützen.

          Erst blenden sie mit guten Manieren und dickem Auto, dann zahlen sie monatelang keine Miete, zerstören das Inventar und hinterlassen die Wohnung in sanierungsreifem Zustand: Einem Mietnomaden aufzusitzen ist wohl die Schreckensvorstellung eines jeden Vermieters. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit gering, Opfer eines solchen Einmietbetrügers zu werden. Doch wer betroffen ist, den kümmert die Statistik wenig.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Nicht jeder, der die Miete schuldig bleibt, ist ein Mietnomade. Nur wenn jemand in betrügerischer Absicht den Mietvertrag gar nicht einhalten will, hat man es mit einem solchen zu tun. Dann wird es teuer: Je nachdem, ob der Zechpreller nur die Mietzahlungen nicht begleicht oder auch die Einrichtung beschädigt, Schädlinge bekämpft werden müssen und Prozesskosten anfallen, reicht der Schaden laut einer Studie der Universität Bielefeld im Durchschnitt von 5000 bis 10.000 Euro. In schweren Fällen belaufen sich die Kosten auf bis zu 20.000 Euro.

          Doch was sollten Eigentümer tun, wenn sie merken, dass sie auf einen Mietnomaden hereingefallen sind? „Sie müssen das Mietverhältnis so schnell wie möglich kündigen und den Bewohner zur Räumung auffordern“, rät Inka-Marie Storm, zuständig für Miet- und Immobilienrecht beim Grundbesitzerverband Haus & Grund. Denn der sich anschließende Prozess kann bis zur schlussendlichen Räumung ein halbes bis ein ganzes Jahr dauern. „Ist der Bewohner mit zwei Monatsmieten im Verzug, haben Vermieter ein außerordentliches Kündigungsrecht und können ihm fristlos kündigen.“ Allerdings reagieren Mietnomaden meist gar nicht auf die Kündigung, weil sie bewusst auf die lange Dauer bis zum Räumungsprozess setzen.

          Nicht allein dem ersten Eindruck vertrauen

          „Verlässt der Bewohner die Wohnung nicht von sich aus, sollten Eigentümer auf Räumung und auf Zahlung der ausstehenden Miete klagen“, sagt die Mietrechtsexpertin. Dem Mieter einfach das Wasser abdrehen oder die Wohnung auf eigene Faust ausräumen darf der Vermieter aber nicht, warnt Storm.

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          Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2013 hat der Eigentümer auch die Möglichkeit, bei Gericht eine Sicherheitsanordnung zu erwirken. Das bedeutet, dass der Mieter zu einer festgesetzten Frist eine Sicherheit in bestimmter Höhe bei der Gerichtsstelle hinterlegen muss - eine Bürgschaft, eine Geldleistung oder eine Garantie des Jobcenters. Ziel ist, die Kosten für den Beschädigten zumindest ein wenig zu verringern. Wenn der Mieter die Zahlung nicht innerhalb dieser Frist leistet, kann der Eigentümer eine beschleunigte Zwangsräumung per einstweiliger Verfügung durchführen. Allerdings ordnet das Gericht so etwas nur an, wenn die Chancen sehr groß sind, dass der Kläger den Prozess gewinnt. Außerdem muss der Vermieter von den Mietausfällen besonders hart betroffen sein, etwa weil seine eigenen Existenz bedroht ist.

          Damit es gar nicht erst so weit kommt, sollten Eigentümer nicht allein auf den ersten Eindruck vertrauen. Wer aussagekräftige Unterlagen anfordert und sich ein paar kritische Fragen stellt, fährt besser: Hat der Mieter ein regelmäßiges Einkommen? Kann er sich diese Mietwohnung überhaupt leisten? Dazu sollten Vermieter die drei jüngsten Gehaltsbescheinigungen, Belege über Jobcenterleistungen oder Kontoauszüge anfordern. Storm empfiehlt darüber hinaus, sich über die Solvenz des Mieters zu informieren, zum Beispiel über eine Schufa-Auskunft. „Man sollte sich außerdem unbedingt den Ausweis vorzeigen lassen“, sagt Storm. „So hat man die vorherige Adresse des Mieters und kann sichergehen, dass er sich nicht als jemand anderes ausgibt.“

          Der Interessent sollte zusätzlich eine Selbstauskunft ausfüllen. Bei Fragen, die für das Mietverhältnis wichtig sind, etwa nach Haustieren, wie viele Personen einziehen wollen oder eventuellen Mietschulden, müssen Mieter in spé die Wahrheit sagen, sonst ist es ein Kündigungsgrund. Wer sich unsicher ist, mit wem er es zu tun hat, kann den vorherigen Vermieter erfragen und diesen kontaktieren. Ratsam ist darüber hinaus ein Übergabeprotokoll mit Fotos der Einrichtung. Das hilft im Nachhinein, auf Schäden an der Wohnung nicht sitzenzubleiben.

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