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Platznot in der Großstadt : Generation Abstellbox

Gut gestapelt ist halb gewonnen. Bild: plainpicture/Elise Ortiou Campio

Der Platz in den Großstädten ist knapp, die Bewohner werden immer mobiler. Kein Wunder, dass Einlagerung im Trend liegt. Lohnt sich das?

          Wohin mit Skiern im Sommer, Sommerreifen im Winter, der Harley, der Kunstsammlung, dem geerbten Eichenschrank? Platz ist Mangelware in Deutschlands Großstädten. Mieten und Immobilienpreise in den Metropolen steigen unaufhörlich, viele Bewohner können sich nur kleine Wohnungen mit wenig Stauraum leisten. Weil es die ohnehin hohen Baukosten zusätzlich treibt, verzichten Bauherren immer häufiger auf einen Keller. Und wer eine Altbauwohnung mietet, kann wichtige Akten, Kleider oder Holzmöbel oft nicht im kalten und feuchten Untergeschoss einlagern, ohne dass sie Schaden nehmen.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          In diesem Umfeld hat sich ein Angebot namens Selfstorage etabliert, zu deutsch Selbstlagerung. Was zu Hause keinen Platz findet oder wegen Auslandsaufenthalten, sich verzögernden Umzügen oder Trennungen kurzzeitig untergestellt werden muss, wandert immer häufiger in die gemietete Abstellbox. Die Idee stammt ursprünglich aus den Vereinigten Staaten, hat sich aber mittlerweile auch hierzulande durchgesetzt. MyPlace, Lagerbox, Shurgard oder Pickens heißen die größten Anbieter, daneben gibt es regionale Unternehmen wie Zeitlager in München.

          Ihre Lagerhäuser stehen in den Ballungszentren, meist in gut erreichbaren Innenstadtlagen – denn etwa 70 Prozent der Nutzer sind Privatkunden. Und sie haben nichts mehr vom improvisierten Rumpelschuppen. Selfstorage-Unternehmen, die Mitglied im deutschen Branchenverband sind, gewährleisten gemeinsame Standards: Die Lagerräume sind hell und trocken, flexibel nutzbar, sauber und sicher, weil sie alarm- und kameraüberwacht sowie sichtgeschützt sind, um die Intimsphäre zu wahren.

          Keine Tiere, Drogen, Waffen

          Alle Gegenstände dürfen die Mieter aber trotz zugesicherter Privatheit nicht in ihrer Box aufbewahren. Lebensmittel, Drogen, Tiere, entzündliche Stoffe oder Waffen sind grundsätzlich nicht erlaubt, auch nicht stinkende Gegenstände wie miefende Schuhe. Schlafen oder wohnen darf man in den Räumen ebenfalls nicht. Welche Dinge noch verboten sind, steht in den Geschäftsbedingungen der jeweiligen Vermieter. Shurgard etwa untersagt es, Geld, Pelze, Kunst oder Batterien zu lagern, Lagerbox schließt Altreifen sowie Farben, Lacke und Lösungsmittel aus. Die Anbieter öffnen nach eigenen Angaben einen Lagerraum aber nur, wenn ein begründeter Verdacht besteht, dass der Mieter gegen die Regeln verstößt, die Polizei mit einem Durchsuchungsbefehl vor der Tür steht oder Gefahr von Gegenständen ausgeht.

          Bevor man einen Teil seines Lebens in der Box unterbringt, gibt es ein paar Dinge zu bedenken – etwa die Größe. Die kleinsten Lagerräume messen einen Kubikmeter, die größten bis zu 100 Quadratmeter. Bei drei Meter hohen Wänden sind das 300 Kubikmeter. Als Faustregel gilt: Wer alle Möbel und Gegenstände eines 10 Quadratmeter großen Zimmers unterbringen will, benötigt einen etwa ein Quadratmeter großen Lagerraum, also ungefähr 10 Prozent der Wohnfläche. Manche Anbieter stellen auf ihrer Internetseite Rechner zur Verfügung, die die empfohlene Größe des Lagerraums angeben, wenn man seine Möbelstücke benennt. Beide Werte geben einen Anhaltspunkt, allerdings empfehlen die Unternehmen, sich in puncto Lagergröße vorher telefonisch beraten zu lassen.

          Die Kunden sollten sich aber nicht vorschnell für ein Angebot entscheiden. Vergleichen lohnt sich, denn günstig sind die Abteile nicht unbedingt.

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