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Tillandsien : Mehr als Luft und Liebe

Gehalten vom Netz aus Nylonfäden, scheinen die Luftnelken im Rahmen zu schweben. Bild: Marcus Kaufhold

Tillandsien sehen richtig gut aus. Doch wer die Pflanzen nur wie Deko behandelt, wird an ihnen wenig Freude haben. Wie man Luftnelken trotzdem schön in Szene setzt.

          Sie sind grün oder grau, haben die bizarrsten Formen – und sie brauchen nur Luft zum Leben, zumindest sieht es auf den ersten Blick danach aus: Tillandsien liegen im Trend. Kein Do-it-Yourself-Blog, kein Einrichtungsmagazin, das die angeblich so anspruchslosen Gewächse nicht wirkungsvoll in der Designerwohnung drapiert.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Das war schon einmal so: „In den achtziger Jahren waren Tillandsien für kurze Zeit als Zimmerpflanzen sehr in Mode. Man hat sie auf Stein geklebt und günstig bei Aldi oder im Baumarkt verkauft“, erinnert sich der 53 Jahre alte Gärtnermeister Timm Stolten. „Auf dem Begleitzettel stand nur: ,Kurz alle paar Wochen besprühen.‘ Man hat den Leuten suggeriert, dass sie von ganz alleine wachsen. So einfach ist es leider nicht.“ Die Pflanzen gingen den meisten ein, der Trend ebbte schnell wieder ab. Damit die faszinierenden Tillandsien dieses Mal nicht das gleiche Schicksal ereilt, gebietet die Pflanzenliebe, mehr über sie zu lernen, bevor man sie hübsch im Wohnraum dekoriert.

          Die Tillandsie ist eine Gattung in der Familie der Bromelien, auch Ananasgewächse genannt, und umfasst mehr als 500 Arten. Die Gattung erstreckt sich vom Süden der Vereinigten Staaten bis zur Südspitze Südamerikas, von Florida über Guatemala bis nach Chile. Manche Arten wachsen in heißen Sandwüsten, andere in feucht-tropischen Regenwäldern, manche in bis zu 4000 Metern Höhe. Es gibt grüne und graue Tillandsienarten: Die grünen sind in ihrem natürlichen Lebensraum ein feuchtes Klima mit gleichbleibenden Temperaturen gewohnt und leben meistens auf dem Boden im Schatten oder in den unteren Etagen der Regenwälder; die grauen stammen aus regenarmen Gebieten. Sie mögen es hell, obwohl ihre Blätter bei direkter Sonneneinstrahlung auch verbrennen können, und sind stark schwankenden Tages- und Nachttemperaturen ausgesetzt.

          Manche Tillandsienarten wachsen in der Erde, ein großer Teil gehört jedoch zu den Epiphyten, den Aufsitzerpflanzen. Der Wind verbreitet ihre Samen wie beim Löwenzahn. Diese bleiben an einer Baumrinde oder einem Felsen hängen und bilden darauf Wurzeln, mit denen sie sich festhalten.

          Auf die Wasserhärte kommt es an

          „Das Besondere an vielen Tillandsien ist aber, dass sie ganz ohne Substrat auskommen, weil sie Nährstoffe und Feuchtigkeit über die Blätter aus der Luft aufnehmen können“, erklärt Stolten, der 25 Jahre lang die Bromeliensammlung im Botanischen Garten Heidelberg betreut hat. Deshalb werden sie auch Luftnelken genannt. Betrachtet man ihre Blätter unter der Lupe, so entdeckt man viele kleine Saugschüppchen, die Trichome, die aussehen wie ein silberner Flaum oder zerfetztes Butterbrotpapier. Die Schuppen vergrößern die Oberfläche des Blattes, an ihnen kondensiert Wasser, das sie in die Pflanze saugen. Ist die Tillandsie trocken, so sind die Schuppen mit Luft gefüllt; die Oberfläche erscheint grauweiß. Werden die Blätter benetzt, verfärben sie sich grün. Grüne Arten haben ihre Saugschuppen vor allem im Inneren der Blatttrichter, bei den grauen Arten überdecken sie das gesamte Blattwerk. Daher sehen sie, außer direkt nach dem Einsprühen, immer weiß-gräulich aus.

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