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Mietrecht : Was tun, wenn der Nachbar stinkt?

Welche Duftnoten von nebenan müssen Mieter dulden, welche Gerüche sind unzumutbar? Bild: dpa

Es gibt viele Dinge, die Menschen an ihren Nachbarn auszusetzen haben. Doch was tun, wenn unerträgliche Gerüche in den Flur oder die eigene Wohnung dringen?

          Ein Odeur aus exotischen Gewürzen und Hundeschnauze erfüllt das Treppenhaus, Zigarettenqualm weht vom Nachbarbalkon herüber, und unter dem Küchenfenster müffelt die faulige Biomülltonne. Es gibt viele Dinge, die Menschen gewaltig stinken können, wenn sie mit anderen zusammenleben. Welche Duftnoten von nebenan müssen Mieter dulden, welche Gerüche sind unzumutbar, und welche Rechte hat man, dagegen vorzugehen?

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          In der eigenen Wohnung darf zunächst jeder machen, was er will, es darf sogar stinken, so lange der Geruch in den eigenen vier Wänden bleibt – der Mieter hat das Hausrecht. Dringt der Mief aber in den Flur oder gar bis in die Wohnungen der Mitmieter, sieht die Sache anders aus. Sind Gerüche so penetrant, dass ein Mieter sein Zuhause nur noch teilweise oder gar nicht nutzen kann, liegt ein Mangel vor. Das trifft vor allem zu, wenn es sehr stark, häufig und/oder über eine lange Zeit hinweg stinkt.

          Entscheidend ist, wonach es riecht: Entstehen im Haus Gerüche durch haushaltsübliche Tätigkeiten wie Kochen oder Wäschewaschen, müssen die anderen Bewohner sie in der Regel hinnehmen. In Ausnahmefällen können Kochgerüche eine erhebliche Belästigung darstellen, urteilte das Landgericht Essen, wenn sie das sozial verträgliche Maß wesentlich überschreiten. Wenn der Mieter etwa tagsüber eine Großküche betreibt oder die Ausdünstungen ständig ins Treppenhaus entlüftet, ist eine Grenze überschritten.

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          Das Rauchen in Flur oder Treppenhaus ist untersagt. Auch Mietern, die ihren Zigarettenqualm ins Treppenhaus abziehen lassen, kann gekündigt werden, urteilte der Bundesgerichtshof (BGH). Im Einzelfall könne eine Geruchsbelästigung der Mieter durch Zigarettenrauch den Hausfrieden stören, wenn die Beeinträchtigung ein unerträgliches und gesundheitsgefährdendes Ausmaß erreicht, entschieden die Bundesrichter (Az.: VIII ZR 186/14). Das Rauchen auf dem Balkon ist ebenfalls nicht mehr uneingeschränkt erlaubt. Richter prüfen künftig vor Ort, ob der Zigarettenrauch vom Balkon nebenan wesentlich stört. Falls ja, kann das Rauchen auf feste Zeiten begrenzt werden (BGH, V ZR 110/14).

          Mangelnde Körperhygiene als Kündigungsgrund?

          Auch wer mangelhaft Körperhygiene betreibt und so lange Müll hortet, bis der Gestank in den Flur zieht, störe nachhaltig den Hausfrieden, befanden die Amtsgerichte Wetzlar und Saarbrücken und urteilten: Ändern die Mieter ihr Verhalten nach einer Abmahnung nicht innerhalb einer gesetzten Frist, sei eine fristlose Kündigung rechtens (Az.: 38 C 1389/12(38), Az.: 37 C 267/93).

          Hunde und Katzen sind übliche Haustiere. Dürfen die Mitbewohner diese Tiere grundsätzlich halten, so können sich Mieter nicht beschweren, wenn es im Hausflur mal nach nassem Hund riecht – solange es sich nicht um Urin- oder Fäkalgeruch handelt. Anders sieht es aus, wenn die Nachbarn unübliche Tiere wie etwa ein nicht kastriertes Frettchen besitzen, urteilte das Amtsgericht Köln (Az.: 201 C 457/87). Bei erlaubten Tieren kommt es auf die Menge an: Ein Mieter klagte gegen den Gestank von 27 Katzen seiner Nachbarin und bekam recht. Sie musste alle bis auf zwei Tiere abschaffen (Az.: 5 U 7178/89).

          Fühlt sich ein Mieter durch Ausdünstungen von nebenan gestört, sollte er den Mangel zuerst dem Vermieter melden. Um eine Geruchsbelästigung zu beweisen, genügt eine Schilderung von Dauer, Intensität und Häufigkeit des Gestanks. Aussagen von Zeugen sind hilfreich. Der Bewohner setzt dem Eigentümer eine Frist, innerhalb deren er die Ursache beseitigen muss. Der Vermieter ist verpflichtet, den Mangel zu beheben – egal ob er selbst dafür verantwortlich ist. Kommt er dem nicht nach, darf der Mieter einen Geruchsgutachter beauftragen, der die Belästigung feststellt, und dem Vermieter die Kosten in Rechnung stellen, entschied das Landgericht Berlin (Az.: 65 S 296/10). Außerdem kann der Bewohner gegebenenfalls die Miete reduzieren. Wie hoch die Mietminderung ausfällt, hängt vom Einzelfall ab. Wer auf Nummer Sicher gehen will, lässt sich vom Fachanwalt oder Mieterbund beraten.

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