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Altbackene Kiefer : Ein Holz in der Krise

Sieht aus wie handgemacht, heißt aber zu Recht „Industriell“: Kiefernholzmöbel-Serie von Piet Hein Eck Bild: Ikea

Möbel aus Kiefernholz waren einmal der Inbegriff des modernen Wohnens. Jetzt sind sie aus der Mode gekommen. Ein Ikea-Designer stemmt sich dagegen.

          Die Kiefer ist ein herrlicher Baum. Ihre Nadeln sind lang und schlank, ihre Zapfen dafür kugelrund. Kiefern – oder Föhren, beide Namen bezeichnen im Deutschen dieselbe Pflanze – wachsen anspruchslos selbst auf dürftigem Boden und duften trotzdem ätherisch. Kein Wunder, dass sie in Japan als Tempelbäume in Ehren gehalten werden. Und Theodor Fontane reimte ergriffen: „Am Waldessaume träumt die Föhre, am Himmel weiße Wölkchen nur. Es ist so still, dass ich sie höre, die tiefe Stille der Natur.“

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aus unseren Wohnungen hingegen haben wir das Holz der Kiefer verbannt. In den Katalogen der namhaften Möbelhersteller kommt es so gut wie überhaupt nicht mehr vor. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass die wackere Kiefer in der Inneneinrichtung voll im Trend lag. Kein anderes Holz hat in den vergangenen Jahren so rasant die Gunst von Kunden und Designern eingebüßt. Wie konnte es nur so weit kommen?

          Von dem „robusten Holz, das bei der jüngsten Generation am beliebtesten ist“, schwärmte beispielsweise noch die Werbebroschüre, die der Hersteller Hülsta aus dem Münsterland 1986 für seine „Young Life“-Kollektion auflegte. Darin findet sich die ganze Kiefernherrlichkeit jener Tage: Kleiderschränke und Regale, Kommoden und Betten, Schreibtisch und das, was heute als „Phono-Tisch“ oder „Lowboard“ verkauft wird, vor dreißig Jahren aber HiFi-Baukasten hieß. Es war die Zeit, in der Kinder- und Jugendzimmer fast zwangsläufig mit Möbeln aus Kiefernholz eingerichtet wurden, weil alles andere altbacken, düster und spießig wirkte; aber auch im Wohnzimmer hatten sich die auffällig gemaserten, nur gebeizten oder lasierten Oberflächen aus Kiefernholz schon breitgemacht. Hell und modern und irgendwie skandinavisch wirkte das, weich, glatt und leicht wie die Verlängerung der Sommerferien im Norden.

          Ikea begründete den Kiefern-Trend

          Tatsächlich muss man nach Skandinavien schauen, um den damaligen Siegeszug der Kiefernholzmöbel und auch ihren anschließenden Niedergang zu verstehen. Genauer gesagt, nach Älmhult mitten in Schweden. Dort hat Ingvar Kamprad 1958 sein erstes Ikea-Möbelhaus eröffnet. Inzwischen befindet sich in dem Gebäude ein Museum, in dem man sich unter anderem typische Ikea-Musterzimmer aus den vergangenen Jahrzehnten anschauen kann. Aus dem Jahr 1976, also zehn Jahre bevor Hülsta die Kiefer bejubelte, ist dort ein Wohnzimmer aufgebaut, komplett mit Kiefernholzmöbeln eingerichtet. „Bequeme und schöne Möbel, die robust sind, ohne es zu übertreiben, für die niemand zu alt oder zu jung ist“ – so dichteten die Werbestrategen aus Schweden dazu. Zwei Jahre vorher hatte Ikea das erste Möbelhaus in Deutschland eröffnet. Die Expansion des Konzerns und der Vormarsch der Kiefer gingen in der Folge hierzulande Hand in Hand vonstatten, das eine kaum denkbar ohne das andere.

          In nicht allzu ferner Vergangenheit prägte Kiefernholz die Einrichtung.
          In nicht allzu ferner Vergangenheit prägte Kiefernholz die Einrichtung. : Bild: mauritius images

          Dafür gab es, wie immer bei Kamprad, handfeste wirtschaftliche Gründe. Dass er auf Kiefernholz setzte, lag nicht etwa an ästhetischen Überlegungen und auch nicht daran, dass in Nordeuropa Möbel aus Kiefernholz in Naturoptik immer schon üblich gewesen wären. Im Gegenteil, auch in Schweden (und sogar bei Ikea) waren in den Fünfzigern und Sechzigern Walnuss, Eiche und Palisander viel beliebter. Selbst das schwedische Künstlerpaar Carl und Karin Larsson, dessen Bildband „Das Haus in der Sonne“ auch in Deutschland ein Bestseller wurde und den als typisch nordisch berühmt gewordenen Einrichtungsstil entscheidend geprägt hat, kam in seinem Vorzeige-Interieur im Dörfchen Sundborn ganz ohne Oberflächen aus ungefärbtem Kiefernholz aus.

          Piet Hein Eek will dem schlechten Ruf der Kiefer entgegen wirken.
          Piet Hein Eek will dem schlechten Ruf der Kiefer entgegen wirken. : Bild: Ikea

          Aber die Kiefer war so viel günstiger als alle anderen Holzarten, und das überzeugte Ingvar Kamprad. Zumal er früh Geschäftsverbindungen nach Polen aufgebaut hatte, seine Herkunft aus dem neutralen Schweden machte das auch mitten im Kalten Krieg möglich. So wurde Kiefernholz aus polnischen Wäldern und Sägewerken zu einem Pfeiler des Ikea-Erfolgs – und für die Kunden in Westdeutschland ein Ausweis ihres zeitgemäß skandinavischen Lebensgefühls.

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