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Porzellandesign : „Bloß keine Tafel im Einheitslook“

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Wer wagt, gewinnt: Porzellandesignerin Marie Daâge rät dazu, auf dem Tisch viel zu kombinieren. Bild: Marie Daâge

Die französische Porzellandesignerin Marie Daâge über die Frage, wie viele Teller ein Mensch braucht und warum improvisierte Tischdekorationen die schönsten sind.

          Die Tochter einer Österreicherin und eines Franzosen hat mit einem neuen, spielerischen Stil die französische Porzellanszene revolutioniert. Die Mutter von sechs Kindern entwirft handbemalte Mix&Match-Kollektionen mit 64 Farben und stattet auch Yachten, Flugzeuge und Firmen mit individuell entworfenen Einzelgeschirren aus. Zu Interview und Mittagessen empfängt die Pariserin in ihrem Appartement-Showroom im 9. Arrondissement – und spricht in einer charmanten Mischung aus Französisch und österreichisch gefärbtem Deutsch.

          Wie deckt die berühmteste Porzellandesignerin Frankreichs ihren eigenen Tisch?

          Ich ziehe einen Tisch an wie mich selbst und überlege, worauf ich heute Lust habe: viel Schmuck, wenig Schmuck, Decke, Tischsets oder blanke Tafel? Ich habe natürlich mehrere eigene Geschirrkollektionen hier, aber auch geerbtes Porzellan, mit dem ich spielen kann wie mit meiner Garderobe. Ein Tisch kann sehr lässig aussehen oder sehr überraschend, aber er darf eines nie sein: Alles im gleichen Look! Man darf und muss brechen. Ich liebe es auch, wenn mir die Leute ihre geerbten Porzellane traditioneller Manufakturen mitbringen und wir sie mit neuen Tellern und Tassen von mir zusammenstellen. Wir geben ihnen ein neues Leben, mischen die Dekore. Es ist doch schön, sein familiäres Erbe zu bewahren. Bloß nicht wegwerfen!

          Sind Sie immer so lässig, auch wenn viele Gäste kommen?

          Gerade habe ich hier in meinem Appartement ein Essen für eine große französische Luxusfirma gegeben, da habe ich wie immer morgens geschaut, was der Blumenhändler hatte, und dann den Tisch intuitiv gedeckt. Und neulich war ich bei einer Londoner Designerin zu einer Präsentation und habe ad hoc einen Tisch gedeckt mit dem, was ich vor Ort gerade gefunden habe: nur ein paar gelbe Osterglocken und etwas Lorbeer. Ich mag es gar nicht, alles vorher steif zu planen. Ob man einen großen, (aber nicht zu großen!) Strauß als Zentrum des Tisches wählt, viele kleine Blumen in Becherchen stellt oder nur Blätter oder Zweige nimmt, das hängt von der Tageslaune ab. Tische müssen leben! Und das Leben spüren die Gäste!

          „Ultraklassisch ist auch ultralangweilig“, so Porzellandesignerin Daâge.

          Wie viele Teller braucht der Mensch?

          Früher haben sich Paare bei der Hochzeit ein großes Service mit 24 Teilen von jedem Teller, jeder Suppenschale, Tasse und so weiter angeschafft, und die hatten sie bis zum Tod. Ultraklassisch und ultralangweilig. Nach zwanzig Einladungen konnte man es doch nicht mehr sehen, oder? Deswegen haben sich die Leute dann lustige bunte Keramik in Supermärkten oder bei Ikea gekauft, um sich mit dem Tisch zu amüsieren. Das große Porzellan blieb im Schrank und verstaubte.

          Und was empfehlen Sie?

          Man sollte wenige Stücke für acht oder zwölf Personen kaufen. Wenn Sie wollen, können Sie drei oder vier Dekore und Farben miteinander kombinieren, es sieht toll und immer anders aus: Streifen, Blumen, Tiere, Federn. Am wichtigsten sind große Teller als Basis, man braucht nicht mehr unbedingt doppelt so viele kleine Teller wie große, da es sich einbürgert, die Vorspeise als üppiges Fingerfood zum Aperitif zu nehmen. Sie können auch einen Becher als Trinkgefäß oder kleine Vase verwenden, ein Schälchen als Salzgefäß, Brotkorb, Sushiteller oder Messerbank decken. Lieber wenig, dafür gut. Über die Jahre sammeln. Sie können nicht jeden Tag Ihr Esszimmer umdekorieren, aber den Tisch schon.

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