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Hausbau : Am Keller sparen kann teuer werden

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Isabelle Thielen hat unterdessen die disziplinierende Wirkung ihrer gewollten Kellerlosigkeit schätzen gelernt: Man überlege sich jetzt noch häufiger, ob man etwas aufhebe, berichtet sie. Dass sie mit einem ebenerdigen Hauswirtschaftsraum auskommen muss, sei kein Problem. Im Gegenteil: „Ich muss jetzt nicht immer die Treppe hinunterlaufen, sondern habe alles auf einer Ebene.“ Ihre Entscheidung haben sie nie bereut, versichert das Ehepaar Thielen.

Ersatz für das fehlende Untergeschoss

Die meisten Kellerlosen schaffen sich ebenerdige Ersatz- und Ausweichflächen, die entweder an das Haus anschließen oder aber frei stehend auf dem Grundstück errichtet werden. Wer auf ein Untergeschoss verzichtet, sollte die Kosten für diese An- und Zusatzbauten gegen die Ersparnisse aufgrund eines Kellerverzichts rechnen, rät Architekt Theodor Wolber. Nur dann erhalte man ein realistisches Bild, ob die Entscheidung unterm Strich tatsächlich günstiger ausfalle.

Bei dieser Berechnung sollte auch der Preis für eventuell zusätzlich notwendiges Bauland nicht fehlen, mahnen UG-Befürworter wie der Pressesprecher des Bundesverbands Deutscher Fertigbau e.V., Christoph Windschleif. Gerade in Ballungsgebieten und Großstädten setzten die Baulandpreise gewisse Grenzen. Wolbers rät: „Wer das Geld hat, sollte in jedem Fall nicht am Keller sparen.“

Vielen Menschen gelten Keller indes noch immer als Flächen zweiter Klasse, und gerade in Altbauten ist das Potential der Nutzungsmöglichkeiten arg eingeschränkt. Dunkle, muffige und nicht selten feuchte Keller taugen meist nur als kühle Lagerräume. Oft fehlt es an einer halbwegs zeitgemäßen Wärmedämmung, von Fenstern oder Lichtschächten ganz zu schweigen.

Manche zieht es in die Tiefe

Doch es gibt auch immer mehr Eigenheimbesitzer, die es aus den unterschiedlichsten Gründen nach unten zieht und die das bei ihren Planungen für einen Neubau oder Umbau berücksichtigen. Kellerräume können als private Fitnessbude ebenso dienen wie als Arbeitsplatz, Hausarbeitsraum oder Privatsauna. Dies belegen auch die Ergebnisse einer jüngeren Umfrage der Heinze-Marktforschung: Das Unternehmen befragte bundesweit private Bauherren, zu welchem Zweck sie ihren Keller ausgebaut haben.

Auch wenn 34 Prozent der Befragten angaben, einen Hobbyraum eingerichtet zu haben - was vom Standort für die Spielzeugeisenbahn bis zur Heimwerkerstatt so ziemlich alles bedeuten kann - scheint das Untergeschoss immer stärker auch als Arbeitsplatz gefragt: 22 Prozent der Modernisierer bauten ihren Keller eigens zu diesem Zweck um, meist findet sich dort nun ein Büro. 1981 gaben bei einer vergleichbaren Untersuchung gerade mal 10 Prozent an, auf der Suche nach einem potentiellen Arbeitsplatz den Keller ausgebaut zu haben.

Der Partyraum ist aus der Mode

Stark ab nimmt offenbar die Nutzung unter Tage für Partyzwecke, derweil immer mehr Eigenheimbesitzer zum Wohnen in den Keller gehen: Immerhin 17 Prozent der Befragten gaben im Rahmen der Heinze-Untersuchung an, der Kellerausbau habe der Schaffung von zusätzlichem Wohnraum gedient. Wichtig: Wer im Keller Wohn- oder Arbeitsplätze einrichten will, muss die Bestimmungen der jeweiligen Bauordnung befolgen. Denn auch im Keller ist nicht alles erlaubt, was gefällt.

Familien wie die Thielens müssen sich über solche und andere Nutzungsmöglichkeiten keine Gedanken mehr machen. Nachträglich einbauen geht nicht, gibt auch Christian Kaiser von Heinze-Marktforschung zu bedenken, wer sich bei einem Neubau gegen einen Keller entschieden hat, kann diese Entscheidung naturgemäß nicht mehr rückgängig machen. Doch der Ausbau eines vorhandenen Untergeschosses ist jederzeit möglich, und hier könnte eine Kompromisslösung für klamme Bauherren liegen: Keller ja, aber zunächst nur in der Rohfassung. So verbaut man sich keinerlei Optionen für die Zukunft.

Überhaupt sollten Bauherren in puncto Keller langfristig denken. So auch an die Zeit danach, wenn das Eigenheim vielleicht nicht mehr benötigt wird oder wegen der Trennung seiner Besitzer veräußert werden muss. Kellerlose haben es auf dem Markt deutlich schwerer, berichten Makler übereinstimmend. Denn wie Dirk Thielen noch vor einigen Jahren denkt bis heute die ganz überwiegende Mehrzahl der Kaufinteressenten: Ein Haus ohne Keller ist kein Haus.

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