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Galeristenwohnung in Berlin : Jetzt wird’s bunt

Schwieriges Blau: Doch Bücherwand, Kamin, Ohrensessel und der Dauergast aus Bronze nehmen dem Ton die Kühle Bild: Wolfgang Stahr

Monochromie ist zwar stilsicher, aber auch langweilig: Wenn der Innenarchitekt Gisbert Pöppler zur Farbe greift, dann richtig. Wie in der Wohnung, die er für den Galeristen Alfred Kornfeld in Berlin gestaltet hat.

          Wer hat Angst vor starken Farben? Alfred „Freddy“ Kornfeld nicht. Oder vielmehr nicht mehr. Der 46 Jahre alte Geschäftsmann besitzt in Berlin-Charlottenburg direkt über der „Galerie Kornfeld“ eine Wohnung, die er der vielen Türen wegen gerne mit einem Adventskalender vergleicht. Und seit der Interior Designer Gisbert Pöppler sie saniert hat, wartet hinter jeder der strahlend weißen Altbautüren eine ganz eigene, sehr, sehr bunte Welt.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer sie betritt erfährt dreierlei: Erstens, dass Monochromie zwar stilsicher, aber auch langweilig wirkt. Zweitens, wer bei der Farbwahl halbherzig agiert schon verloren hat. Drittens, es eine Kunst für sich ist, wenn Farben, die gemeinhin als unversöhnlich gelten, die schönste Harmonie erzeugen.

          Erstaunlich, wie sich die Kunstwerke behaupten

          Im Wohnzimmer zum Beispiel trifft das satte Blau des Teppichs auf ein dunkelrotes Sofa. Man muss schon sehr genau hinsehen, um Nuancen dieser Töne in den Bezügen der Zierkissen oder in der Farbe der Wolldecke wiederzufinden. Ferner gehören ein schwarzer Couchtisch und ein weißer Flokatisessel zum Ensemble. Was am Ende Ruhe in den Raum bringt, ist das Bild von Anselm Kiefer vor einer dezent getönten Wand.

          Das Arbeitszimmer: verspielt statt streng Bilderstrecke
          Das Arbeitszimmer: verspielt statt streng :

          So geht es in der ganzen Wohnung weiter. In der Küche leuchtet an den Wänden über der schwarzen Holzvertäfelung und dem verspielten Regal der Künstlerin Tamara Kvesitadze ein krachendes Orange. Auch im Arbeitszimmer taucht Orange auf, dort strahlt es mit dem kräftigen Gelb des Sideboards und dem frischen Grün der Wände um die Wette. Im großen Flur, der zugleich als Kaminzimmer genutzt wird, bildet ein mattes, helles Blau den Hintergrund. Blau, sagt Pöppler, ist in Wohnräumen eine schwierige Farbe, der man die Kühle nehmen muss. Das gelingt nicht zuletzt durch den Kamin, die beiden fuchsiaroten Ohrensessel und die Bücherwand. Vor dieser sitzt „Der Fremde“, eine Bronzefigur von Stella Hamberg, - und erweckt den Eindruck, ganz bei sich zu sein.

          Es ist überhaupt erstaunlich, wie sich die Kunstwerke in dieser Umgebung behaupten, die so gar nichts mit einem „white cube“ gemein hat, wie ihn die im Souterrain gelegene Galerie repräsentiert. Wäre Gisbert Pöppler nicht so hartnäckig gewesen, wäre es nie zu einem solchen Farbrausch gekommen. Denn weder Freddy Kornfeld, noch die beiden Galeriemitbegründer Anne Langmann und Mamuka Bliadze konnten sich zunächst für die Vorschläge erwärmen. „Gut zehn Mal ist Gisbert mit seinen Musterkoffern gekommen, immer haben wir abgelehnt - bis ich gesagt habe, wir wagen es“, erzählt Kornfeld.

          Klassisch weiße Wände kamen nicht in Frage

          Er kennt Pöppler schon von einem früheren Projekt. Der 43 Jahre alte Berliner ist nicht nur Architekt und Interior Designer, der Wohnungen umkrempelt und Möblierungskonzept entwirft. Für seine gutbetuchten Auftraggeber ist er auch Scout, der ebenso nach den passenden Häusern, Lofts und Wohnungen sucht, wie er bei Händlern und Manufakturen in Paris, New York oder sonst wo in der Welt die passenden Lampen, Sofas, Teppiche aufspürt. Für Kornfeld, der selbst an der Möblierung maßgeblich mitwirkte, ist er in die Toskana gereist, um cremefarbenen Marmor zu kaufen. Nicht weißen, der sieht schnell dreckig aus. „Und um Himmels willen bloß keinen mit Gelbstich.“

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