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Käufliches Flugzeugbesteck : Heiße Ware

  • -Aktualisiert am

Für jeden Tag: Die Serie „Everyday“ ist absolut reduziert, „Sunday“ klassischer. Bild: Hersteller

Wer zu Hause mit Flugzeugbesteck essen will, muss es nun nicht mehr klauen. Die dänische Marke Hay bringt Flugzeugbesteck heraus – das noch nie in der Luft war.

          Es gibt Dinge, über die Fluglinien nur äußerst ungern reden: Dazu gehören die am wenigsten profitablen Strecken, der Algorithmus zur Kalkulation der Ticketpreise – und die Liste der Dinge, die Passagiere am liebsten an Bord mitgehen lassen. Die meisten Airlines machen ein großes Geheimnis daraus, vielleicht um nicht noch mehr Passagiere auf dumme Ideen zu bringen, bei manchen weiß man es trotzdem: Bei Cathay Pacific sind es die Salz- und Pfefferstreuer (sie wurden mittlerweile durch Plastikmodelle ersetzt), bei Etihad die Kuscheldecken und bei Finnair die Marimekko-Tassen.

          Es ist ein offenes Geheimnis, dass in jedem Jahr auch millionenfach Löffel, Gabeln und Messer an Bord geklaut werden. Bekannt ist etwa, dass bei Air France damals so viel Besteck in der Concorde gestohlen wurde, dass die Fluglinie es bald darauf zum Verkauf anbot. Und als British Airways im November 1998 neues Besteck einführte, mit blauen Griffen und einer markanten Schleife, wurden jeden Monat 6000 Bestecksets gestohlen. Besonders häufig übrigens auf Flügen nach Sydney, Kuala Lumpur, Hongkong und Florida.

          Flugzeugbesteck für zu Hause

          Das Silberbesteck ist mittlerweile überall verschwunden, Edelstahl gibt es meist noch in Business- und First Class. Die Fluglinien sind im Zwiespalt, weil man einerseits festgestellt hat, dass Essen mit Plastikbesteck als geschmacklich schlechter wahrgenommen wird, auf der anderen Seite klauen die Passagiere wie die Raben – waren ja schließlich oft Designer am Werk: Wolf Karnagel für Lufthansa, Raimond Loewy für Air France und aktuell Marcel Wanders für KLM sowie Ronan und Erwan Bouroullec für Delta.

          Jetzt hat auch die trendige dänische Marke Hay Flugzeugbesteck herausgebracht – das allerdings noch nie in der Luft war. Entworfen wurden die Messer, Gabeln und Löffel aber von Luftfahrtexperten: vom Designstudio Big-Game, das 2004 von Grégoire Jeanmonod, Elric Petit und Augustin Scott de Martinville gegründet wurde. Seit einiger Zeit haben sich die Schweizer auf Flugzubehör spezialisiert, unter anderem eine Bento-Box für Swiss und ein Amenity Kit für Jet Blue gestaltet, außerdem Bordkarten, Decken und Geschirr.

          „Eine Airline ist auch immer Botschafter eines Landes“

          „Mette und Rolf Hay fragten uns: Was macht ihr gerade, woran arbeitet ihr?“, erzählen die Designer, die grundsätzlich nur im Kollektiv Interviews geben. Das Ehepaar Hay hatte sich besonders in ihre Designstudien für Flugzeugbesteck verguckt. „Könnt ihr das auch für zu Hause machen?“, fragten die Dänen. Sie waren schon länger auf der Suche nach Besteck, das ihre Kollektion ergänzen könnte – äußerst reduziert sollte es sein und sich flexibel in die meisten Wohnsituationen einfügen können. Also entwarfen Big-Game zwei Serien: „Everyday“ und „Sunday“. Erstere besteht aus essentiellen, fast schon einfachen Modellen aus gestanzten Edelstahlblechen. „Sunday“ ist etwas elaborierter, klassischer. „Die Serien sind funktional und verspielt, sie machen das Leben angenehmer“, charakterisieren die Designer ihre Entwürfe.

          Doch was muss man beim Besteckdesign überhaupt beachten? „Besteck ist Werkzeug für den Alltag, und im Flugzeug muss man mit dem leben, was man bekommt. Es muss auf dem Tisch gut aussehen, in der Hand gut liegen und sich auch im Mund gut anfühlen. Diese Kombination macht das Entwerfen von Besteck besonders reizvoll.“ Fürs Flugzeug eignet sich die Hay-Reihe, auch wenn sie platzsparend und stapelbar ist, indes nicht ganz, dort herrschen größere Einschränkungen: „Besteck für Fluglinien ist in der Regel noch kleiner, auch die Messer sind ein Witz.“ Die Klinge dürfe nicht nur aus Sicherheitsgründen nicht zu groß sein, in manchen Ländern würden große Klingen zudem als aggressiv wahrgenommen. „Und eine Airline ist ja auch immer Botschafter eines Landes.“

          Gerade deshalb sei schönes Flugzeugbesteck ein gutes Souvenir, sagen die Designer beim Versuch, die Leidenschaft der Passagiere für Flugzeugbesteck zu erklären. „Natürlich ist es schlecht fürs Geschäft, aber es heißt auch: Der Kunde mag die Airline. Und die Verantwortlichen müssen sich fragen: Ist das nicht eigentlich ein gutes Zeichen?“

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