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Max Liebermann : Ein Bild von einem Garten

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Der Maler Max Liebermann hat sich am Wannsee seinen Traumgarten geschaffen. Mehr als 100 Jahre später zieht das Anwesen Tausende an.

          Giverny ist der berühmteste Maler-Garten in Frankreich, jährlich strömen Zehntausende Besucher in dieses Paradies, fast originalgetreu erhalten wie zu Claude Monets Zeiten. Was Monets Giverny für Frankreich bedeutet, ist der Garten des Malers Max Lieberman in Berlin. Eine idyllische Oase direkt am Wannsee, ein beeindruckender Dreiklang von Kunst, Architektur und Garten. Dass dies heute wieder so prachtvoll wie vor Jahrzehnten erfahren werden kann, ist ein mittelgroßes Wunder. Eine Geschichte voller Glück, Tragik, Absurditäten – und letztlich mit Happy End.

          Sie beginnt im Jahr 1909, da ersteht der 62 Jahre alte renommierte Künstler Max Lieberman das Grundstück am Wannsee, letztes Filetstück mit direktem Seezugang, in der vornehmen Colonie Alsen. Dort ließ der Berliner Bankier Wilhelm Conrad von 1863 an auf einem großen Areal außerhalb der Stadt Sommerhäuser für wohlhabende Großstädter errichten. Die Planung der exklusiven Siedlung stammte von Gustav Meyer, der Schüler des Gartenkünstlers Peter Joseph Lenné gestaltete eine großzügige transparente Parklandschaft. Wannsee gehörte damals noch nicht zu Berlin, war „jottwede“, aber mit guter Luft, frischem Grün und Wasser begehrte Wohnlage für die begüterte Oberschicht. Schnell siedelte sich ein illustrer Kreis des Berliner Großbürgertums aus Industrie, Kultur, Wissenschaft und Politik an.

          Gestaltet nach konkreten Anweisungen und Skizzen

          Liebermann beauftragt für seinen sommerlichen Rückzugsort den Architekten Paul Baumgarten. Der setzt ein elegantes Haus mit hohem Dach mittig in das lange schmale Grundstück von 7000 Quadratmetern. Ihm gelingt eine perfekte Melange aus zwei klassizistischen hanseatischen Vorbildern: Die Fassade zur westlichen Straßenseite mit zwei Ionischen Säulen ähnelt dem Haus de Godeffroy, die zur Wasserseite dem Haus Wesselhoeft, beide in Hamburg. Von dort holt sich Lieberman auch Rat von seinem Freund Alfred Lichtwark, Direktor der Hamburger Kunsthalle. In Sachen Garten eigentlich ein Dilettant, „aber einer von Gottes Gnaden“, sagt heute beim Rundgang durch den Garten Wolfgang Immenhausen, der an der Wiedererweckung der Liebermann-Villa maßgeblich beteiligt war. Lichtwark habe wissenschaftlich fundiert und mit großer Leidenschaft gearbeitet: „Für ihn bedeutete Gartenkunst vor allem Raumkunst.“Schon 1885 kritisierte er in „Moderne Gartenkunst“: „Bis in jüngste Zeit wurde ausnahmslos der englische oder landschaftliche Garten als Ideal jeglicher Anlage angesehen, mochte es sich um Park oder elenden, von Häusern umschlossenen Hof handeln“, für ihn ein längst überkommener Stil.

          Max Liebermann
          Max Liebermann : Bild: © MLG

          Naheliegend, dass Lichtwark gemeinsam mit Lieberman dessen Traum von einem Garten entwirft, „mein Garten lechzt nach Ihnen“, schrieb der Maler im regen Briefwechsel zwischen Berlin und Hamburg. Lichtwark schickt konkrete Anweisungen und Skizzen – bis zu den Höhen der Treppenstufen – und empfiehlt: „Alle Formen müssen so geschlossen wie möglich bleiben.“ Es entsteht ein Ensemble aus mehreren formalen Gartenräumen. Vor allem aber: ein Garten als Malvorlage. Die Schauseite ist auf das Wasser gerichtet, ein spektakulärer Blick. Direkt an der Gartenfassade entlang erstreckt sich eine schmale Terrasse, darunter die Blumenterrasse. Formale, mit Buchsbaum gefasste Beete, darin blühen „im Frühling gelbe und blaue Stiefmütterchen, im Sommer knallrote Geranien – natürlich wegen der Farbe!“, erklärt Immenhausen. Schmucklilien (Agapanthus) in dekorativen Kübeln entlang der Terrasse waren schon damals beliebt. Die Birken, die so dekorativ vom Haus aus rechter Hand den Wegrand mit ihren flirrenden Silhouetten säumen, stehen schon da, als der Maler das Anwesen erwirbt. Ein Glück, sie bleiben, dürfen kreuz und quer über den schmalen Weg, der zum Wasser hin angelegt wird, auf den Rasen hüpfen. Leuchten weithin mit ihrer markanten weißen Rinde. So entsteht der berühmte Birkenhain mit dem impressionistischem Touch, eine grüne Ikone, die den Lieberman-Garten prägt – und die der Maler in vielen Gemälden verewigt.

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