Hecken schaffen Privatsphäre: Schnittige Reihe
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Hecken im Garten : Schnittige Reihe

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Für Gartendesigner sind Hecken ein unverzichtbares Element. Bild: dpa

Hecken bieten Schutz: vor Wind, größeren Tieren, und vor Blicken - Sie schaffen Privatsphäre. Im Winter geben sie dem Garten außerdem mehr Struktur.

          Unter der grünen Oberfläche liegt ein feines Gerüst aus Ästen und Zweigen. Tief im Inneren bauen Vögel ihre Nester. An den Spitzen treiben die Pflanzen immer wieder neu aus. Jeder Schnitt führt zu weiteren Verzweigungen. Je dichter, desto besser ist die Hecke. Denn dann bietet sie Schutz: vor Wind, größeren Tieren, und vor Blicken.

          Hecken trennen, grenzen Flächen voneinander ab, hegen ein. Sie schaffen Räume, bilden ein undurchdringliches Gestrüpp, laden manchmal sogar zum Versteckspiel ein. Wenn der Garten im Winter kahl wird, fallen sie besonders auf. Denn im Gegensatz zu Blumen und Stauden bleibt ihre Struktur das ganze Jahr über bestehen. Ob immergrüne Eibe, braun gewordene Buche oder kahle Hainbuche: jede hat einen eigenen Charakter und trägt auf ihre Weise zum winterlichen Bild bei.

          Beinahe eine lebendige Mauer

          Regelmäßig ordentlich gestutzt, wird eine Hecke massiv, beinahe zu einer lebendigen Mauer. Aber sie kann auch anders: wild aussehen, regelrecht ungestüm, mit hohen Bäumen und Ranken, die sich in der Kleidung verfangen, wenn man ihr zu nahe kommt. Solche Hecken prägen den ländlichen Raum seit Jahrhunderten. Zwischen den Feldern wachsen sie ausladend, sind mehrere Meter breit. Gehölze wie Hasel, Schleh- und Weißdorn werden groß, auch Holunder und Traubenkirschen können einen Platz in der Hecke finden. Brombeeren weben ihre langen Triebe durch die Sträucher, und wo Dornen sind, fühlen sich Vögel und Mäuse sicher. Das macht die Hecke in Zeiten, in denen die Sorge um Natur und Umwelt groß ist, so wertvoll. Sie bietet Tieren Lebensraum und Nahrung. Aber sie ist auch das kulturelle Erbe einer Region. Die Knicks oder auch Wallhecken Norddeutschlands bestehen seit dem Mittelalter, die Pflege – durch das Umknicken von Ästen und jungen Bäumen – ist eine Kunst für sich. In der Eifel dienen die Hecken dem Windschutz, in der Region um Monschau sind sie so hoch wie die Häuser.

          Auch Gärten haben Hecken zunächst nur geschützt. Vieh und Wildtiere wurden durch den schmalen Gehölzstreifen ausgegrenzt. Im Althochdeutschen bedeutet „hegga“ hegen und umzäunen, auch der Begriff Hag ist damit verwandt. In der Renaissance, vor allem aber in der Barockzeit wurden in Form geschnittene Gehölze dann zum wichtigen gestalterischen Element der Ziergärten. Bei symmetrischen Anlagen spielten Hecken, ob niedrig oder hoch, eine entscheidende Rolle. Streifen aus Buchs rahmten die bunten Pflanzflächen im Broderie-Parterre ein oder wurden zu kunstvollen Knoten gestutzt. Höhere Gehölze bildeten im Boskett, dem Übergangsbereich vom Parterre zum Wald, regelrechte Gartenräume. Heckengänge sind im Schwetzinger Schlossgarten erhalten. Eine beliebte Spielart waren Irrgärten aus undurchdringlichen Strauchreihen, etwa im Park von Schloss Schönbrunn in Wien oder in Hampton Court bei London.

          Die Beeren der Berberitze bringen Farbe in die dunkle Jahreszeit. Bilderstrecke

          Alte Hecken können beeindruckend sein wie betagte Bäume. In den Botanischen Gärten von Edinburgh gibt es eine imposante, acht Meter hohe und 165 Meter lange Buchenhecke, die im Sommer wie eine Festung wirkt. In Rousham in der Nähe von Oxford, einem im 18. Jahrhundert von William Kent gestalteten Park, sind uralte, mehrere Meter dicke Anlagen aus Eiben und Buchs zu finden, die einen ganz eigenen Kosmos bilden. An den Durchgängen lässt sich die Hecke von innen erleben, die alten knorrigen Stämme sind zu sehen und die Krone aus Zweigen, die so dicht sind, dass sie bei Regen Schutz geben.

          Eine besondere Vorliebe für Hecken aller Art haben die Belgier: kaum ein Grundstück ohne korrekt gestutzte Gehölzreihen. Und Jacques Wirtz, der belgische Gartendesigner, ist vor allem für seine organischen, wolkig-weichen Schnittformen bekannt. Als Gestaltungselement werden Hecken aber überall gerne genutzt: Der Brite Tom Stuart-Smith pflanzte sie in seinem Garten nördlich von London, um die umgebende Landschaft in Szene zu setzen. Der Italiener Luciano Giubbilei verwendet korrekt geschnittene Eiben als raumbildende Elemente – geschlossen oder in Form von Blöcken, schulterhoch oder als Hochspalier. Sie geben einen Rahmen und schaffen Atmosphäre.

          In Privatgärten hat die Strauchreihe meist eine Schutzfunktion, muss aber gleichzeitig ästhetischen Ansprüchen genügen. Ihre Aufgabe ist es, das Grundstück nach außen abzuschirmen – nur selten wie früher gegen Tiere, meist vor allem gegen neugierige Blicke. Die Hecke soll Privatsphäre schaffen.

          Wird sie neu angepflanzt, darf sie schnell wachsen, später wird das rasante Wachstum von Kirschlorbeer oder Liguster zur Herausforderung, denn diese Gehölze müssen häufiger geschnitten werden als zum Beispiel der langsame Buchsbaum. Längst gibt es auch fertige Hecken als Meterware zu kaufen, aus Eibe oder Hainbuche, und sogar Efeu wird mittels eines Unterbaus in die entsprechende Form gebracht.

          Doch selbst wenn sie pflegeleicht ist, macht eine Hecke Arbeit. Soll ihre menschengemachte Form erkennbar bleiben, ist mindestens ein Schnitt im Jahr notwendig. Für ihn braucht es ein wenig gärtnerisches Geschick – auch wenn es inzwischen Werkzeug gibt, von dem fleißige Barockgärtner nur träumen konnten: elektrische Heckentrimmer mit angeschlossenem Sauger, der das Schnittgut direkt in einen Beutel befördert.

          Anregungen gibt es viele in der Welt der Hecken. Erlaubt ist, was in den eigenen Garten passt – von der Größe und vom Standort her. Eiben und Rotbuchen vertragen Schatten, Hainbuchen Trockenheit. Wer ausscheren möchte aus dem üblichen Pflanz-Einerlei wählt Wildrosen, Apfelbeeren oder Feldahorn. Aus Platzgründen muss der Gehölzstreifen meist eher schmal bleiben. Denn für eine Vogelschutzhecke, in der die Zweige von Schlehen, Weißdorn und Holunder wild durcheinanderwachsen, braucht es mehr Raum, als ein typischer Garten bietet: ein richtiges Stück Landschaft.

          Heckenpflanzen im Porträt Liguster – der Bewährte

          Er wird als so selbstverständlich hingenommen, dass er kaum noch auffällt. Wäre er auf einmal nicht mehr da, würden jedoch sein sympathisches Grün und die langen weichen Triebe am dichten Gehölz fehlen, die cremefarbenen Blüten im Frühjahr und schwarzen Beeren im Herbst. Der Liguster ist zwar alltäglich, vielleicht sogar unspektakulär, aber auch eine wirklich gute Heckenpflanze. Er wächst schnell, kann einen Meter pro Jahr zulegen, muss also mehrmals geschnitten werden. Als Hecke geht er gerne in die Breite, hier heißt es gegenzuhalten. Eibe – die Robuste Darf sie frei wachsen, entfaltet sich die Eibe (Taxus) zu einem malerischen Baum. Häufiger sieht man das einheimische Gehölz aber in Form geschnitten, denn das verträgt es gut. Darüber hinaus ist sie immergrün. Gröbere Fehler verkraftet die Eibe gut: Sollte die Hecke mal zu klein geraten sein, wächst sich das Malheur schnell wieder aus. Etwa 30 Zentimeter Zuwachs pro Jahr sind drin. Wer exakte Formen möchte, muss fleißig stutzen. Dann gibt es allerdings nur wenige der leuchtend roten Beeren, die die Vögel so gerne mögen. Kirschlorbeer – der Allgegenwärtige So glatt, dass sie mitunter beinahe künstlich wirken, sind die Blätter des Kirschlorbeers. Eigentlich heißt die Pflanze Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus) und stammt aus Kleinasien. Auch wenn sie eine Modeerscheinung zu sein scheint: Schon im 16. Jahrhundert wurde sie im westlichen Europa eingeführt und in die Gärten gepflanzt. Beliebt ist der Kirschlorbeer, weil er auch im Winter sein Laub behält. Allerdings wächst er schnell, bis zu einem halben Meter im Jahr. Bei einer Hecke kann das von Nachteil sein, daher wird zu langsam wachsenden Sorten geraten. Buchs – der Klassische Bald wird er vermutlich Gartengeschichte sein. Denn Schädlinge und Krankheiten machen dem Buchsbaum (Buxus) zu schaffen. In vielen Gegenden helfen inzwischen nur regelmäßige Gaben von Chemie, ihn am Leben zu erhalten. Das ist schade, denn der Buchs ist eines der beliebtesten Gehölze für den Formschnitt und damit auch für Hecken. Er gehört in den Bauerngarten, wo er die Gemüsebeete einfasst, passt aber auch in die moderne Gestaltung. Beim Schnitt der langsam wachsenden Pflanze ist allerdings ein bisschen Geschick gefragt. Denn wird ein Zweig zu viel gekappt, klafft dort erst mal ein paar Jahre ein Loch. Buche – die Dichte Wenn kein Blick mehr hindurchdringen soll, ist eine Buchenhecke eine gute Wahl. Die Buche (Fagus) hat besonders dichtes Laub, das im Frühjahr zart grün austreibt, im Herbst braun wird, aber den Winter über hängen bleibt. Der Baum, aus dem ganze Wälder bestehen, lässt sich im Garten mit einem jährlichen Schnitt problemlos auf Wunschhöhe halten. Während die Rotbuche grüne Blätter hat, trägt die Blutbuche Laub in einem tiefen, fast schwarzen Purpurton. Eine solche Hecke verleiht dem Garten düsteren Charme. Berberitze – die Verkannte Waschbetonmäuerchen, hinter denen eine zurechtgestutzte stachelige Wehr wächst, um den Vorgarten zu schützen: Bilder wie diese haben dem Image der Berberitze (Berberis thunbergii) zugesetzt. Eigentlich handelt es sich um eine ansehnliche Pflanze, deren dichte Zweige etwa 30 Zentimeter im Jahr wachsen und locker fallen. Wird sie gelassen, blüht sie im Frühling. Im Herbst bekommt sie nicht nur rotes Laub, sondern auch leuchtend rote Beeren, die aber viel kleiner sind als die verzehrbaren Sorten. In einer Berberitzenhecke fühlen sich Vögel und andere kleine Tiere sicher. Thuja – die Missachtete Sie hat ein ähnliches Schicksal wie die Berberitze. Eine Thujahecke entspricht dem Klischee einer trostlosen Vorgartengestaltung, die obendrein oft vom strengen Ordnungssinn der Hausbesitzer zeugt: Häufig geschnitten, kann die mäßig schnell wachsende Thuja eine so dichte Oberfläche bekommen, dass sie fast wie eine Mauer wirkt. Ohne saubere Rasur ist sie aber eine sehr lebendige Pflanze mit Ausstrahlung. Die Triebe, die wie schuppenartige weiche Nadeln aussehen, haben beim genauen Hinsehen etwas Urzeitliches. Außerdem duften sie gut.

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