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Brexit-Hängepartie : Leerstand auf dem Londoner Immobilienmarkt

Im Finanzdistrikt in London wird gebaut - doch was wird aus der Branche, wenn der Brexit kommt. Bild: dpa

Lange sind Häuser in der britischen Hauptstadt immer teurer geworden. Nun sorgt die Unsicherheit über den EU-Austritt dafür, dass ältere Büros immer schwieriger zu vermieten sind.

          Die Ungewissheit über den bevorstehenden Brexit setzt dem Londoner Immobilienmarkt zu. Eine Studie der Unternehmensberatung Deloitte zeigt, dass zwar neue Büroimmobilien weiterhin gefragt sind, ältere Gebäude aber immer schwieriger zu vermieten sind. Die Leerstände bei solchen Bürokomplexen sind demnach in der britischen Hauptstadt bis Ende März auf 5,8 Prozent gestiegen, im Vergleich zu 3,8 Prozent ein Jahr zuvor.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Laut Deloitte ist dies der stärkste Anstieg der Leerstandsrate seit der Weltfinanzkrise Anfang 2009. Die Immobilienexperten des Beratungshauses führen dies auf die politische Unsicherheit vor dem Austritt Großbritanniens aus der EU zurück.

          Eine Reihe großer Mieter im Londoner Bankenviertel ziehen in neue Bürogebäude um. So will beispielsweise die Deutsche Bank ihre bislang verstreuten Büros in einer neuen zentralen Niederlassung in der City zusammenfassen. Die Schweizer Großbank UBS ist ebenfalls umgezogen. Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs baut eine neue Europazentrale im Bankenviertel, während das französische Geldhaus Société Générale in den kommenden Jahren neue Büroflächen im Finanzdistrikt Canary Wharf in Ostlondon beziehen will.

          Die Unsicherheit wächst

          Bisher ist unklar, wie stark der Brexit dem Status Londons als größtes europäisches Finanzzentrum langfristig zusetzen wird. Die City of London Corporation, das Sprachrohr der Geldbranche an der Themse, rechnet bisher nur mit einer Abwanderung von wenigen Tausend Arbeitsplätzen. Insgesamt arbeiten derzeit rund 750.000 Beschäftigte in der Londoner Finanzbranche. Andere europäische Finanzzentren wie Frankfurt, Paris und Dublin hoffen auf neue Arbeitsplätze durch den Brexit.

          Die Brexit-Ungewissheit macht auch den Investoren im Londoner Wohnungsmarkt zu schaffen. Die Immobiliengesellschaft Grosvenor Group, die zu den größten Eigentümern von Gebäuden in Luxusvierteln wie Belgravia und Mayfair zählt, spricht von einer „stark spürbaren Abkühlung“ im Markt seit dem Brexit-Referendum im Sommer 2016.

          In den vergangenen Jahren sind die Wohnungspreise in der britischen Hauptstadt dagegen rasant gestiegen.  Die Grosvenor Group verwaltet den milliardenschweren Immobilienbesitz des Herzogs von Westminister, der zu den reichsten Briten zählt.

          Die Regierung in London müsse beim EU-Austritt rasch für Klarheit über die künftigen Rahmenbedingungen sorgen, weil eine lange Hängepartie wirtschaftlich schädlich sei, forderte Mark Preston, der Geschäftsführer der Grosvenor Group. 2016 sei die von der Gruppe erzielte Rendite auf britische Immobilien auf 0,3 Prozent zusammengeschmolzen, während in den sechs Jahren davor zweistellige Renditen erzielt worden seien.

          Großbritannien wird die EU voraussichtlich im Frühjahr 2019 verlassen. Die britische Premierministerin Theresa May hat die zweijährige Frist für die Austrittsverhandlungen mit Brüssel im März in Gang gesetzt. Die Regierung in London will beim Brexit auch den EU-Binnenmarkt verlassen, wodurch der Wirtschaft schadende Handelshürden drohen. May will stattdessen ein umfassendes Freihandelsabkommen mit der EU vereinbaren.

          Die meisten Fachleute halten allerdings für unrealistisch, dass dies, wie von London angestrebt, bis 2019 gelingen kann. Ökonomen und Wirtschaftsvertreter dringen deshalb seit langem darauf, eine Übergangsregelung für die Zeit nach 2019 zu vereinbaren. Sie wollen verhindern, dass der Brexit im Chaos endet.

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