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Ob Fassade oder Interieur : Warum wird so wenig mit Holz gebaut?

Vorzeigeprojekt Strandparken: Das achtgeschossige Mehrfamilienhaus aus Massivholz ist nicht nur in Schweden eine Ausnahme. Bild: Petra Bindel

An spektakulären Holzhäusern fehlt es nicht. Trotzdem bleibt das Material beim Bauen die Ausnahme. Dabei funktioniert es doch ganz wunderbar.

          Eigentlich könnte es sofort losgehen, trotzdem muss Arne Olsson warten. Dabei hat der Mann an der Spitze des schwedischen Bauunternehmens Folkhem Wood nicht nur ein ausgereiftes Konzept parat, sondern auch ein echtes Vorzeigeprojekt. Das steht in gleich zweifacher Ausführung vor den Toren Stockholms in Sundbyberg, ist jeweils acht Geschosse hoch, innen wie außen ganz aus Holz und damit bisher einzigartig. Nur die Bodenplatte ist aus Beton. Balkone, Wände und Treppen – der ganze übrige Bau mit seinen je 31 Wohnungen besteht aus Massivholzmodulen, vorgefertigt und auf der Baustelle zusammengesetzt. Vom First bis zum Boden verkleiden zudem 5 Millimeter feine Schindeln aus kanadischer Zeder die Fassade von Strandparken, wie das Vollholzhausensemble heißt. So etwas wie Strandparken will Folkhem so schnell wie möglich und in weit größerem Stil bauen. Am besten 6000 Wohneinheiten für Stockholm. Einen entsprechenden Entwurf hat das Unternehmen dem Stadtrat präsentiert – alle Vorteile dieser Bauweise inklusive: gleiche Baukosten wie Beton, schnelle Bauzeit und vor allem eine hervorragende Umweltbilanz der Gebäude, nicht nur im laufenden Betrieb, sondern auch in der Herstellung.

          „Riechen Sie den Holzduft?“

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Vorzüge preist Folkhem regelmäßig vor den Besucherscharen aus dem In- und Ausland, die seit 2014 raus nach Sundbyberg pilgern, um sich dort ein Bild von den Holzhäusern zu machen. An diesem Februarabend hat Olsson, der seit 2016 mit seiner Frau selbst im neueren der beiden Bauten am Sickla Kanal wohnt, eine internationale Journalistengruppe zu Gast. Man sitzt in einem kleinen Tagungsraum im Erdgeschoss, während Marketingchefin Sandra Frank angesichts des Klimawandels die Notwendigkeit, in Holz zu bauen, leidenschaftlich beschwört und jeden Zweifel mit Zahlen, Diagrammen und Schaubildern niederringt. Sogar zur Schnüffelprobe ruft sie auf: „Riechen Sie den Holzduft? Was das mit den Menschen macht, die das täglich einatmen dürfen?“ Die Frage ist selbstverständlich rein rhetorisch.

          Kein anderer Baustoff kann sich, was die Kohlenstoffdioxidbilanz angeht, mit dem natürlichen Material messen. Holz ist der einzige Werkstoff, bei dem kein CO2 ausgestoßen, sondern gespeichert wird. Und das Beste, der nachwachsende Rohstoff geht bei kluger Forstwirtschaft nicht aus. In Schweden etwa müssen für jeden gefällten Baum drei bis vier neue gepflanzt werden. „Wir haben heute doppelt so viel Wald wie vor hundert Jahren“, sagt Arne Olsson. Die 1000 Kubikmeter Holz, die in jedem Strandparken-Haus verbaut worden sind, „produziert der schwedische Wald in nur einer Minute.“

          Alles also wunderbar. Eigentlich. Allein die Gelegenheit, den Wohnungsbau im Geschoss mit Holz nennenswert voranzutreiben, hat sich bisher noch nicht geboten. Denn die Stadt Stockholm, die das Bauland vergibt, zieht bei der Mission hölzernes Volksheim (Folkhem) nicht richtig mit. Zwar ist der Ehrgeiz der Schweden seit jeher groß, auf allen möglichen gesellschaftlichen Feldern vorbildlich zu sein. Staatlich gefördertes Bauen, das „Folkhem“ zu schaffen, hat im Land eine lange sozialdemokratische Tradition. Auch im heute omnipräsenten Begriff der „demokratischen Architektur“ wirkt sie nach. Dass die ihren Beitrag auch zu den Klimaschutzzielen leistet, gilt als selbstverständlich.

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