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Schiefer im Trend : Uralt und ganz schön vielseitig

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Früher kam der dunkle, wasserfeste Stein nur auf Dächern zum Einsatz. Heute kleidet er auch Innenräume. Bild: Peter Thomas

Ein Schieferdach gilt als Investition für Generationen. Neben der klassischen altdeutschen Deckung wird der Stein immer häufiger in moderner Form verwendet, gerade auch in privaten Häusern.

          Dunkel glänzend schmiegt sich die Schieferdeckung um den Dachreiter, der hoch über den Dächern des Rüsselsheimer Stadtteils Bauschheim auf dem First der evangelischen Kirche thront. Wie die Schuppenhaut eines Reptils, so folgen die Reihen der dunkelgrau schimmernden Platten aus Moselschiefer den Wölbungen der Holzkonstruktion. Seit mehr als 300 Jahren steht die Kirche. Teile der Schieferdeckung jedoch sind erst wenige Stunden alt, denn in diesem Sommer wird das Dach neu gedeckt.

          Eigentlich hält eine traditionelle Schieferdeckung mehrere Generationen lang. Doch bei der Sanierung von Kriegsschäden in den fünfziger Jahren wurden oft Abstriche bei der Materialqualität gemacht. Die Folgen sind heute auch am Dach der Bauschheimer Kirche zu sehen, dessen Gebälk noch aus dem Jahr 1712 stammt: durchrostete Nägel, herabstürzende Schiefersteine, Schäden durch Pyriteinschlüsse in den Schiefern. Die Kosten für die denkmalgerechte Sanierung von 455 Quadratmeter Dachfläche betragen rund eine halbe Million Euro, sagt Pfarrerin Ellen Schneider-Oelkers. Davon muss die Gemeinde ein Fünftel aufbringen. Aber das Engagement ist groß, das Thema Schieferdach begeistert die Menschen.

          Vorerfahrung durch Mainzer Dom

          „Kein Stein gleicht dabei dem anderen“, erläutert Architekt Hermann Alt ganz oben auf dem Gerüst das Prinzip der sogenannten altdeutschen Deckung. Dabei wechseln sich Decksteine verschiedener Formate ab, außerdem gibt es je nach Lage der Steine auf dem Dach unterschiedlich große Überdeckungen. Im Traufbereich beispielsweise, wo das meiste Regenwasser anfällt, überlappen sich die Steine um mehr als ein Drittel. Der Architekt aus dem Rheingau arbeitet viel und intensiv mit Schiefer. Schließlich sind denkmalgerechte Sanierungen von Kirchengebäuden – vor allem in der evangelischen Kirche von Hessen und Nassau sowie im katholischen Bistum Limburg – einer seiner Schwerpunkte.

          Der Schiefer wird für das Kirchendach zurecht geschnitten.

          So individuell wie die Oberfläche des natürlichen Baumaterials ist der Gesamteindruck der frisch gedeckten Dachfläche. Diese organische Anmutung entsteht vor allem durch die individuelle Zurichtung der einzelnen Steine: Gespalten und auf Format geschnitten, kommen die Schiefer auf die Baustelle und werden mit dem Aufzug hoch aufs Dach gebracht. Dann ist die Kunst der Handwerker gefragt. Mit schnellen, gezielten Schlägen des Schieferhammers rundet Dachdecker Wolfgang Punstein einen Stein ab. Die knapp sechs Millimeter dicke Platte liegt dazu auf einer eisernen Schieferhaubrücke auf. Zusammen sorgen die beiden Werkzeuge für einen Schereffekt, der den Stein sauber durchtrennt. Nun noch mit der Spitze des Hammers drei Löcher schlagen, dann kann die Platte auf dem Dach verlegt werden. Der Betrieb aus Oberwesel hat Erfahrung mit dem Material und schon am Mainzer Dom sowie an der mitten im Rhein liegenden Burg Pfalzgrafenstein Schieferdeckungen ausgeführt.

          Vielseitiges Material

          Schiefer ist ein Werkstoff mit langer Geschichte – und das in doppelter Hinsicht. Zum einen werden die Steine schon seit langer Zeit zum Schutz von Dachflächen und Fassen vor dem Einfluss der Witterung genutzt. Zum anderen reicht Entstehung des natürlichen Baumaterials mehrere hundert Millionen Jahre in die Erdgeschichte zurück. Damals lagerten sich schichtweise Ton, Sand und anderes Material auf dem Meeresboden ab. Diese Struktur der Sedimente sorgt bis heute dafür, dass sich Schiefer so gut spalten lässt. Das ist die Grundlage auch für seine industrielle Verarbeitung zu Steinen für die altdeutsche Deckung, zu Schiefern für moderne Deckungen und Fassadenverkleidungen, zu Fensterbänken, zu Fliesen und zu Werksteinen für Küchenarbeitsflächen und vielem anderen mehr. Die Farben changieren vom tiefen Schwarz über zahllose Grautöne mit blauen, grünen und weißen Nuancen.

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