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Neue Häuser : Neu im Dorf und doch nicht fremd

Kontraste sind für Architekt Martin A. Müller wichtig - das gilt auch für die Farbgestaltung. Bild: Pilar, Daniel

Das Einfamilienhaus von Imme und Martin Linne steht mitten in einem Dorf in Niedersachsen - und macht dort auch ohne Klinkerfassade eine gute Figur.

          Maßhalten - das klingt für manche nach Selbstbeschränkung und Langeweile. Beim Bauen und Entwerfen geht es aber nicht ohne. Das fängt bei der Berechnung der Statik an und hört längst nicht damit auf, den Kostenrahmen einzuhalten. Wer in der Architektur Maß hält, baut nicht nur ein stabiles Haus, sondern auch eins, das weder zu groß noch zu klein ausfällt, in sich stimmig ist und das es sich nach außen hin leisten kann, dem Umfeld die gebührende Reverenz zu erweisen. Was nicht bedeutet, auf einen eigenen Charakter zu verzichten oder es allen recht machen zu wollen. So gesehen, hat Maßhalten nichts mit Mittelmaß zu tun. Eher mit Kunst. Wie die aussehen kann, dafür ist das Haus von Martin und Imme Linne in Kleinburgwedel bei Hannover ein schönes Beispiel.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mitten im Ortskern haben die beiden ein Haus für sich und ihre beiden kleinen Kinder Karl und Hilde gebaut. Gegenüber liegt das Feuerwehrhaus, davor der Festplatz des nicht einmal zweieinhalbtausend Einwohner zählenden Dorfs. Am anderen Ende des Platzes steht ein großes Gehöft, das wie so viele Bauten in Kleinburgwedel eine rotbraune Ziegelfassade trägt.

          Linnes hatte es nach einer Zeit in Berlin beruflich nach Hannover verschlagen. Auf der Suche nach einem geeigneten Baugrundstück sind sie in der Gemeinde nordöstlich von Hannover gelandet, wo man ihnen ein 620 Quadratmeter großes Grundstück anbot, das einst zu einem Bauernhof gehörte. Als sie es dem Architekt Martin Müller zeigten, den Imme Linne vom Studium her kannte, war der begeistert. Ein solches Filetgrundstück, mitten in einem Ortskern gelegen, gut geschnitten und dazu umgeben von prächtigen alten Eichen, würden die beiden kaum ein zweites Mal finden, meinte er. Linnes sahen das auch so und griffen zu.

          So ein Grundstück findet man nicht so leicht

          Der Verkäufer hatte das Grundstück mit dem Versprechen angeboten, einige kleinere Gebäude des Hofs abreißen zu lassen. Eine Abrissgenehmigung lag schon vor. Doch Bauherren wie Architekt waren sich rasch einig, dass sie einen kleinen Schuppen sowie die Mauer zur Straße hin gerne erhalten wollten. Kleinburgwedel ist bis heute von alten Höfen geprägt. Warum gerade im Herzen des Dorfs Charakteristisches ausmerzen? Ein Statiker erhielt den Auftrag, auszuloten, inwieweit der Schuppen zu retten sein würde. Außerdem mussten die Projektpartner mit der Baubehörde verhandeln, denn der Abstand zwischen Schuppen und Baufeld für das neue Haus betrug gerade mal einen Meter. Die Baubehörde ließ sich überzeugen. Linnes konnten den Schuppen behalten und darauf verzichten, einen Keller zu bauen.

          Wie aber baut man nun an einem im Dorf so prominenten Platz? Auf alle Fälle mit Satteldach, etwas anderes hätten die Vorschriften gar nicht zugelassen. Wie passt man sich an, ohne zu imitieren? Wie gelingt es dem Neuling, nicht fremd zu bleiben? Martin Müller entwarf im Austausch mit seiner Bauherrin und Kollegin Imme Linne ein kompaktes Haus, das ohne große Geste auskommt und sich doch durch eine eigene Note auszeichnet.

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