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Neue Häuser 2012: Haus Bletgen : Ein Haus sieht Rot

Neues Dach, neue Fassade, neuer Eingang: Nach der Sanierung zeigt das Haus eine klare Linie. Bild: Pilar, Daniel

Nach der Sanierung bis zur Unkenntlichkeit entstellt: Das muss nicht sein. Das 47 Jahre alte Haus von Ina und Oliver Bletgen in Hannover ist ein gutes Beispiel, wie sich mehr aus einem Gebäude machen lässt, ohne dessen Charakter zu zerstören.

          Am Anfang stand ein Minimalprogramm. Als Ina und Oliver Bletgen das Einfamilienhaus, Baujahr 1965, im Norden Hannovers erwarben, nahmen sie zunächst ohne größere Ambitionen den Umbau in Angriff. Das junge Ehepaar samt Kind wollte möglichst schnell in sein neues Zuhause einziehen und hielt eine Sanierung geringeren Umfangs für ausreichend. Abgesehen von der Haustechnik, die von Fachleuten auf den aktuellen Stand gebracht werden sollte, hatten sich die beiden für die Innenräume zwar einige Änderungen überlegt. „Doch da dachte ich noch, wir können das alles selbst planen“, sagt Ina Bletgen. Von dieser Idee sollte sie sich schon bald verabschieden.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Bletgens waren 2010 etwas unverhofft in die Bauherrenrolle geschlüpft. Mit ihrem kleinen Sohn hatten sie in einer schönen Eigentumswohnung in Hannover gewohnt, die sie eigentlich bis auf Weiteres nicht zu verlassen gedachten. Dann aber kamen Freunde auf sie zu, die einen Narren an der Wohnung gefressen hatten. Und so verkauften Bletgens kurzerhand ihr bisheriges Zuhause.

          Danach suchten sie erst einmal eine Mietwohnung. Die Erfahrungen, die die Familie dabei sammelte, waren ernüchternd. „Überall, wo es uns gefiel, wollten die Vermieter keine Kinder“, erzählt Oliver Bletgen. Daher entschieden sie sich schließlich, selbst Hausherren zu werden. Ihre Wünsche: Das Haus sollte in einem bevorzugten Wohnviertel der niedersächsischen Landeshauptstadt liegen und über eine relativ gute Raumaufteilung sowie hohe Decken verfügen.

          Keine überambitionierten Rundum-Erneuerungsvorsätze

          Ganz wichtig für Oliver Bletgen: Die gesamte Investition musste sich am Ende rechnen. Mehr Geld in den Kauf und den Umbau zu stecken, als man bei einem Verkauf wieder herausbekommen würde, kommt für den Steuerberater, der in Immobilienanlagen versiert ist, grundsätzlich nicht in Frage. „Gerade bei der Sanierung kann man schnell viel für Dinge ausgeben, für die einem hinterher im Zweifelsfall niemand Geld geben würde“, stellt der 34 Jahre alte Steuerfachmann fest.

          Entsprechend nüchtern gingen er und seine Frau das Vorhaben an, nachdem sie schließlich im Nordosten von Hannover fündig geworden waren. In einer ruhigen Sackgasse liegt das Haus mit dem steilen Giebeldach auf einem 1200 Quadratmeter großen Grundstück. Als die Bletgens es erwarben, sah es so aus wie viele andere Einfamilienhäuser aus den sechziger Jahren: ein Bau mit hellem, billigem Klinkerimitat, dessen Fenster eher willkürlich über die Fassade verteilt waren; gekrönt von einem roten Ziegeldach, das über die Hauswände hinausragte. Dass an Häusern wie diesem der Blick nicht haftenbleibt, liegt nicht daran, dass ihnen das Außergewöhnliche fehlt, sondern die klare Linie.

          Für die jungen Bauherren war das anfangs nicht so wichtig. Sie gingen pragmatisch und frei von jenen ambitionierten Rundum-Erneuerungsvorsätzen ans Werk, bei denen Bestandsimmobilien häufig derart verändert werden, dass sie am Ende zur Unkenntlichkeit entstellt sind. Monströse Anbauten, unvorteilhafte Dachaufstockungen oder auch die Umwandlung eines Spitzdaches in ein Flachdach, damit das Haus auch ja dem Zeitgeist entspricht - die Liste der Grausamkeiten ließe sich noch verlängern.

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