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Neue Häuser 2012 : Graue Eminenz der Vorstadt

Bauherrin Sybille Feucht, Hund Finn und Tochter Marcia in der Sitzecke am Fenster zum Hof Bild: Wresch, Jonas

Völlig verbaut, langweilig und düster - das war einmal. Nach der Sanierung zeigt sich das Haus von Sibylle Feucht und Jürgen Starosta in Bonn von einer ganz neuen Seite.

          Lässt sich daraus überhaupt etwas mit vertretbarem Aufwand machen? Am Anfang standen Zweifel. Daran erinnert sich Sibylle Feucht noch gut. Als die Schweizerin und ihr Mann Jürgen Starosta vor gut drei Jahren auf ihr heutiges Haus im Bonner Stadtteil Kessenich stießen, überwog zunächst die Skepsis. Denn das in einer ruhigen Seitenstraße, in der die überwiegend dreigeschossigen Häuser in Blockrandbebauung stehen, gelegene Gebäude war in vielerlei Hinsicht weit entfernt von dem, was das Ehepaar sich wünschte.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zwar bot das Haus mit seinen schon damals 226 Quadratmetern Wohnfläche und der kleinen Halle im rückwärtigen Teil des Grundstücks reichlich Platz, um neben den Wohnräumen für die dreiköpfige Familie auch noch eine Galerie, vor allem aber das Atelier, unterzubringen, das Sibylle Feucht als Künstlerin benötigt. Auch war die Aussicht nach Südwesten mit Blick zum Venusberg schön. Doch davon einmal abgesehen, wirkte der Gebäudekomplex wenig gewinnend: Zur Straße hin war das vermutlich um 1949 errichtete Haus mit seiner biederen Fassade lediglich langweilig.

          Im Innern allerdings herrschte auf allen drei Etagen Kleinteiligkeit. Eng und düster war es, auch weil durch die nachträglich noch mit Wohnraum überbaute Hofeinfahrt schlauchförmige Räume entstanden waren. Darüber hinaus wucherten im Laufe der Jahrzehnte neue Anbauten wie Geschwüre in den Hof hinein. Bis in die siebziger Jahre hatten die damaligen Eigentümer das Haus Zug um Zug erweitert. Ohne Plan, so wie es gerade passte und mit den Baustoffen, die zur Hand waren. „Das ganze sah ziemlich unglücklich aus“, beschreibt Architekt Hans Drexler den Anblick, „das war ein total verbautes Ding.“ Häuser und Höfe dieser Art gibt es noch einige in der Nachbarschaft, wo früher kleine Handwerksbetriebe ihren Sitz hatten.

          Ein Abriss kam nicht in Frage

          Dass die Haustechnik des Gebäudekomplexes samt Energiebilanz weit von dem entfernt war, was heute Standard ist, versteht sich fast schon von selbst. „Das Gebäude auf ein in jeder Hinsicht zeitgemäßes Level zu bringen war schon eine ziemliche Herausforderung“, räumt der Architekt ein, der das Frankfurter Büro der international tätigen Gesellschaft Drexler Guinand Jauslin Architekten leitet. Sibylle Feucht war über einen Zeitungsartikel auf die Arbeit des Teams aufmerksam geworden, das sich zum Ziel gesetzt hat, den bisher häufigen Widerspruch zwischen energieeffizientem Bauen und Baukultur zu überwinden.

          Das gefiel den Bauherren. „Wie man mit Vorhandenem umgeht, das ist auch für uns ein wichtiges Thema“, sagt Sibylle Feucht. Die Baslerin, die sich vor allem mit großformatigen Wandbildern aus Schmelzperlen einen Namen gemacht hat, setzt sich künstlerisch immer wieder mit dem Themen Raum und Wohnen auseinander. Da sich sowohl das Dach als auch die übrige Bausubstanz des Nachkriegsbaus nach einer Prüfung als überraschend gut und solide erwiesen, waren sich Bauherren und Planer einig, dass ein Abriss nicht in Frage kam. Damit begann für das Team um Hans Drexler das Planen, in dessen Zuge auch alle möglichen Baumaßnahmen am Computer simuliert wurden, um zu entscheiden, was am Ende energetisch sinnvoll ist - und was nicht.

          Das Ziel war ehrgeizig: Nach dem Umbau sollte das Haus dem Standard für Passivhausbauten im Bestand entsprechen. Das gelang nicht ganz, aber mit einem jährlichen Heizenergiebedarf von 25 Kilowattstunden je Quadratmeter erreicht das Haus KfW-40-Standard. Der Planer räumt ein, dass es ihm dabei durchaus zupasskam, mit Auftraggebern zu arbeiten, für die nicht jede einzelne Maßnahme mit spitzem Stift durchgerechnet werden musste. „Für manches haben wir uns aus Überzeugung entschieden, nicht weil wir uns davon einen geldwerten Vorteil versprechen“, ergänzt Sibylle Feucht.

          Der schmale Raum, in dem heute Küche und Essplatz sind, entstand durch eine frühere Erweiterung Bilderstrecke
          Der schmale Raum, in dem heute Küche und Essplatz sind, entstand durch eine frühere Erweiterung :

          Da das Haus durch die permanenten Erweiterungen ohnehin keine klare Struktur aufwies, erlaubten sich die Architekten, die Fassade gänzlich neu zu gestalten. „Bei einem so verknorzten Haus wie diesem sind die Hemmungen, was den Eingriff angeht, nicht so groß“, gesteht Drexler. So hat sich das Haus nach dem Umbau stark verändert. Da sich die Fensteröffnungen nicht nur nach der Funktion der dahinterliegenden Räume, sondern auch nach den solaren Erträgen richten, gibt sich das Haus zur Straßenseite hin insgesamt verschlossener. Nach Südwesten hin wurden sämtliche Anbauten abgerissen. Das Haus selbst ist mittels eines neuen Holzanbaus, der sich über alle Etagen erstreckt, zum Hof hin erweitert worden.

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