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Neue Häuser : Die Spur der Steine

Weder abweisend noch indiskret - das Haus der Familie Heckmann ruht in sich. Bild: Rainer Mader

Hart, aber nicht klotzig. Grau, aber nicht trist: Ein Haus im Rheinland zeigt, wie schön Naturstein ist.

          Oben am Ortsrand steht ein Haus, das Staunen macht. Leichlingen ist da schon längst nicht mehr Kleinstadt im Ballungszentrum Köln, Leverkusen und Düsseldorf, sondern Dorf. Unten fließen Murbach und Wupper, stehen Kirche, Rathaus, Schulen und Supermärkte, liegt der Bahnhof. Oben, keine zwei Kilometer vom Stadtrand entfernt, bilden nicht einmal fünfzig Häuser den Ortsteil Hülstrung. Hier gibt es altes und neues Fachwerk, jede Menge der für diese Gegend offenbar obligatorischen Klinkerfassaden - und seit nicht ganz zwei Jahren einen verblüffend schönen Neuling.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Haus fällt gleich auf. Nicht nur von der Straßenseite, sondern auch wenn man sich dem Ort von der Anhöhe über die Felder nähert. Anders als seine Nachbarn hat der würfelförmige Bau den Giebel von der Straße weggedreht, sich im wahrsten Wortsinn quergestellt und schmiegt sich so an den Hang an. Das Dach schließt bündig ab, was die Gradlinigkeit des Gebäudes unterstreicht. Eigentlich ist es ein Haus von einfacher Gestalt, doch stattlich bekleidet mit einer Fassade aus Naturstein. Keine Klinkerriemchen sitzen da vor dem Mauerwerk aus Bimsstein, sondern Brocken und schmale Stücke, sorgfältig von Hand ausgewählt, geschichtet und verfugt. Massiv, doch nicht klobig wirkt das; hart, aber nicht abweisend.

          Grauwacke heißt der Stein, der im Licht der späten Nachmittagssonne grau, ockerfarben und dunkel schimmert. Er stammt aus dem Rheinischen Schiefergebirge und war einst - neben Schiefer selbst - traditioneller Baustoff dieser Region. Heute hat er im Neubau Seltenheitswert, denn lange schon haben ihn andere, günstigere Materialien abgelöst. Die Grauwacke gilt als Baustoff von gestern, schön anzusehen an Kirchen und alten Höfen. Und so kommt es, dass Spaziergänger, die über die Obstwiese von der Anhöhe kommen, staunend stehen bleiben, weil dieses unübersehbar zeitgemäße neue Haus mit seinem Steinmantel ganz und gar gemacht ist für den Flecken, auf dem es steht.

          Grauwacke gilt als Baustoff von gestern

          Bezug zu Ort und Tradition - den Bauherren Jens und Jenny Heckmann war beides wichtig. Stein als Baustoff fasziniert sie. Als das Ehepaar beschloss, ein Haus für sich und seine beiden Jungs zu bauen, suchten sie ein Architekturbüro, dessen Entwürfe genau dafür stehen.

          Die Familie lebte da noch in einer Pippi-Langstrumpf-Villa, wie sie das alte Haus mit großem Garten nahe Düsseldorf nennen. „Charmant mit vielen Nachteilen“, sagt Jenny Heckmann über ihr vorheriges Zuhause. Baulich war der Bau in schlechtem Zustand, doch der Eigentümer wollte keine Veränderungen, und die Miete war so hoch, dass das Ehepaar irgendwann beschloss, die monatliche Summe zukünftig in ein eigenes Zuhause zu investieren. Sie hätten eine ganze Weile gesucht, erzählen die beiden, bevor sie eines Tages während eines Spaziergangs das Grundstück in Hülstrung entdeckten.

          Die Idee, nach Leichlingen zu ziehen, gefiel ihnen. Mit der Bahn ist man rasch am Kölner Hauptbahnhof. Für Jenny Heckmann, die oft das Fahrrad nimmt, hat sich der Weg zu ihrer Arztpraxis durch den Umzug verkürzt. „Die gute Anbindung war für uns mitentscheidend“, sagen die Bauherren. Ebenso spielte das Schulangebot eine Rolle, denn mittlerweile besucht auch der jüngere der beiden Söhne das Gymnasium am Ortsausgang Richtung Hülstrung. Die Jungs allerdings stöhnen über den Schulweg. Er ist zwar nicht lang, doch der Anstieg auf dem Nachhauseweg ist steil.

          Heckmanns kauften 2011 das knapp 600 Quadratmeter große Grundstück. Jens Heckmann hatten es schon seit längerem steinerne Bauten angetan. Besonders die Bruder-Klaus-Feldkapelle in Mechernich-Wachendorf und das Kunstmuseum Kolumba des Schweizer Architekten Peter Zumthor faszinieren den Theologen.

          Gute Anbindung war mitentscheidend

          Über die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen wurde er auf das Büro Denzer & Poensgen aufmerksam, das sich mit seinen eindrücklichen und traditionsbewussten Bauten einen Namen gemacht hat und überdies erfahren im Einsatz von Naturstein ist. Nicht zuletzt in der rauhen Landschaft der Eifel, wo auch das Büro seinen Sitz hat, haben Andrea Denzer und Georg Poensgen viel mit dem ortstypischen Baustoff gearbeitet. „Anfangen zu entdecken“ - diese Aufforderung von Architektenlegende Le Corbusier haben sie dem Entwurf für das Haus der Familie Heckmann vorangestellt. Es beschreibt den Anspruch des Planer-Ehepaars: Die vorhandenen, überlieferten Strukturen aufspüren und an diese mit einer Architektur anknüpfen, die zugleich ihrer eigenen Zeit Rechnung trägt.

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