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Trotz Leerstand : Überraschender Bauboom auf Mallorca

  • -Aktualisiert am

Überbleibsel vom vorherigen Boom: Bauruine auf Mallorca Bild: Matthias Lüdecke

Nach der schweren Krise werden auf der Baleareninsel wieder Häuser gebaut. Dabei stehen zehntausende alte „Neubauten“ noch immer leer. Wie passt das zusammen?

          Im Herbst 2017 verzeichnete Mallorca bei Wohnimmobilien eine Zunahme der Besitzerwechsel um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit überschritt die Baleareninsel den Vergleichswert für das gesamte Spanien von 11 Prozent mehr als deutlich. In absoluten Zahlen bedeutet dies: Mehr als 1300 alte wie neue Objekte wechselten von Januar bis Oktober auf Mallorca den Besitzer. Noch interessanter allerdings ist die hohe Zahl der in diesem Zeitraum begonnenen Neubauten auf der Ferieninsel: Sie liegt bei rund dem Doppelten der genannten Besitzwechsel. Mit anderen Worten: Auf Mallorca hat wieder einmal ein Bauboom begonnen. Das gilt besonders für größere Eigentumswohnungen gehobenen Genres wie auch für Einfamilienhäuser der gleichen Ausstattungsklasse. Auffällig wenige Bauten entfallen dagegen auf ganz einfache Häuser und Wohnungen.

          Dieser unverkennbar neue Bauboom auf Mallorca überrascht insofern, als es noch einige zehntausend unverkaufter, noch nie bezogener alter „Neubauten“ gibt. Ihr Absatz läuft nach wie vor nur sehr schleppend, wobei amtliche Auflagen eine entscheidende Rolle spielen: Jene Objekte, die noch aus der Zeit vor und während der großen Finanzmarktkrise stammen, sind heute nur dann zum Bezug freigegeben, wenn ihre Strom-, Gas- und Wassertechnik und ganz speziell die Heizungen modernen technischen Standards entsprechen.

          Gerade auf diesem Gebiet zeichnen sich die spanischen Behörden durch hohe Unnachgiebigkeit aus. Die Geschädigten sind immer wieder Ausländer, die ein Schnäppchen zu machen glauben, in Wirklichkeit aber nach dem Kauf dann ganz unerwartet erhebliche Mittel in die technische Modernisierung der Alt-Neubauten stecken müssen.

          Alt neben Neu

          Zu den Grotesken der Neubauszene auf Mallorca zählt allerdings, dass es in den verschiedensten Insellagen Ortsteile gib, in denen die neuen Baustellen unmittelbar an die sogenannten alten Neubauruinen stoßen. Dazu zählen viele Objekte, die zwar seinerzeit einigermaßen fertiggestellt worden waren, aber nie verkauft und bezogen worden sind. Daneben aber gibt es auch viele andere, echte Bauruinen aus jener Zeit, also Häuser, die bestenfalls ein Dach bekommen haben, sich im Übrigen aber durch leere Fensterhöhlen und eine üppige wilde Vegetation auszeichnen. Ganz offensichtlich scheinen diese Ruinen dem Neubaudrang aber keinen Abbruch zu tun. Es fragt sich allerdings, wann bei dieser Nachbarschaft neben den Altruinen auch unverkäufliche neue Ruinen zu sehen sein werden.

          Soweit es um die wichtigsten Lagen auf Mallorca geht, dominiert unverändert der Südwesten im Nachfrageinteresse. Das sind vor allem die Orte Andratx, Calvià und Santa Ponsa mit ihrem jeweiligen Umfeld. Auch der gebirgige Norden ist begehrt. Vom großflächigen mallorquinischen Süden behaupten zwar Banken und Makler vielerorts das Gegenteil. Wieweit das aber wirklich stimmt, ist insofern strittig, als gerade im Süden vielerorts eine besonders starke Bautätigkeit zu beobachten ist. Einzelne Gemeinden versuchen dies noch durch reduzierte Grundsteuern anzukurbeln.

          Für Kaufinteressenten in allen Insellagen lohnt sich deshalb meist, zunächst mit lokalen Banken und nicht mit Immobilienmaklern zu sprechen. Obwohl die Banken inzwischen einen großen Teil ihres früher riesigen Bestandes an Wohnimmobilien abgegeben haben, verfügen sie dennoch häufig weiter über umfangreichen lokalen Besitz, von dem sie sich immer noch mit Hilfe besonders attraktiver Hypothekenkonditionen zu trennen bemühen.

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