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Luxuswohnungen : Frankfurt im Höhenrausch

Vier neue Riesen: Das Projekt „Four“, hier eine Skizze, soll 2022 fertig werden. Bild: Groß & Partner/UN Studio

Frankfurt bekommt Zuwachs: Fast zwanzig neue Hochhäuser zum Wohnen sollen in der Stadt am Main entstehen. Die Käufer stehen Schlange – und zahlen schwindelerregende Preise.

          Es ist erst wenige Jahre her, da musste man ins Museum gehen, wenn man sich in Frankfurt neue, schicke Wohnhochhäuser ansehen wollte. "So etwas müssten wir auch haben", seufzten die Ausstellungsbesucher des Deutschen Architekturmuseums (DAM) angesichts einer Schau, die die Teilnehmer am Wettbewerb um den Internationalen Hochhauspreis zeigte. Darunter waren zwei mehr als 100 Meter hohe Wohngebäude in Singapur und Seoul; beides alles andere als anonyme Wohnmaschinen, das eine sogar mit begrünter Fassade.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Angesichts solcher Beispiele klagte Museumsdirektor Peter Cachola Schmal, in Frankfurt sei man im internationalen Vergleich wirklich völlig hintendran. Von sogenannten Hybridgebäuden, die mit ihrem Mix aus Wohnen, Büro- und Gewerbeflächen, Hotel und Freizeitangeboten einen eigenen Organismus bilden, ganz zu schweigen. Das war 2008. Die Finanzkrise schüttelte die Bankenwelt gerade durch, und in der hessischen Großstadt herrschte Katzenjammer. Es war nicht die Zeit für hochfliegende Pläne, weder im Büro- noch im Wohnungsbau, schon gar nicht in Deutschland, wo spektakuläre Wohnhochhäuser wahlweise als unwirtlich oder Ausdruck von Größenwahn galten, wenn nicht beides.

          Eigenheim in luftiger Höhe: In Frankfurt entstehen zahlreiche Wohnungen in Hochhäusern.

          Keine zehn Jahre später ist alles anders. Am Finanzplatz Frankfurt wie mit dem Bau von Wohntürmen geht es aufwärts. Die befürchteten Heerscharen arbeitsloser Banker sind ausgeblieben. Zwar haben die Geldhäuser viel Personal entlassen, aber unter dem Strich verdienen heute mehr Menschen als zuvor in und an der Finanzbranche ihr Geld - und von Gehaltdeckeln für Banker redet auch niemand mehr. Neue Arbeitsplätze in der Finanzaufsicht sind entstanden, Frankfurts Einwohnerzahl wächst stetig. Von Niedergang am Main keine Spur.

          Der Wohnturm Tower 90 entsteht im Europaviertel.

          Unübersehbares Symbol für die tragende Rolle, die die Stadt in Europas Bankenwelt im Jahr 2017 spielt, ist ein 185 Meter hohes Gebäude: Abseits des innerstädtischen Bankenturmrudels erhebt sich der gläserne Doppelturm der Europäischen Zentralbank. Er ist der Vorposten im Osten der Stadt, deren Skyline immer größere Ausmaße annimmt. Neuerdings hat das maßgeblich mit all den Wohnhochhäusern zu tun, die dort mit einem Mal in den Himmel wachsen. Ihr Anteil am Wohnungsmarkt der Stadt ist jetzt schon bedeutend: Im vergangenen Jahr waren 30 Prozent aller in Frankfurt verkauften Eigentumswohnungen Hochhauswohnungen.

          Sie tragen Namen wie Omni Turm, Tower 90, One Forty West und Praedium. Manche wie "Axis" sind bezogen, andere so gut wie fertig wie "Onyx", das 2014 mit einem für Frankfurter Verhältnisse Spitzenquadratmeterpreis von fast 14.000 Euro von sich reden machte, später mit Lärmschutzklagen der Nachbarschaft und schließlich mit der Insolvenz des Investors. Auch der Turm, an dessen Bau die Bewohner der Stadt emotional den meisten Anteil genommen haben, steht kurz vor der Vollendung: der neue Henninger Turm. Der 140 Meter hohe Bau nach einem Entwurf des Architekturbüros Meixner Schlüter Wendt erhebt sich an der Stelle seines Vorgängers, einst Wahrzeichen der Stadt, auf dem ehemaligen Areal der früheren Brauerei im Stadtteil Sachsenhausen. DAM-Direktor Schmal erinnert sich noch an die anfängliche Skepsis und Ablehnung, die dem Vorhaben entgegenschlug, hinter dem die Unternehmerfamilie Hopp steht. Die neue Landebahn des Frankfurter Flughafens und der Fluglärm würden die Verkäufe mindern, hieß es seinerzeit. Drei Jahre später sind alle Wohnungen verkauft. Die Penthäuser wollen die Hopps dem Vernehmen nach selbst behalten.

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