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Singapur : Schöne neue Häuser

Ein wilder Haufen riesiger Container: Die preisgekrönte Appartementsiedlung The Interlace Bild: Iwan Baan

Der reiche Tropenstaat Singapur gibt sich einen neuen Anstrich. Dabei helfen ihm Stararchitekten. Jetzt kommen die Deutschen. Dabei entstehen spektakuläre Häuser.

          Vor gut drei Jahren lud der Münsteraner Architekt Klaus Grahl seine Mitarbeiter, Werkstudenten und Praktikanten ein, das Jubiläum seines Büros mit einer Reise nach Singapur zu begehen. Der westfälische Gestalter von Bürobauten und Einfamilienhäusern bewies Weitsicht, denn die Tropenmetropole begann damals, sich auf der Landkarte der Spitzenarchitektur zu verewigen. Heute haben hier die Großen der Branche wie Daniel Libeskind, Zaha Hadid, Moshe Safdie, der Japaner Toyo Ito oder Norman Foster ihre Spuren in Beton gegossen. Nun setzen auch deutsche Top-Architekten hier Maßstäbe.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Geld, Bauwille und ein durchsetzungsstarkes politisches System, das Stararchitekten aus der ganzen Welt einlädt, erschufen Architekturikonen, darunter das Wahrzeichen Singapurs, den Hotelkomplex Marina Bay Sands. Sein scheinbar endloser Pool auf dem Dach gilt als der meistfotografierte der Welt. Die Hochhäuser sind in Beton gegossene Ansprüche: Architekten und Stadt zielen gleichermaßen auf Anerkennung.

          Foto mit Hotel: Das Marina Bay Sands
          Foto mit Hotel: Das Marina Bay Sands : Bild: Reuters

          Die Stadt brauchte sie nach der Jahrtausendwende. Damals erkannte die Partei, die den Inselstaat seit seiner Unabhängigkeit 1965 führt, dass sein Ruf gefährdet war. Singapur galt als „Nanny-Staat“, als technokratisches Musterländle, in dem Gehorchen erste Bürgerpflicht war. Wer ausscherte, wurde drakonisch bestraft. Für Kaugummi-Kauen, für Über-die-rote-Ampel-Gehen, für Auf-den-Boden-Spucken, für den Besitz von Haschisch, für das Zitieren der falschen Bücher und das öffentliche Proklamieren der falschen Gesinnung. Das aber, so spürte die meist hellwache Staatsführung, schadete dem Standort. Frischer Wind musste her. Das zunächst hereingelassene Oben-ohne-Kabarett aus Paris reichte da nicht aus.

          Der Staat will frischen Wind ausstrahlen – auch in der Architektur

          Singapur musste sich neu erfinden, mindestens aber einen neuen Anstrich geben. In wenigen Jahren entstand so eine staatliche geförderte und beobachtete Kunstszene, Ausstellungen wurden an den Äquator geholt und Museen gebaut. Es war, als ob jemand die Tür geöffnet hätte, frischer Wind durch die Straßen der Stadt wehte. Die Überwachung funktioniert heute meist digital, nicht weniger scharf, aber unsichtbar. Die Freiheiten haben zugenommen. Gebaute Statements durften nicht nur kommen, sie sollten es. Häuser, bei denen der Betrachter den Kopf in den Nacken legt, deren Fotos auf Facebook um die Welt wandern, Bauten, die von Wohlstand, Geschmack und Willen zum Fortschritt künden. Gebäude, die kulturelle Freiheit verkörpern – auch wenn diese nicht überall gegeben ist.

          Die jungen Architekturikonen beeinflussen auch den staatlichen Wohnungsbau. Viele der neuen Sozialbauten sind heute pfiffig, auch wenn die Räume kleiner werden. Zugleich traut sich der Staat, der auf eine Grundversorgung seiner Bürger durch erschwinglichen Wohnraum zielt, Tausende von Luxusappartements für die Superreichen aller Herren Länder anzubieten. Sie in den Stadtstaat zu holen ist eines seiner Geschäftsmodelle: Sie sparen hier Steuern, können in Stunden eine Firma gründen, nutzen einen der besten Flughäfen der Welt, schicken ihre Kinder in Ableger der erfolgreichsten Schulen der Erde, um sie auf den Besuch von Spitzenuniversitäten gleich nebenan vorzubereiten, und nutzen Top-Kliniken.

          Damit fing es an: Der Theaterkomplex Esplanade
          Damit fing es an: Der Theaterkomplex Esplanade : Bild: Picture-Alliance

          Los ging's mit dem Theaterzentrum Esplanade

          Symbol für das neue Singapur, das sich nach den harten Aufbaujahren 2002 der Kultur zu öffnen erlaubte, ist das Theaterzentrum Esplanade. Entworfen wurde es, wie könnte es anders sein, noch vom Singapurer Büro DP Architects und Wilford & Partners. Dann kam Foster. Zwar verpasste er dem Hohen Gericht 2006 nur eine Kuppel, so wie man sie auch vom Reichstag kennt. Doch war allein dies ein Wagnis im damaligen Singapur. Im selben Jahr ließ Ito sein Einkaufszentrum Vivo City wie eine große Seifenblase am Hafen steigen.

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