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Wo liegt das Altgeld? : Versteckte Schätze

So einiges an Restgeld ist noch nicht umgetauscht Bild: AP

Langsamer Abschied von der alten Währung: Zehn Jahre nach Einführung des Euro-Bargelds liegen in Schubladen, Schränken und Geldbörsen noch immer rund 13,3 Milliarden Deutsche Mark, von denen sich die Leute offenbar schwer trennen können.

          Der junge Mann heißt Florian, er sieht etwas blass aus und sei Schreiner, sagt er. Aus seiner Jackentasche zieht er mehrere Geldscheine und Münzen und legt seine Schätze auf den Schalter: einen braunen 50-DM-Schein mit dem Porträtbild Balthasar Neumanns, einen 10-DM-Schein mit Carl Friedrich Gauß und einen halb zerrissenen 50-Euro-Schein. Dazu kommen noch ein halbes Dutzend glänzende 10-DM-Silbermünzen und einige andere Münzen. „Hab ich in einer Schublade gefunden“, sagt Florian und lächelt ein wenig schüchtern. Die Kassiererin in der Bundesbank-Filiale an der Frankfurter Taunusanlage prüft das Geld, dann gibt sie den exakten Gegenwert in Euro heraus. Hinter ihm in der Schlange warten weitere Kunden. Nicht wenige haben noch Mark-Bestände dabei.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Zehn Jahre nach Einführung des Euro-Bargelds liegen in Schubladen, Schränken und Geldbörsen noch immer Milliarden an alten Deutschen Mark, von denen sich die Leute offenbar schwer trennen können. Die Bundesbank errechnet monatlich, wie viel altes Bargeld noch aussteht: Derzeit sind es 13,31 Milliarden DM, davon 6,41 Milliarden in Noten (rund 172 Millionen Scheine) und 6,9 Milliarden in Münzen (fast 23,8 Milliarden Münzen). Wertmäßig stehen noch 2,4 Prozent der alten DM-Banknoten aus, berichtet Susanne Kreutzer von der Bundesbank. „Täglich kommen auch heute noch an die tausend Bürger in unsere Filialen und bringen altes Geld zurück“, erzählt Kreutzer. Sie selbst hat erst neulich in einem alten Mantel ihres Schwiegervaters einen 50-DM-Schein entdeckt.

          Zeitlich unbegrenzter Umtausch

          Während einige Notenbanken im Euro-System schon seit Jahren keine alten nationalen Münzen mehr annehmen (etwa Portugal, Belgien, Griechenland und Frankreich), ist die Bundesbank nach dem „DM-Beendigungsgesetz“ zu einem zeitlich unbegrenzten Umtausch verpflichtet. Auch für die alten Scheine gibt es in Deutschland kein Verfallsdatum, anders als etwa in Italien, wo die neue Regierung den Umtauschschluss im kommenden Jahr vorgezogen hat, um Verwaltungskosten zu sparen. „Die Bundesbank behält den Service für die Bürger weiterhin kostenfrei bei“, betont Volker Kaiser, der stellvertretende Kassenleiter der Filiale an der Taunusanlage. Insgesamt gibt es 47 Bundesbankfilialen in Deutschland.

          Die Kunden, die zum Umtausch kommen, haben zum Teil immer noch recht hohe Beträge dabei: Rund 500 DM beträgt der durchschnittliche Umtausch. In Frankfurt ist es deutlich mehr. „Wir haben täglich etwa 35 Umtauschgeschäfte mit einem Volumen von rund 30.000 Mark“, berichtet Kaiser. Frankfurt habe wegen des großen Flughafens auch eine Sonderstellung, fügt der 49 Jahre alte Beamte hinzu. „Da kommen auch viele Ausländer, die einen Teil ihres Barvermögens in Mark investiert hatten.“ Die Kundschaft komme zum Teil aus Amerika, Israel, Australien und Fernost. Und mancher legt hohe Summen am Schalter vor. „In den ersten Jahren nach der Euro-Einführung kamen Ausländer mit bis zu 200.000 Mark, heute sind es durchaus mal 4000 bis 5000 Mark“, berichtet Kaiser. Die Scheine werden gesammelt, geschreddert und recyclelt. Aus Geld wird Zellstoff.

          In der Erde oder auf dem Müll

          Mehrere Milliarden DM werden aber wohl nie umgetauscht werden, erwartet die Bundesbank. Wertmäßig sind noch etwa 43 Prozent des DM-Münz-Bestandes im Umlauf, darunter viele Silber- und Sammlermünzen. „Wir erwarten, dass davon fast die Hälfte nicht zurückgegeben wird“, sagt Susanne Kreutzer. Was zurückkam, sind aber gewaltige Mengen: Seit 2002 hat die Bundesbank 90.000 Tonnen kupferne Pfennige zurückgenommen. Das entspricht 2250 großen Lastwagenladungen à 40 Tonnen. Die Münzen werden zerwalzt und dann der Rohstoff vom Bundesfinanzministerium verkauft. Viel Kleingeld ist aber im Laufe der Jahrzehnte einfach verlorengegangen und in der Erde oder im Müll gelandet.

          Es gibt auch Geschichten von alten Leuten, die ihre DM-Schätze so gut versteckt hatten, dass die Erben sie kaum fanden. In der Bundesbank kursieren einige solche Anekdoten. „Bei einer Haushaltsauflösung einer verstorbenen alten Dame wunderte sich deren Tochter beim Abnehmen der Vorhänge, wie seltsam sich eine der Stoffbahnen anfühlte. Eine Überprüfung ergab, dass in den ganzen Vorhang von oben bis unten 1000-DM-Scheine eingenäht waren“, erzählt Kreutzer. Andere entdeckten hinter den Tapeten ihrer Großeltern 1000-DM-Scheine. Ein Enkel fand im Arzneischrank seiner Großeltern in Tablettenröhrchen fein säuberlich eingerollte Banknoten.

          Nicht alle Scheine, welche die Bundesbank erhält, sind sauber erhalten. Während des Bürgerkriegs in Jugoslawien, wo viel D-Mark kursierte, versuchten viele Jugoslawen ihr Geld zu verstecken. Einige gruben es im Garten in der Erde ein - und dort wurde das Geld zum Teil feucht und verrottete. „Wir haben immer mal wieder Gläser mit völlig zerbröselten Geldscheinen vorgelegt bekommen“, erzählt Kaiser. Dann schickt er die Papierbrösel an einer Prüfstelle nach Mainz. Die aus Baumwolle hergestellten Geldscheine zersetzen sich, aber der Silberfaden, das Sicherheitsmerkmal, bleibt gut erhalten. Anhand der Silberfäden, erzählt der Bundesbankbeamte, konnte ein Ex-Jugoslawe kürzlich sein zerbröseltes DM-Vermögen rekonstruieren: Es waren 50.000.

          Quelle: F.A.Z.

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