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Schwäbisches Traditionsunternehmen Geschirrhersteller WMF wechselt Besitzer

 ·  Neuer Eigentümer für WMF: Der amerikanische Finanzinvestor will den Besteck- und Kochgeschirrhersteller in Geislingen übernehmen. Bei WMF stößt das Vorhaben auf offene Türen.

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© dpa Töpfe im WMF-Werk in Geislingen

In Deutschland und Europa gehört der Kaffeemaschinen- und Besteckhersteller WMF zu den bekanntesten Marken, in Amerika und Asien will der Konzern Ähnliches noch erreichen. Verwirklichen will WMF die Expansion künftig mit einem neuen Mehrheitsaktionär: der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft KKR. Der Finanzinvestor teilte dazu mit, vom bisherigen WMF-Mehrheitseigner Capvis dessen Paket von rund 52 Prozent der Stammaktien und 5 Prozent der Vorzugsaktien übernommen zu haben. Gleichzeitig machte KKR allen anderen Aktionären ein Übernahmeangebot. Für die Stammaktien will KKR je Anteilschein 47 Euro in bar zahlen, ein Aufschlag von 24 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Donnerstag. Für die Vorzüge bieten die Amerikaner 31,70 Euro je Papier, das entspricht dem gewichteten Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate.

Marktbeobachter schlussfolgerten daraus, dass KKR am weiteren Erwerb von Vorzugsaktien kein gesteigertes Interesse hat, aber gerne noch mehr Stämme einsammeln würde. Ein Rückzug des Besteckkonzerns von der Börse sei derzeit kein explizites Ziel des neuen Mehrheitseigners, hieß es in Finanzkreisen. KKR muss vorerst damit rechnen, nicht allzu viele weitere Stammaktien übernehmen zu können.

Lediglich gut 10 Prozent sind im Streubesitz, rund 37 Prozent der WMF-Stämme liegen in den Händen des österreichischen Unternehmers Andreas Weißenbacher und dessen Investmentgesellschaft Fiba. Weißenbacher hatte auf der jüngsten WMF-Hauptversammlung mitgeteilt, dass er das schwäbische Traditionsunternehmen selbst gern erwerben würde und gehörte nun auch zu den Bietern. Weißenbacher erklärte gegenüber dieser Zeitung, dass er seine Aktien nicht verkaufen werde

Capvis hatte Ende März dieses Jahres offiziell angekündigt, sich von WMF trennen zu wollen. Seitdem hätten mehrere Finanzinvestoren, aber auch Industrieunternehmen ihr Interesse bekundet, hieß es. Für die Schweizer Beteiligungsgesellschaft, die vor sechs Jahren bei WMF eingestiegen ist, hat sich das Investment gelohnt. Capvis zahlte seinerzeit 19,05 Euro je Aktie (insgesamt 92 Millionen Euro) und begleitete das Unternehmen anschließend durch die Finanzkrise und einige Restrukturierungen. Der Verkauf erfolge nun auch, weil die Ziele, die man in der Unternehmensentwicklung gehabt habe, erreicht worden seien, hieß es.

KKR legt jetzt mehr als 230 Millionen Euro für den Aktienkauf auf den Tisch, die überwiegend aus den eigenen Fondsmitteln stammen dürften, und wird wohl künftig den Aufsichtsratsposten einnehmen, den bislang Capvis’ Partner Daniel Flaig besetzt hat. Ziel sei es, das internationale KKR-Netzwerk zu nutzen, um insbesondere die Expansion des Kaffeemaschinengeschäfts in Asien und Europa voranzutreiben, hieß es. „Wir haben derzeit keine Intention, an der Struktur von WMF mit dem Großkundengeschäft und den mehr als 200 Filialen oder auch am Management etwas zu verändern“, sagte Silke Scheiber, KKR-Director und verantwortlich für diese Transaktion. Der WMF-Vorstandsvorsitzende Thorsten Klapproth, unter dessen Regie das Betriebsergebnis in den vergangenen Jahren von gut 41 auf 65 Millionen Euro (2011) gesteigert wurde, nannte im Gespräch mit dieser Zeitung als Ziel, „die Internationalisierungsquote von WMF von heute 49 Prozent mit Hilfe von KKR auf 70 bis 75 Prozent zu erhöhen“.

Dabei spiele das Privatkundengeschäft als stabilisierender Faktor eine enorm wichtige Rolle, um das schwankungsanfällige, aber margenträchtigere Geschäft mit Großkunden auszugleichen. „Das Geschäftsmodell des Bereichs Tisch und Küche zeigt sich bei konjunkturellen Einflüssen robuster“, sagte Klapproth. Wachsen soll WMF aus eigener Kraft; Zukäufe seien möglich, hieß es. „Die Finanzierungsstruktur von WMF ist kerngesund, kleine Zukäufe kann das Unternehmen selbst stemmen. Wenn sich die Gelegenheit für größere Akquisen ergäbe, würden wir dafür auch Mittel zur Verfügung stellen“, sagte Scheiber.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

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