23.12.2008 · Die Studenten der Privatuniversität Witten-Herdecke können aufatmen: Verschiedene Geldgeber stellen ihrer Bildungsanstalt bis Mitte Januar die fehlende Liquidität bereit. „Die Flickschusterei muss endlich ein Ende haben“, warnte jedoch einer der Sponsoren.
Von Philipp KrohnDie Privatuniversität Witten/Herdecke (UWH) hat die drohende Zahlungsunfähigkeit vorerst abgewendet. In der Nacht zum Dienstag erklärte sich ein Konsortium von Geldgebern bereit, bis Mitte Januar die fehlende Liquidität bereitzustellen. An den Gesprächen waren außer dem nordrhein-westfälischen Innovationsminister Andreas Pinkwart (FDP) die Software AG Stiftung und der Gesundheitskonzern SRH Holding sowie Vertreter der Stadt Witten, eines Krankenhaus-Entwicklungsvereins und des Kuratoriums der Universität beteiligt. Wer die Bürgschaft bereitstellt, die Pinkwart auf 10 Millionen Euro bezifferte, wurde nicht bekannt.
Die Zusage ist daran geknüpft, dass die UWH bis Anfang Januar eine neue Strategie zur Hochschulentwicklung und einen Finanzplan vorlegt, der von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer testiert wird. „Die Flickschusterei muss endlich ein Ende haben“, sagte Walter Hiller von der Software AG Stiftung, die bereits vor der Sitzung zugesagt hatte, von kommendem Jahr an einen zweiten Stiftungslehrstuhl an der Hochschule zu finanzieren. Private Geldgeber wie auch das Bundesland hatten in der Vergangenheit immer wieder verlangt, dass die Schule ihren Finanzbedarf vollständig darstellen müsse. Weil es dieses Ansinnen nicht erfüllt sah, strich das Düsseldorfer Innovationsministerium in der vergangenen Woche seine jährliche Zuwendung von 4,5 Millionen Euro (siehe: Privat-Uni Witten/Herdecke vor dem Aus). Insgesamt beträgt der Etat der Universität rund 31 Millionen Euro.
Universität strebt nun finanzielle Unabhängigkeit vom Land an
Hiller teilte mit, seine Stiftung werde eine Bürgschaft über 3 Millionen Euro, die Ende des Jahres auslaufen sollte, bis Ende März verlängern. Offen sei noch, ob sie ihr Engagement ausweiten werde. „Zunächst einmal muss eine gedeihliche finanzielle Entwicklung erkennbar werden“, sagte Hiller. Die nordrhein-westfälische Landesregierung versprach, die für 2009 und 2010 bereits eingeplanten Mittel von jeweils 4,5 Millionen Euro zu zahlen, sollten das Hochschulkonzept und der Finanzplan überzeugend sein. Davon müsse jeweils ein Drittel aufgebracht werden, um die medizinische Fakultät von derzeit 35 auf 44 Lehrstühle auszubauen, wie es der Wissenschaftsrat des Landes gefordert hat. Außerdem will Pinkwart eine zusätzliche Zuwendung von 4,5 Millionen Euro bereitstellen.
Die Universität strebt hingegen eine größere Unabhängigkeit von der Landespolitik an, nachdem die Entscheidung, die Mittel zu streichen, erst kurz vor Jahresende getroffen wurde. Zudem verlangt das Land 3 Millionen Euro zurück, die es Ende 2007 an die Universität überwiesen hatte. „Es liegt in unserem ureigenen Interesse, uns vom Land finanziell unabhängig zu machen“, sagte Hochschulsprecher Ralf Hermersdorfer. „Allerdings ist das in der Finanzkrise schwierig, weil wir am Ende der Förderkette stehen.“
Nachdem Uni-Präsident Birger Priddat in der vergangenen Woche zurückgetreten war, legte jetzt auch dessen Stellvertreter Maxim Nohroudi sein Amt nieder. Die Gesellschafterversammlung, in der die Universitätsstiftung mit 92 Prozent und die Studierendengesellschaft mit 8 Prozent vertreten ist, muss nun sehr kurzfristig zwei neue Geschäftsführer bestellen. Einer von ihnen wird für die kaufmännischen Aufgaben zuständig sein, der andere für die wissenschaftlichen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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