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Wissenschaftspreis : Sechs Rezepte für den Euro-Ausstieg

Bild: Getty Images

Ein britischer Lord hat einen Preis für den besten Vorschlag zum Euro-Ausstieg gestiftet. Hier sind die sechs besten Vorschläge. Welchen mögen Sie? Stimmen Sie ab!

          Der Ausstieg aus dem Euro ist schwierig, aber nicht unmöglich. Das zeigen die Vorschläge, die in den vergangenen Wochen bei der Jury des „Wolfson Prize“ eingegangen sind. Den Preis hat der britische Manager und Oberhaus-Abgeordnete Lord Wolfson gestiftet: 250.000 Pfund für den besten Vorschlag zum Ausstieg aus dem Euro. Es ist der höchstdotierte Wissenschaftspreis der Welt, nach dem Nobelpreis. Viele Forscher hatten prophezeit, die Aufgabe werde unlösbar sein. Doch die fünf nominierten Vorschläge, die vergangene Woche veröffentlicht wurden, stammen nicht von Wissenschaftlern, sondern von Praktikern. Ein sechster kommt von einem elfjährigen Jungen aus den Niederlanden. Die Jury hat ihn mit einem Sonderpreis ausgezeichnet.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Am Ende dieses Artikels können Sie abstimmen, welchen Vorschlag Sie am überzeugendsten finden.

                     

          A) Auf Bares verzichten

          Bild: dapd

          Der Autor: Roger Bootle ist Chef der britischen volkswirtschaftlichen Beratungsfirma Capital Economics.

          Der Vorschlag: Die Peripheriestaaten bekommen einzelne Währungen. In einem Nordeuro bleiben Deutschland, Österreich, die Niederlande, Finnland, Belgien und Frankreich. Peripheriestaaten haben erst mal kein Bargeld – es wird ersetzt durch Kartenzahlungen. Zudem können Euro als Fremdwährung benutzt werden, bis Bargeld gedruckt ist.

          Die Vorteile: Stabiles Währungssystem nach der Umstellung, Grenzkontrollen sind nicht nötig.

          Die Nachteile: In der Zeit nach der Umstellung gibt es zu viele Euros. Wer in Griechenland Bargeld hortet, macht enormen Gewinn – aber Firmen aus den Peripheriestaaten gehen in Massen pleite, weil sie ihre Eurokredite nicht zurückzahlen können.

             

          B) „Newney“ einführen

          Bild: Irl, Maria

          Die Autorin: Catherine Dobbs ist eine private Börsenhändlerin.

          Der Vorschlag: Der Euro wird ersetzt durch einen Währungskorb namens „Newney“, ähnlich wie der ECU vor der Euro-Einführung. Alle Verträge, Konten und Kredite werden in diesen Währungskorb umgewandelt. Nur neue Verträge und neue Zahlungen werden von vornherein in der neuen Währung des jeweiligen Landes abgeschlossen.

          Die Vorteile: Die Umstellung fällt sehr leicht. Es gibt keinen Grund, Bargeld von einem Land ins andere zu schaffen.

          Die Nachteile: Jeder Europäer hat plötzlich Konten und Kredite in fremder Währung. Der Währungskorb wird mehr wert sein als die neue Drachme, was die Kredite für Griechen enorm verteuert – aber er wird weniger wert sein als die neue Mark, was die Ersparnisse der Deutschen entwertet.

             

          C) Pleiten zulassen

          Bild: dapd

          Der Autor: Jonathan Tepper ist Chefredakteur eines Börsen-Analyseblattes, Fondsmanager und Buchautor.

          Der Vorschlag: Tepper liefert weniger einen Vorschlag für die Abwicklung. Dafür analysiert er historische Beispiele – in den vergangenen 100 Jahren sind mehr als 100 Währungsunionen zerbrochen. Tepper schätzt die Folgen ab: Ein Euro-Ausstieg wird viele Pleiten nach sich ziehen, aber diese Pleiten wären sowieso nötig. Der Ausstieg ist rechtlich machbar, und die Wirtschaft wird nicht dauerhaft leiden.

          Die Vorteile: Nach dem Ausstieg kehrt die alte Wirtschaftsleistung schnell zurück – das ist die Erfahrung aus den vergangenen Jahren.

          Die Nachteile: Viele Banken und Privathaushalte gehen pleite. Monatelange Kapitalverkehrskontrollen werden nötig.

             

          D) Banken entflechten

          Bild: Hoang Le, Kien

          Die Autoren: Jens Nordvig und Nick Firoozye sind Währungsanalysten der Investmentbank Nomura.

          Der Vorschlag: Der Euro wird anfangs nicht aufgelöst, sondern durch einen neuen ECU ersetzt – einen Korb aus den Währungen der einzelnen Mitgliedsstaaten. Auf dem Währungsmarkt können sich neue Kurse bilden, gleichzeitig können sich Banken und Firmen an der Börse gegen Kursänderungen absichern. Zudem werden die Währungen nach und nach entflochten. Erst wenn das geschehen ist, wird der Euro abgeschafft.

          Die Vorteile: Die Umstellung fällt leicht. Es gibt keinen Grund, Bargeld von einem Land ins andere zu schaffen.

          Die Nachteile: Die Absicherung funktioniert nur eingeschränkt. Klar ist: Der Währungskorb wird mehr wert sein als die neue Drachme, aber weniger als die neue Mark.

             

          E) Scheine umtauschen

          Bild: dpa

          Der Autor: Neil Record hat eine Währungshandelsfirma gegründet, die seit fast 30 Jahren besteht.

          Der Vorschlag: In jedem Land, das den Euro verlässt, wird die Währung durch die neue Landeswährung ersetzt. Euro-Münzen und -Scheine werden durch die neue Währung ersetzt, wenn sie in jenem Land gedruckt worden sind – egal, wo sie gerade sind. Der Aufdruck zeigt, aus welchem Land sie stammen (bei Scheinen: die Seriennummer).

          Die Vorteile: Die Umstellung fällt sehr leicht. Es gibt keinen Grund, Bargeld von einem Land ins andere zu schaffen

          Die Nachteile: Gewinne und Verluste entstehen zufällig. Der Vorschlag erklärt nicht, was mit internationalen Verträgen geschieht, die in Euro ausgestellt sind – zum Beispiel ein Handelsvertrag zwischen Polen und Briten, der in Euro abgerechnet wird.

            

          F) Schulden begleichen  

          Bild: dapd

          Der Autor: Jurre Hermans ist elf Jahre alt und Schüler aus den Niederlanden. Sein Vorschlag wurde von der Jury mit einem Sonderpreis ausgezeichnet, seitdem ist Jurre Hermans auch Medienstar.

          Der Vorschlag: Die Griechen tauschen ihre Euro an Automaten in Drachmen. Mit dem Euro zahlt die Regierung ihre Schulden zurück. Wer seine Euros nicht tauscht, muss den doppelten Betrag als Strafe zahlen.

          Die Vorteile: Die griechischen Staatsanleihen werden zurückgezahlt.

          Die Nachteile: Es gibt nicht genug Bargeld in Griechenland für alle Staatsschulden. Die Schulden von Banken und Firmen werden nicht beglichen. Die Geldmenge im Euroraum schrumpft nicht mit dem Währungsraum. Um den Tausch zu kontrollieren, werden Hausdurchsuchungen nötig.

          Quelle: F.A.S.

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