28.05.2001 · In einem Thesenpapier üben der Bundesverband der Deutschen Industrie und der Industrie- und Handelstag massiv Kritik an den staatlich geförderten Forschungsanstalten.
Die Industrieverbände schalten sich in die Diskussion um die Neugestaltung der Forschungslandschaft Deutschland ein. In einem am Montag vorgelegten gemeinsamen Thesenpapier vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und dem Deutschen Industrie- und Handelstag (DIHT) werden deutschen Forschungseinrichtungen „eklatante Effizienzmängel bei der Verwendung der öffentlichen Forschungsmilliarden“ vorgeworfen.
„Der Beitrag des öffentlich finanzierten Forschungssystems zur Lösung von Problemen in Wirtschaft und Gesellschaft sind zu gering“, erklärte der Vorsitzende des BDI-Forschungsausschusses und DaimlerChrysler-Vorstand Klaus-Dieter Vöhringer bei der Vorstellung des Papiers. Das habe eine Überprüfung der deutschen Wissenschaftsorganisationen seit 1998 ergeben. Zwar nehme Deutschland international einen Spitzenplatz bei den Aufwendungen für Forschung und Entwicklung ein, die Ergebnisse blieben aber immer häufiger nur auf Mittelfeldrängen.
Exporterfolg dank privater Forschung
Als Ausweg aus der Misere nennen die Industrieverbände in ihrem 14-seitigen Thesenpapier mehr Mitsprache der Wirtschaft. Denn laut BDI und DIHT stammen 63 Prozent des Geldes, das im Jahr 1999 in Deutschland für Forschung und Entwicklung gesteckt wurde, von der deutschen Wirtschaft. Allerdings flossen diese knapp 61 Milliarden Mark in die Forschungsabteilungen der Wirtschaftsunternehmen, die mit ihren Entwicklungen „den ungebrochenen Exporterfolg“ der Wirtschaft made in Germany ermöglicht hat.
Wirtschaft will Mitsprache
Die staatlich finanzierte Forschung habe damit „nicht Schritt gehalten“, steht in dem Thesenpapier, das FAZ.NET vorliegt. Deshalb wünscht sich die Wirtschaft stärkeres Mitspracherecht bei der Festlegung thematischer Schwerpunkte und der Zeithorizonte.
Schuld an der Misere der staatlich finanzierten Forschung ist nach Auffassung der Industrieverbände das „etwas verkrustete Wissenschaftssystem“ mit Wettbewerb und Chancengleichheit aufzubrechen. Alle kompetenten Forschergruppen müssten sich um öffentliche Gelder für Forschungsprojekte bewerben können, egal welcher Wissenschaftsorganisation sie angehörten.
Gegenwärtig sei durch unterschiedliche Finanzierungsregelungen für die großen Forschungsorganisationen Max-Planck-Gesellschaft, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Fraunhofergesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft und Leibniz-Wissenschaftsgemeinschaft eine Chancengleichheit nicht gegeben.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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