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Wirtschaftsnobelpreisträger James Buchanan gestorben

 ·  Mit seiner „Public-Choice-Theorie“ hat James Buchanan die Ökonomik verändert. Nun ist er im Alter von 93 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

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© dpa Vergrößern James Buchanan

Wer den freiheitlichen Drang der Amerikaner nach Unabhängigkeit verstehen will, der muss in die Provinz fahren, am besten in die Südstaaten, in denen die Erinnerung an den Bürgerkrieg und die gewaltsame Rückintegration in die Vereinigten Staaten noch lebendig ist. Dort lässt sich das große Misstrauen der Menschen gegenüber der Bundesregierung und dem Kongress erleben, die im fernen Washington nicht nur räumlich von den Bürgern weit entfernt sind. James McGill Buchanan war ein solcher Südstaatler. „Mein Denken ist vollkommen davon durchdrungen, dass es stets darum gehen muss, Minderheiten vor der Tyrannei der Mehrheit zu schützen“, sagte Buchanan 2009 im Gespräch mit der F.A.Z.

Dieses Denken bestimmte das wissenschaftliche Werk von Buchanan, für das er 1986 in Stockholm mit dem Nobel-Gedenkpreis für Wirtschaftswissenschaften der Schwedischen Reichsbank ausgezeichnet wurde. „Buchanan wer?“, fragten damals sogar viele Fachkollegen, weil seine Forschung bei weitem nicht dem Massengeschmack der wissenschaftlichen Ökonomen entsprach und erst in den vergangenen Jahrzehnten an Aufmerksamkeit gewonnen hat.

Buchanans Leitfrage war: Welcher Regeln bedarf es, damit die Freiheit des Menschen in einer politischen Ordnung weitestgehend geschützt wird? Zusammen mit Gordon Tullock legte er 1962 mit „The Calculus of Consent“ den Grundstein für die Public-Choice-Schule, auch ökonomische Theorie der Politik genannt. Politiker sind in diesen Modellen nur zweitrangig am Wohl der Wähler interessiert, vorrangig geht es ihnen um die Maximierung der Wählerstimmen oder des Steueraufkommens. Buchanan beschrieb Public Choice als „Politik ohne Romantik“.

In späteren Arbeiten hat er dieses Denken zur Verfassungsökonomik weiterentwickelt. Verfassungsregeln galten ihm dann als gut, wenn die Menschen ihnen hinter einem Schleier der Unsicherheit zustimmen würden, in dem sie selbst ihre Position in der Gesellschaft nicht kennen. Das war zwar nur ein hypothetisches Konstrukt, hat aber seine Meriten. Konkret empfahl Buchanan etwa ein Verbot der Staatsverschuldung und eine Verankerung der Unabhängigkeit der Zentralbank in der Verfassung, um sie dem politischen Einfluss zu entziehen. Die Verfassungsregeln sollten dem willkürlichen Handeln von Notenbankern zugleich enge Regeln setzen. Mit seiner Betonung von Verfassungsregeln für das politische Handeln stand Buchanan der neoliberalen deutschen Ordnungsökonomik näher, als es viele seiner amerikanischen Ökonomen erkannten.

© picture-alliance / dpa Vergrößern 1986 bekam James Buchanan (l) den Nobel-Gedenkpreis vom schwedischen König Carl Gustaf überreicht.

Buchanans wissenschaftliches Werk war maßgeblich beeinflusst durch seinen Lehrer Frank Knight und durch den schwedischen Wirtschaftswissenschaftler Knut Wicksell. Weniger Beachtung fand sein Buch „Cost and Choice“ von 1969, in dem er in der Tradition der österreichischen Schule der Nationalökonomik darlegte, dass Kosten nur entgangener Nutzen und demzufolge nur von den einzelnen Menschen zu bewerten sind. Folgerichtig galt ihm die marktwirtschaftliche Ordnung nicht nur – wie den meisten Ökonomen – wegen ihrer wirtschaftlichen Effizienz als überlegen. Wichtiger war Buchanan, dass nur in der Marktwirtschaft die Freiheit und Unabhängigkeit des Menschen weitgehend gewahrt bleibt.

Buchanan wurde am 2. Oktober 1919 in Tennessee als Sohn eines Landwirts und einer Lehrerin geboren und lernte als Kind große Armut kennen. Sein Großvater, John P. Buchanan, war in den 1890er Jahren Gouverneur des Bundesstaats Tennessee. 1948 wurde Buchanan bei Frank Knight an der Universität von Chicago promoviert. Seine wissenschaftliche Laufbahn verbrachte er vor allem in Virginia, zuletzt als Emeritus der George-Mason-Universität in der Stadt Fairfax. Sein Zuhause aber fand Buchanan in einem kleinen Landhaus im Städtchen Blacksburg im Süden des Bundesstaats. James Buchanan ist am Mittwoch im Alter von 93 Jahren gestorben.

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