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Wirtschaftsethik „Es gibt eine Alternative zur Gewinnmaximierung“

 ·  In einer neuen Enzyklika prangert der Papst das Profitstreben an. Die Sonntagszeitung hat darüber mit dem Wirtschaftsethiker Peter Ulrich gesprochen. Er verteidigt den Heiligen Vater, kritisiert die Manager und fordert Ökonomie für Fünftklässler.

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In einer neuen Enzyklika prangert der Papst das Profitstreben an. Die Sonntagszeitung hat darüber mit dem Wirtschaftsethiker Peter Ulrich gesprochen. Er verteidigt den Heiligen Vater, kritisiert die Manager und fordert Ökonomie für Fünftklässler.

Professor Ulrich, der Papst hat in seiner neuen Enzyklika geschrieben, mit Geld sollte nicht spekuliert werden. Ist das denn wirklich schlecht?

Generell nicht. Wenn die Spekulationsmentalität sich aber von jeder Rücksichtnahme auf lebenspraktische Folgen ablöst, dann ist das unverantwortlich.

Zudem fordert Benedikt als Lehre aus der Krise, nicht möglichst hohe kurzfristige Gewinne anzustreben, sondern auf den langfristigen Nutzen einer Investition für die Realwirtschaft zu achten. Was heißt das?

Im Grunde verlangt er, die Finanzwirtschaft, also alle Banken und Investmentgesellschaften, wieder in den Dienst der Volks- und Weltwirtschaft zu stellen und damit ein Verhältnis umzukehren, dass maßgeblich zu den aktuellen Problemen beigetragen hat.

..., die, wenn sich sogar der Papst explizit zur Krise äußert, offenbar auch die Moral umfassen.

Gewiss. Versucht man, diese Krise auf den zentralen Punkt zu bringen, dann drückt sich in ihr wohl die Spitze eines allzu radikal verselbständigten Gelddenkens aus.

Hat das etwas mit den komplizierten Finanzprodukten zu tun, die viele Käufer offenbar nicht verstanden haben?

Solche sogenannten Finanzprodukte - im Grunde wird da ja nichts produziert - sind ein typisches Symptom dieser Gewinnmaximierungsdoktrin. In ihnen wurden Risiken verschleiert, verbrieft und rund um die Welt verstreut. Das Wesen dieser Produkte besteht letztendlich darin, Geld aus Geld zu machen, ohne den lästigen Umweg über die Realwirtschaft zu gehen.

Und das ist schlecht?

Das Prinzip, mehr Geld und immer mehr Geld mit fast beliebigen Mitteln zu machen, ist nicht die Lösung, sondern der Kern des Problems.

Aber in Wirtschaftsbüchern steht, wenn jeder versucht, den größtmöglichen Reibach zu machen, und sei es durch das Anlegen von Geld, muss das für alle gut sein.

Wir beginnen gerade zu bemerken, dass sich hinter dieser Harmonievorstellung eine Ideologie verbirgt, die versucht, Partikularinteressen als das Gemeinwohl oder den „Wohlstand für alle“ zu verkaufen.

Was meinen Sie damit?

Dass einige von der Marktwirtschaft besonders profitieren und gleichzeitig erzählen, wir würden alle etwas davon haben.

Die hohen Renditen der Banken haben aber zum Wachstum vor der Krise beigetragen und damit den allgemeinen Wohlstand erhöht, was gut ist.

Da widerspreche ich. Die hohen Renditen sind eine Folge eindimensionalen Denkens. Gewinnmaximierung heißt ja, dass ich alle damit konfligierenden Wertgesichtspunkte dieser einen Dimension unterordne, ohne Rücksicht auf die Folgen für die betroffenen Menschen. Allzu lang wurden in einfältiger Weise die Milliardengewinne der Großbanken bejubelt und niemand wollte wirklich wissen, wie sie zustande kamen.

Gibt es zur Gewinnmaximierung eine Alternative?

Ich denke schon. Eine faire, ausgewogene Wirtschaftsweise würde immer damit beginnen zu fragen, welche legitimen Ansprüche von wirtschaftlichem Handeln betroffen sind.

Das mahnt auch der Papst an. Er kritisiert, es gebe eine „kosmopolitische Klasse von Managern, die sich oft nur nach den Anweisungen der Hauptaktionäre richten“.

Ja, und er schreibt zu Recht, dass gute Unternehmensführung etwa auch auf Arbeitnehmer, Kunden und Zulieferer Rücksicht nehmen muss.

Ist es rücksichtslos, wenn ein Bankmanager 25 Prozent Rendite für sein Institut vorgibt?

Ich halte dieses Ziel in der Tat für angreifbar. Zum Minimalbestand an Einsichten gehört doch, dass ein maßloses Renditestreben eine wesentliche mentale Ursache des Schlamassels ist. Insofern ist es ein fatales Signal, wenn bereits wieder Zahlen wie 25 Prozent Rendite als verbindliche einzige Zielgröße des angestrebten Unternehmenserfolgs ausgegeben werden. Das spricht dafür, dass ein Umdenken nicht stattgefunden hat.

Müssen Manager - auch ihre Familien wollen schließlich ernährt werden - nicht hohe Gewinne anstreben, weil die Eigentümer sie sonst vor die Tür setzen?

Genau das nenne ich „Sachzwangrhetorik“. Es ist doch seltsam: Dieselben Leute, die uns in Sonntagsreden weismachen wollen, dass der Markt der Inbegriff der Freiheit ist, reden ständig in diesem Modus des Müssens - irgendjemand, meist die anonyme Konkurrenz, zwinge sie zu diesem oder jenem.

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Das Gespräch führte Alexander Armbruster.

Quelle: F.A.S.
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