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Tipps von Ökonomen Das Geheimnis einer guten Ehe

 ·  Ökonomen schrecken auch vor den ganz großen Fragen nicht zurück: Was ist das Geheimnis einer guten Ehe? Gleich und Gleich gesellt sich gern oder Gegensätze ziehen sich an?

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Was ist - zumindest ökonomisch betrachtet - das Geheimnis einer guten Ehe: Gleich und Gleich gesellt sich gern oder Gegensätze ziehen sich an? Die Idee, dass Gegensätze sich ehelich anziehen, hat aus ökonomischer Perspektive etwas für sich: Je gegensätzlicher zwei Partner sind, umso größer sind die möglichen Gewinne aus einer partnerschaftlichen Arbeitsteilung. Wenn zwei Menschen mit unterschiedlichen Talenten sich zusammentun und jeder seine Talente voll auslebt, verspricht das hohe Spezialisierungsvorteile.

Das ist im Grunde genommen die universale Idee der Arbeitsteilung und der damit verbundenen komparativen Vorteile. Es ist auch ein Konzept aus der grauen Vorzeit der Eheschließung: Der Mann spezialisiert sich auf das Geldverdienen, die Frau auf den Haushalt. Das optimiert vielleicht den Ertrag einer Gemeinschaft, ist aber zwischenmenschlich eine zweifelhafte Angelegenheit, jedenfalls dann, wenn die Wahl zu dieser Lebensform aus Mangel an Alternativen getroffen wird.

Viele Frauen jedenfalls haben, sobald sie die Wahl hatten, sich gegen diese Form der Arbeitsteilung entschieden: Mit dem Siegeszug der modernen Haushaltstechnologie - Spülmaschine, Wäschetrockner und Ähnliches - entfällt zunehmend die Notwendigkeit einer solchen Spezialisierungsehe. Diese Form der Ehe, bei der ein Partner sich auf den Haushalt spezialisiert, befindet sich also dementsprechend auf dem Rückzug. Gegensätze ziehen sich also zumindest aus ökonomischer Perspektive nicht mehr an.

So betrachtet, ist der Fall damit klar: Gleich und Gleich ist das Geheimnis einer glücklichen Ehe. Warum, ist rasch geklärt: Eine Ehe ist eine besondere Produktionsgemeinschaft, die ein sehr spezielles Produkt herstellt, bestehend aus Liebe, Nähe, Geborgenheit, Zuneigung, Vertrauen, Sicherheit - eben all diesen Dingen, die einem als Single fehlen, wenn man alleine nachts nach Hause kommt und eine kalte Wohnung vorfindet.

Und dieses spezielle Produkt gedeiht am besten, wenn es von Partnern hergestellt wird, die sich ähneln - schwer vorstellbar, dass der Frühaufsteher mit der Langschläferin harmoniert, die Ordnungsliebende mit dem Chaoten, der Naturfreund mit der Großstadtbewohnerin. Empirische Studien bestätigen diese Idee: Paare ähneln sich stark, was ihre Ansichten, Hobbys, Gewohnheiten, Wertvorstellungen und demographischen Merkmale angeht. Sind alle Fragen damit geklärt? Vielleicht nicht ganz. Es gibt offenbar einen Bereich des Lebens und der Liebe, wo sich Gegensätze anziehen.

Geizkragen fühlen sich zu Verschwendern hingezogen

Die Ökonomen Scott I. Rick, Deborah A. Small und Eli J. Finkel jedenfalls glauben, eine Ausnahme von der Gleich-und-Gleich-These entdeckt zu haben: Mittels mehrerer Befragungen haben sie herausgefunden, dass sich finanzielle Gegensätze anziehen. Menschen, die einen zu starken Hang zum Geldausgeben haben, neigen offenbar dazu, Menschen zu heiraten, die eher zu vorsichtig mit ihrem Einkommen umgehen. Oder um es deutlicher zu sagen: Verschwender heiraten Geizkragen; Geizkragen fühlen sich zu Verschwendern hingezogen.

Ob diese Annahme stimmt, lässt sich mit Hilfe von ein wenig Statistik und einigen Umfragen leicht herausfinden. Dabei fragt man die Ehepartner, wie sie sich einschätzen: Sehen sie sich eher als Sparbrötchen oder doch als jemand, der zu große Spendierhosen trägt? Und um wirklich sicherzugehen, fragt man das in Varianten: Erst bittet man die Eheleute, sich selbst auf einer Geizkragen-Geldverschwender-Skala einzuschätzen, dann sollen sie ihren Ehepartner auf dieser Skala einordnen.

Die Ergebnisse dieser Befragungen zeigen, dass die Einschätzungen der Eheleute recht gut korrespondieren. Außerdem zeigen sie, dass sich Gegensätze hier anziehen: Es gibt eine deutlich positive Beziehung zwischen diesen beiden Extremen. Geizkragen neigen dazu, Verschwender zu heiraten - und umgekehrt.

Welche Folgen kann das haben? Dazu machten die Ökonomen eine weitere Befragung, sie befragten die Ehepaare, wie sehr die Aussicht auf Geldentscheidungen sie emotional unter Stress setzt, wie sehr es sie insbesondere unter Stress setzt, wenn größere Ausgaben anstehen.

Dabei zeigte sich, dass dieser emotionale Ausgabenstress um so größer war, je gegensätzlicher die beiden Ehepartner waren - was recht naheliegend ist. Mit anderen Worten: Je größer der finanzielle Stress in einer Ehe, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass es sich dabei um ein gegensätzliches Pärchen handelt. Die Konsequenz liegt auf der Hand und zeigt sich auch in den Befragungen: Die Zufriedenheit der Ehepaare mit ihrer Ehe sinkt umso mehr, je unterschiedlicher die Ehepaare hinsichtlich ihrer Ausgabenattitüden sind. Es mag also sein, dass sich Verschwender zu Geizkragen hingezogen fühlen - glücklicher allerdings macht sie das nicht.

Was man an sich nicht mag

Nun könnte es ja sein, dass es der Verschwender ist, der zum ehelichen Unfrieden beiträgt, weil er die Ehefinanzen durcheinanderbringt. Die Daten zeigen auch in der Tat, dass es Verschwendern finanziell besser geht, wenn sie einen Geizkragen heiraten, und dass Geizkragen finanzielle Einbußen machen, wenn sie statt ihresgleichen einen Verschwender heiraten. Rechnet man allerdings die finanziellen Umstände des Ehepaares - Schulden, Ersparnisse, Kreditkarten - aus den Daten heraus, so bleibt immer noch der gleiche Befund: Eine Ehe zwischen Geizkragen und Verschwender ist nicht so glücklich wie eine Ehe zwischen zwei Vögeln vom gleichen Gefieder.

Was passiert hier? Warum scheinen sich Gegensätze zumindest im finanziellen Bereich anzuziehen? Eine Erklärung besteht darin, dass man nicht das heiraten will, was man an sich selbst nicht mag. Wer ein Verschwender ist, diese Eigenschaft an sich aber nicht mag, wird eher jemanden heiraten, der äußerst sparsam ist. Man möchte also nicht mit jemandem am Frühstückstisch sitzen, der die eigenen schlechten Eigenschaften verkörpert. In der Tat geben die Befragungen der Ökonomen dieser These in einem Punkt recht: Wer sich selbst als Geizkragen oder Verschwender einschätzt, ist oft mit dieser Eigenschaft seines Charakters nicht sonderlich glücklich. Damit müsste man die goldene Regel des "Gleich und Gleich gesellt sich gern" ein wenig ergänzen: Gleich und Gleich gesellt sich dann gern, wenn es um Eigenschaften geht, die man an sich mag. Bei Eigenschaften, die man an sich nicht mag, ziehen sich die Gegensätze offenbar eher an. Ob man damit dann aber auch glücklich wird, steht auf einem anderen Blatt.

Scott I. Rick, Deborah A. Small, Eli J. Finkel: Fatal (Fiscal) Attraction: Spendthrifts and Tightwads in Marriage, Journal of Marketing Research, Vol. XLVIII, April 2011, S. 228-237.

Quelle: F.A.S.
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