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Stellenausschreibung der Kanzlerin : Wie gefährlich sind die Verhaltensforscher?

  • -Aktualisiert am

Bild: picture alliance / blickwinkel/M

Die Kanzlerin will spezielle Wissenschaftler einstellen, um „wirksamer“ zu regieren. Ist das gut? Oder können Politiker uns so leichter manipulieren? FAZ.NET beantwortet die wichtigsten Fragen.

          Das Bundeskanzleramt sucht drei Referenten mit einem äußerst speziellen Profil: Sie sollen helfen „wirksamer“ zu regieren und „neue politische Lösungsansätze“ erdenken und erproben. Die „Bild“-Zeitung sprach davon, dass die Kanzlerin „Psycho-Trainer“ anheuern wolle. Das Thema hat eine breite Debatte unter den Lesern ausgelöst. Deswegen erklären wir, was sich hinter der Stellenausschreibung verbirgt.

          Um was geht es?

          Seit den siebziger Jahren hat sich, ausgelöst durch die Forschungen des späteren Nobelpreisträger Daniel Kahneman und seines verstorbenen Kollegen Amos Tversky, eine neue Forschungsrichtung in der Volkswirtschaftslehre etabliert: sie heißt „Behavioral Economics“. Und sie beschäftigt sich damit, Psychologie in die ökonomische Theorie einzuflechten. Diese Forschungen werden vor allem mit Hilfe von Experimenten – sowohl im Labor als auch im Feld – betrieben, weshalb in der Stellenausschreibung des Kanzleramtes auch „nachgewiesene Erfahrungen in der Anwendung empirischer Methoden der Sozial- und Verhaltenswissenschaften“ verlangt werden.

          Was hat das mit Politik zu tun?

          Die zentrale Frage, die sich Wirtschaftspolitiker im Zusammenhang mit dieser Forschung stellen, lautet: Wird die Wirtschaftspolitik wirksamer mit Hilfe der Erkenntnisse der Verhaltensforscher? Konkret sind es drei Konzepte, die sich die Politik zunutze machen will und die erst einmal sehr kompliziert klingen: „Heuristiken“, „Verlustaversion“ und „zeitinkonsistentes Verhalten“.

          Unter „Heuristiken“ versteht man die Forschung, die zeigt, dass Menschen oft komplexe Probleme mit einfachen Daumenregeln (Heuristiken) lösen. Diese Art der Problemlösung ist häufig wirklich sehr effizient, manchmal aber auch sehr schlecht. Darum geht es, um die Fälle, in denen die Daumenregeln zu schlechten Ergebnissen führen - und in denen dann Verhalten als irrational gedeutet wird.

          Ein ganz wichtiges Forschungsergebnis lässt sich mit dem Begriff Verlustaversion beschreiben: Wir Menschen, haben die Spitzenforscher Kahneman und Tversky herausgefunden, wollen auf jeden Fall Verluste vermeiden. Verluste sind für uns doppelt so schlimm wie Gewinne erfreulich. Und außerdem bewerten wir Verluste situationsabhängig: Wenn jemand erst zehn Dollar gewinnt und dann fünf Dollar verliert, fühlt er sich schlechter als jemand, der nur fünf Dollar gewonnen hat – obwohl beide um fünf Dollar reicher geworden sind.

          Das zeitinkonsistente Verhalten schließlich beschreibt den Umstand, dass Menschen ungeduldig sind und kurzfristig lieber den Spatz in der Hand als langfristig die Taube auf dem Dach haben wollen. Eine Folge davon ist, dass wir mitunter Dinge tun, die wir langfristig eigentlich lieber sein lassen würden – beispielsweise Rauchen, Trinken, zu viel Essen oder Geld ausgeben, statt zu sparen.

          Mit diesen drei Konzepten lässt sich prima Politik effektiver machen. Eine sehr populäre Idee von psychologisch inspirierter Politik ist die des „Liberalen Paternalismus“.

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